Es hatte letzte Nacht geregnet. Aber nicht diese Art von schönem Sommerregen, dessen Duft einem am nächsten Morgen so lieblich in der Nase kitzelte und dessen Melodie einen des Abends sanft in den Schlaf wiegte. Nein, geschüttet hatte es. Geschüttet, als wollte der Himmel allen Schmutz und Gestank der Stadt in nur einer Nacht fortwaschen. Es war ihm nicht gelungen. Der Matsch stand so hoch auf den Straßen, dass ich samt meinen Schuhen knöcheltief darin versank. Die Stadt schien mir an diesem Morgen sogar noch dreckiger als sonst. Der Regen hatte allen Morast der Wege in sich aufgelöst und das schmutzige Wasser stand nun in jedem Winkel unseres Viertels. Die Räder der ersten Kutschen an diesem Morgen hatten bereits tiefe Rillen in den Gassen hinterlassen und das schmatzende Geräusch, das die Schuhe der emsig wimmelnden Menschen beim Durchwaten des Matsches verursachten, mischte sich mit ihrem Gerede. Fauliger Gestank des in der zunehmenden Hitze verdampfenden Wassers ließ mein mageres Frühstück wieder in mir aufsteigen. Ich schluckte einmal energisch und machte mich im gewohnten Trott auf zu dem kleinen Marktplatz neben einer der Kathedralen. Drängelnd und stolpernd hastete ich durch die engen Gassen und zwischen den windschiefen und teilweise zerfallenden Häusern der Stadt. Die Sonne war seit beinahe einer Stunde vollständig aufgegangen. Es würde nicht mehr lange dauern, bis die besser betuchten und edel gekleideten Damen und Herren aus der morgendlichen Messe strömten, und bis dahin wollte ich meinen Stand aufgebaut haben. Es war die einzige Gelegenheit, zu der sie sich auf diesem Platz blicken ließen, und die beste Möglichkeit, ihnen meine Waren zu präsentieren. Dessen waren sich leider alle Händler bewusst, und ich bezweifelte, noch einen guten Platz ergattern zu können.
Meine Befürchtung bewahrheitete sich, als ich schließlich