Ostwestfalen – Bielefeld – Feuerwache: Langeweile
Willst Du leiden Höllenqualen, gibt es nur eines: Ostwestfalen.
Siehst Du Mieses in der Welt, bist Du wohl in Bielefeld.
Bielefeld, du schöne Stadt … streiche »schön«, nimm besser »fuck«.
Das sind die Sprüche, die mir als erstes einfallen, wenn ich überlege, wie Nichteinwohner die Ostwestfalenmetropole beschreiben. Ich weiß, den Begriff »Metropole« zu benutzen ist vermessen, sofern man solche Orte wie Berlin, München, Hamburg, Frankfurt oder Köln daneben stellt. Ganz zu schweigen von internationalen Megacitys wie New York, Sydney, Tokio oder Istanbul.
Bielefeld besitzt in der öffentlichen Meinung den Charme der gewissen Leere. Nicht von Ungefähr hat sich in Verbindung mit meiner Heimat die Verschwörungstheorie entwickelt, dass es sie gar nicht gibt. Unsäglich, aber irgendwo auch nachvollziehbar, spiegelt es doch die Unentschlossenheit und Zerrissenheit des Erscheinungsbildes wider. Bielefeld ist das Paradebeispiel dafür, sich nicht entscheiden zu können. Es ist zu groß für eine Kleinstadt, aber zu klein für eine Großstadt. Die ortsansässige Fußballelf Arminia pendelt stetig orientierungslos zwischen den verschiedenen Profiligen hin und her und ist allein siebenmal aus der 1. Fußballklasse abgestiegen. Die Existenz eines U-Bahnnetzes steht für den Versuch, nach Großem zu streben, wirkt jedoch aufgrund der äußeren Rahmenbedingungen merkwürdig deplatziert. Steht man nun wiederum kurz davor, Bielefeld als pure Provinz mit Geltungssucht abzuqualifizieren, fällt einem ein, dass weltweit operierende Großkonzerne wie Dr. Oetker, Bertelsmann und Miele hier ansässig sind. Wie gesagt, die Stadt kann sich nicht entscheiden …
Genauso verhält es sich im Grunde genommen mit meinen besten Kumpeln Olaf »Öli« Hövelkröger, Thomas »Triene« Sunderkötter und Christian »Katschka« Otterpohl. Alle drei befinden sich in dem Wechselbad der Gefühle, sehnsüchtig gedanklich nach Dingen zu greifen, die von der rauen Gegenwart durchkreuzt werden.
Öli sieht sich in der Fantasie als Biker und muskulöser Harley-Hasardeur frei und ungebunden auf dem Highway 1 der Abendsonne Kaliforniens entgegenwubbern. Die wilde, langmähnige Haartracht wird vom Wind gekämmt und die Augen sind hinter einer coolen Sonnenbrille versteckt.
In Wirklichkeit reicht seine freie Entfaltung – nach täglich verrichtetem Job als Versicherungskaufmann mit Spezialgebiet Riester Rente und ähnlichen Gaunereien – maximal bis zum Gartenrand des noch lange nicht abbezahlten Eigenheimes. Spätestens dann erreicht ihn die brüchig-schnarrende Stimme seiner Frau Tanja, die ihn mit unzähligen Anweisungen überschüttet. Der Tonfall lässt einiges an Geringschätzung spüren. Geringschätzung dafür, dass Öli mittlerweile ganzjährig beachtlichen Winterspeck mit sich herumträgt. Geringschätzung dafür, dass seine ehemals adlerartige Sehstärke der eines Maulwurfs gewichen ist und nur noch mit Brillengläsern hoher Dioptrienzahl ausgeglichen werden kann. Geringschätzung dafür, dass sich in die einst sprießende, wuschelige Haarmatte tiefe Schneisen an Geheimratsecken hineinfressen. Geringschätzung dafür, dass die zupackende, handwerksbegabte Art von damals nur gespielt war und Olaf bei genauer Betrachtung noch nicht einmal eine Reißzwecke unfallfrei in eine Pinnwand drücken kann. Und nicht zuletzt Geringschätzung dafür, dass die Ehe immer noch kinderlos ist, wobei keineswegs geklärt ist, ob Tanja oder Öli Schuld daran trägt.
Triene, der zweite im Bunde, scheint im ersten Moment das genaue Gegenteil von Öli zu sein. Groß gewachsen, sportliche Figur, braun gebrannt, volles dunkles Haar und finanziell gut aufgestellt gibt er sich gerne in jeder Hinsicht potent und selbstsicher. Allerdings wohnt er im Alter von Ende 30 immer noch zu Hause und hängt unverändert am finanziellen Tropf seines Vaters, Inhaber des erfolgreichen mittelständischen Unternehmens »KlinSunBi«, welches Türverschlüsse unterschiedlichster Art herstellt und damit zu den weltweit führenden Vertretern der Branche zählt. Sämtliche Ausbildungsanläufe hat Triene abgebrochen und steht nun ohne jedweden Abschluss da, bis auf die Fac