: Sabine Saxinger, Carina Gsödl
: Gelockt - meine Zeit an der Reling der Welt Der Kompass nach Norden
: Books on Demand
: 9783755706700
: 1
: CHF 4.80
:
: Biographien, Autobiographien
: German
: 166
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Mein Name ist Sabine Saxinger. Zwölf Monate meines Lebens verbrachte ich als Cocktail- und Weinstewardess auf dem Fünf- Sterne-Kreuzfahrtschiff MS Hanseatic. Mit zweiundzwanzig Jahren brach ich auf, um die Welt zu sehen. Siebzehn Länder lagen auf meinem Seeweg. Der Kompass zeigte erst nach Norden und Westen, dann in den Süden und Osten. Von Hamburg hinauf zum Nordkap, weiter nach Island und Grönland, Richtung Kanada und USA, hinein in die Farben der Karibik und Mexikos, durch die tanzende Lebenslust von Brasilien, Uruguay und Argentinien bis zum eisigen Südpol und weiter ins heiße Afrika. Nichts konnte mich davon abhalten, diese Welt für mich zu entdecken und diese birgt bis heute einen unglaublichen Schatz in meiner Lebensgeschichte.

Als Autorin und Herausgeberin erzähle ich meine eigene Geschichte.

Am „Tor zur Welt“
in Hamburg


Hamburger Hafen, 24.07.1993

Der forsche Ton eines Schiffshorns durchbrach die Luft, so gewaltig und kraftvoll, als käme er aus dem tiefen Rumpf. Wie ein Startschuss für die Geburt eines neuen Lebensabschnitts. Im Spiel der Hafenkulisse schlugen Wellen platschend an die Kaimauern und die wilden Schreie der Möwen erfüllten den Himmel. Die Kielwasser rauschten so laut, dass sie die Motoren der Schiffe beinahe übertönten. Mit einem großen Koffer an ihrer Seite stand Sabine auf einer der Kaianlagen und lauschte nachdenklich dem Hafentreiben. Eine Windböe nach der anderen jagte durch ihre dunklen Locken. Endlich war sie hier. An der Schwelle, hinter der die Welt wartete. Sie wusste es, aber noch mehr fühlte sie es. Alles Weite lag jetzt so nah, als hätte sie plötzlich Flügel. In wenigen Stunden würde sie Deutschland für mehr als ein halbes Jahr verlassen. Sie spürte den Freigeist in sich, wie er ihren Herzschlag beschleunigte. Schneller und schneller. Ein erhebendes, weiches Gefühl überkam sie, so als würden gleißende Sonnenstrahlen sie durchfließen. Nichts konnte sie mehr halten.

Tief atmete sie die Seeluft