1. Kapitel
Harlow
Sacht schlug das Wasser an den Anleger und rief mir im Rhythmus der Wellen in Erinnerung, wer und wo ich war. Die Sonne glitzerte auf dem Meer, und ich blinzelte, hob die Hand, um meine Augen vor der gleißenden Sonne abzuschirmen, und strich mir eine schweißfeuchte Strähne hinters Ohr. Hier war ich aufgewachsen, hier am Rand der Welt hatte ich gestanden und dem Flüstern des Meeres gelauscht, wann immer meine Gedanken zu laut geworden waren.
Morgen würde mein Bruder Eli die Frau heiraten, die endlich sein Herz gezähmt hatte, und unser Familienunternehmen, dasHutton Hotel – liebevoll dasHut genannt –, richtete den Empfang aus. Auf dem Grundstück hinter mir herrschte eifrige Geschäftigkeit, während Familie und Freunde die letzten Vorbereitungen für die Festlichkeiten trafen, mit denen Hope Maxwell im Hutton Clan willkommen geheißen werden würde, und eigentlich hätte ich dabei sein und mit allen anderen dekorieren, arrangieren und herumalbern sollen.
Und das würde ich auch.
Gleich.
Ich brauchte nur einen Moment zum Durchatmen.
Eine Chance, ein paar Sorgen über Bord zu werfen, bevor sie mich auffraßen.
Als mein Vater gestorben war, hatte ich mir geschworen, die Zeiten unnötiger Ängste hinter mir zu lassen, und ich hatte mich daran gehalten – zum größten Teil zumindest. Ich hatte mich runderneuert und fühlte mich inzwischen stärker, stabiler und weniger abhängig vom Urteil anderer, und ich hatte verinnerlicht, dass es vor allem meine Meinung war, die zählte – zum größten Teil zumindest.
Ja, ich wusste, da war noch Luft nach oben, aber ich entwickelte mich.
Ich zählte die Wellen und stimmte meine Atmung auf sie ab. Bewusst richtete ich meine Gedanken auf all das Gute, das in mein Leben getreten war, und versuchte, die diffusen Sorgen zu verdrängen. Eine Möwe nahte, kreiste über mir und landete schließlich in ein paar Schritten Entfernung. Die Füße mit den Schwimmhäuten platschten auf dem Holzsteg, während sie mich aus einem Auge anstarrte.
Ich lächelte und winkte ihr zu. »Hey – alles gut?«
Der Vogel legte den Kopf schief und kam näher; vermutlich hoffte er auf die Leckereien, die ich manchmal bei mir hatte.
»Tut mir leid, heute gibt es nichts«, murmelte ich und wandte mich wieder dem Wasser zu.
Schwere Schritte