Kapitel 3
Zwei Tage vorher war auf Stift Salzstein, einem Ortsteil der Stadt Schrems im Waldviertel, Bruder Laurentius einer schweren Krankheit erlegen. Das Kloster Salzstein bestand aus zwei großen viereckigen Trakten, die versetzt aneinander gebaut waren. In jeweils einem Trakt lebten die Mönche des Hellezianerordens, die Nonnen des Ordens „Blut Maria“ bewohnten den zweiten Trakt im Sinne ihrer Rituale und Gelübde.
Viele logistische Bereiche, vordergründig die Landwirtschaft, wurden gemeinsam betrieben. Auf den Agrarbetrieb waren sie besonders stolz, denn er reichte fast zur Selbstversorgung und wurde rein biologisch geführt.
Bruder Laurentius war als Findelkind nach Salzstein gekommen. Dort wurde er von Ordensschwestern aufgezogen und lernte das Leben außerhalb des Klosters nie kennen. Nur wenige wussten, dass Laurentius von einem Geistlichen vor knapp 60 Jahren von einer Tagung mit nach Stift Salzstein gebracht worden war. Dieser Priester soll angeblich große Karriere gemacht haben. Damals war das Baby gerade einmal ein Monat alt. Es war die Rede, dass das Kind von einer unbekannten Mutter in einem Ordenskrankenhaus zur Welt gebracht worden war. Die Mutter sei kurz nach der Geburt verstorben, habe ihm vorher aber noch den Namen Laurentius gegeben.
Der junge Geistliche wollte dem Kind eine Perspektive bieten, weshalb er es der Obhut der Ordensschwestern in Salzstein anvertraute. Inwieweit in diesem Fall Behörden Kenntnis erlangt hatten, war nicht bekan