Am „Tor zur Welt“
in Hamburg
Hamburger Hafen, 24.07.1993
Der forsche Ton eines Schiffshorns durchbrach die Luft, so gewaltig und kraftvoll, als käme er aus dem tiefen Rumpf. Wie ein Startschuss für die Geburt eines neuen Lebensabschnitts. Im Spiel der Hafenkulisse schlugen Wellen platschend an die Kaimauern und die wilden Schreie der Möwen erfüllten den Himmel. Die Kielwasser rauschten so laut, dass sie die Motoren der Schiffe beinahe übertönten. Mit einem großen Koffer an ihrer Seite stand Sabine auf einer der Kaianlagen und lauschte nachdenklich dem Hafentreiben. Eine Windböe nach der anderen jagte durch ihre dunklen Locken. Endlich war sie hier. An der Schwelle, hinter der die Welt wartete. Sie wusste es, aber noch mehr fühlte sie es. Alles Weite lag jetzt so nah, als hätte sie plötzlich Flügel. In wenigen Stunden würde sie Deutschland für mehr als ein halbes Jahr verlassen. Sie spürte den Freigeist in sich, wie er ihren Herzschlag beschleunigte. Schneller und schneller. Ein erhebendes, weiches Gefühl überkam sie, so als würden gleißende Sonnenstrahlen sie durchfließen. Nichts konnte sie mehr halten.
Tief atmete sie die Seeluft