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„Oh Gott, da ist ja der Schönling unserer Schule!“, schreit mir Anita ins Ohr und zeigt hemmungslos mit dem Finger zur Bar. Die Musik ist so laut, dass ich ihre Worte kaum verstehe, aber als ich ihrem Blick folge, sehe ich Finn inmitten seiner versnobten Freunde stehen. Neben ihm klebt ein aufgebrezeltes Püppchen, das ihn schamlos anschmachtet.
„Meine Güte, hier lassen sie aber auch jeden rein!“, erwidert Julia für mich, die mit uns auf der Tanzfläche abzappelt.
„Na und, was kümmert’s uns?“, sage ich, drehe mich mit meinem Rollstuhl und wackle damit im Takt zur Musik.
Finn ist ein Aufschneider, der jedem Rock hinterherschaut. Mit oberflächlichen Menschen kann ich nichts anfangen und er bestimmt auch nichts mit solchen wie mir. Immerhin ist sein Beuteschema eher blond und blauäugig sowie talentfrei. Ich bin weder das eine noch zähle ich mich zu dem anderen, zudem sitze ich im Rollstuhl – passe demnach ganz sicher nicht in seine kunterbunte, ach so perfekte Welt. Das will ich auch gar nicht. Weshalb denke ich überhaupt darüber nach? Dieser Typ ist mir egal und ich bin glücklich mit meinem Leben – endlich! Schließlich hat es zwei lange Jahre gedauert, mich nach meinem Unfall mit meinem Schicksal abzufind