: Franz Heinrich Reusch, Leopold Karl Goetz
: Peter Bürger
: Franz Heinrich Reusch (1825-1900) Zeugnis einer katholischen Freiheit - ein dokumentarischer Sammelband
: Books on Demand
: 9783755775362
: 1
: CHF 8.80
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: Religion/Theologie
: German
: 528
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Der Sauerländer Franz Heinrich Reusch (1825-1900) war kein besonders schöpferischer Theologe, sondern ein akribisch arbeitender Gelehrter. Als Professor, zeitweilig sogar Rektor der Universität Bonn betreute er eine führende Zeitschrift der liberalen katholischen Theologen in Deutschland. Seine Weigerung, die neuen Papstdogmen von 1870 anzuerkennen, führte zur Exkommunikation. Reusch wurde erster Generalvikar der Alt-Katholiken, konnte allerdings als skrupulöser Priester manche einschneidenden Reformen (Liturgie, Aufhebung des Zölibatzwangs) nicht mittragen. Nach 1870 wandte sich der Bibelexeget (AT) unter enger Zusammenarbeit mit Ignaz Döllinger ganz der Kirchengeschichte zu. Sein bahnbrechendes Werk über den Index der verbotenen Bücher (1883/85) hat die vatikanische Behörde förmlich zu einer Reform genötigt. Der hier vorgelegte dokumentarische Band enthält die maßgebliche Monographie über Reusch (Leopold Karl Goetz, 1901), Texte zur Maßregelung der Bonner Professoren durch den Kölner Erzbischof und eine Auswahl der ab 1871 veröffentlichten Schriften von F.H. Reusch: Das Unfehlbarkeits-Dekret (1871); Theologische Fakultäten oder Seminare? (1873); Die deutschen Bischöfe und der Aberglaube (1879); Der Theologe und Dichter Fray Luis de Leon (1873); Anmerkungen zu"Kardinal Robert Bellarmin" (1887);"Predigten" (ediert 1876). Erschlossen wird das Schaffen eines gewissenhaften, überaus bibliophilen Forschers, der auf scharfe Polemik verzichtet und gerade so die größte Wirkung erzielt: wissenschaftliche Aufklärung als Beitrag zur Kirchenreform. Geschichte& Kirchenreform - Band 2 (Hg. Peter Bürger)

Franz Heinrich Reusch (1825-1900), geboren in Brilon (Sauerland), war Professor für alttestamentliche Exegese in Bonn und trat schon vor dem Ersten Vatikanum als Herausgeber eines Organs der liberalen katholischen Theologie hervor. Der gewissenhafte Gelehrte verweigerte gegenüber dem Kölner Erzbischof die Annahme der 1870 verkündeten neuen Papstdogmen, wurde suspendiert (1871) und exkommuniziert (1872). Als erster Generalvikar, Seelsorger und Redakteur des reformkatholischen"Merku " nahm er anschließend eine bedeutsame Stellung im neugegründeten Bistum der Alt-Katholiken ein. Die Synodenentscheidung für eine Aufhebung des obligaten Priesterzölibats hat Reusch 1878 allerdings nicht mitgetragen. Seine späte wissenschaftliche Schaffensphase war - in sehr enger Zusammenarbeit mit Ignaz von Döllinger - ganz der kirchengeschichtlichen Forschung zugewandt. Das bahnbrechende Werk über den Index der verbotenen Bücher (zwei Bände, 1883/1885) hat verantwortliche Stellen im Vatikan förmlich zu einer Reform des Index (endgültige Aufhebung erst 1966) gezwungen. - 1873/74 war Reusch Rektor der Bonner Universität.

Vorwort zu dieser Edition


Franz Heinrich Reusch (1825-1900) – Zeugnis

einer katholischen Freiheit

Peter Bürger

Der erste Band dieser Reihe „Geschichte& Kirchenreform“ ist gewidmet dem Sauerländer Clemens August Graf von Westphalen (1805-1885), der sich als Laie mit einer anonym veröffentlichten Schrift gegen das Papstdogma von 1870 gestellt und dem Mainzer Bischof ‚ins Angesicht‘ widersprochen hat.1 In dieser Fortführung des Editionsprojektes wird nun ein Theologe aus der gleichen Landschaft vorgestellt, der wegen seiner Kritik am Ersten Vatikanischen Konzil bis hin zum Letzten gemaßregelt worden ist und zwar durch den Erzbischöflichen Stuhl zu Köln, welcher – bis heute2 – die Freiheit der ‚Kinder Gottes‘ und der katholischen Wissenschaft nicht liebt.

Ein „hervorragender Sohn Brilons“, so nennt ihn derSauerländische Anzeiger vom 8. Januar 1901 – und dann folgt dieEinschränkung: „bis 1870, in welchem Jahre er sich der altkatholischen Bewegung anschloss“. Die Rede ist von Franz Heinrich Reusch (1825-1900). In der Heimat verübelte man es dem Priester und Gelehrten, dass er den Herrschaftslehren von der Unfehlbarkeit und jurisdiktionellen Universalgewalt des Papstes hartnäckig seine Zustimmung verweigerte. F. H. Reusch, Professor für Bibelexegese an der Universität Bonn, und sein Freund Johann Friedrich Ritter von Schulte (1827-1914) aus Winterberg, einer der bedeutendsten Lehrer der Kirchenrechtswissenschaft des 19. Jahrhunderts, wurden aufgrund ihre Gehorsamsverweigerung (Nichtannahme der neuen Dogmen) aus der römisch-katholischen Kirche ausgeschlossen. Beide traten dann hervor als Gründerpersönlichkeiten des bis heute bestehenden Bistums der Alt-Katholiken, in dem die Getreuen des vor 1870 geltenden ‚Katechismus‘ nach ihrer Exkommunikation ein kirchliches Zuhause fanden.

Zu Biographie und Werk von Franz Heinrich Reusch

Unser Dokumentationsband beginnt mit einer noch immer maßgeblichen Darstellung über FranzHeinrich Reusch, die der alt-katholische Dozent und Slawist Leopold Karl Goetz 1901 zuerst als Monographie3 vorgelegt hat (→I). Sie erhellt die gesamte Biographie mit Blick auf den wissenschaftlichen und kirchlichen Werdegang des Theologen. Zwei andere Texte der ersten Abteilung (→II; III) verschaffen uns weitere Einblicke in das ‚Drama um die Freiheit der katholischen Wissenschaft‘, welches ab 1870 an der Universität Bonn unter aufziehenden Gewitterwolken aufgeführt wurde4 und für Franz Heinrich Reusch eine ‚bedeutsame Rolle‘ auswies.

In diesem Vorwort können wir uns – ohne in allem vorzugreifen – auf einige ergänzende Anmerkungen