: Gudrun Leyendecker
: DAS IST DOCH KEIN DRAMA
: Books on Demand
: 9783755731429
: 1
: CHF 4.40
:
: Gegenwartsliteratur (ab 1945)
: German
: 360
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
DAS IST DOCH KEIN DRAMA Ist ein heiterer und zugleich auch ernster Roman, der im Schauspielermilieu spielt. Roman Breitkopf hat ein Theaterstück geschrieben, das er verfilmen möchte. In seiner Schauspielertruppe gibt es mehrere Frauen, die für ihn schwärmen und für ihn einen Produzenten suchen. Der Konkurrenzkampf sorgt für Verwirrung und Intrigen.

Gudrun Leyendecker ist seit 1995 Buchautorin. Sie wurde 1948 in Bonn geboren, siehe Wikipedia. Sie veröffentlichte etwa 55 Bücher, unter anderem Sachbücher, Kriminalromane, Liebesromane, und Satire. Leyendecker schreibt auch als Ghostwriterin für namhafte Regisseure. Sie ist Mitglied in schriftstellerischen Verbänden und in einem italienischen Kulturverein. Erfahrungen für ihre Tätigkeit sammelte sie auch in ihrer Jahrzehnte langen Tätigkeit als Lebensberaterin.

7. Kapitel

Im großen Theater des Gemeindezentrums herrschte in dieser Nacht reges Treiben. Während der Requisiteur Rainer mit dem Maskenbildner Jan einige große Wandkulissen aufbaute, mischten Sara und Hanna nach Carlos Anleitung die Malfarben an. Nelly brachte eine große Kanne Kaffee.

„Ich habe ihn extra ganz stark gemacht“, bemerkte die junge Schauspielerin. „Ich glaube nicht, dass euch damit auch nur eine Sekunde lang ein einziges Auge zufallen wird.“

Jan lachte laut. „Der Kaffee wird nicht reichen. Du könntest mich etwas stützen und mir ab und zu den Rücken massieren“, scherzte er.

Nelly sah ihn verächtlich an. „Du bist wohl gar nicht eingebildet?! Wir sind doch nicht im Mittelalter. Wenn ich mir schon die Nacht um die Ohren schlage, dann erwarte ich auch von euch, dass ihr hier in kürzester Zeit etwas Geniales zustande bringt. Schließlich habt ihr hier drei schöne Musen, die euch zu kreativen Bildern anregen können.“

„Schön ist Geschmackssache“, meinte Jan lachend. „Aber für eine üppige Venus hast du leider nicht das Format. Sonst hätte ich gesagt, du kannst dich schon mal ausziehen.“

Die junge Schauspielerin zögerte nicht lange, sondern kippte dem Maskenbildner einen Becher voll Wasser über den Kopf.

Er schrie auf. „Bist du verrückt?! Ich will kein Wasser, ich will Kaffee.“

„Das Wasser ist auch nicht zum Trinken“ konterte sie. „Das ist nur dafür, dass du von deinem hohen Macho-Ross herunterkommst und wachwirst. Den Kaffee zum Trinken kannst du dir dann später aus der Kanne nehmen.“

Der junge Mann blinzelte sie von der Seite her an. „Das ist noch nicht vorbei. Ich werde noch mit dir abrechnen. Aber jetzt habe ich keine Zeit. Für Kindergartenspiele. Jetzt geht es nur um das Fertigwerden der Kulisse. Aber so, wie du drauf bist, könnte man vermuten, dass du eine mächtige Wut hast. Du warst doch vorhin schon dagegen, dass wir uns hier um die Kulisse kümmern. Willst du das etwa jetzt boykottieren? Vielleicht hast du ja etwas mit dem Diebstahl zu tun. Oder du deckst dem Täter“, provozierte er die junge Frau.

„Du bist nicht nur eingebildet, sondern auch impertinent“, schimpfte sie. „Im Moment würde ich alles darum geben, wenn die Premiere pünktlich stattfinden könnte. Wir profitieren schließlich alle davon. Und Roman hat wirklich verdient, dass alles klappt.“

Jan grinste. „Ah, jetzt weiß ich, wo der Hase im Pfeffer liegt. Du bist in ihn verliebt. Und du weißt, wo die Kulissen sind, weil du sie selbst hast entwenden lassen. Und dann spielst du dich als große Retterin auf und tust so, als hättest du sie wieder gefunden. Damit willst du dann bei Roman punkten. Ist es nicht so?“

„Du bist ein richtig eingebildeter Playboy“,schimpfte Nelly. „Denkst du vielleicht, du wärst ein Hobby-Psychologe? Woher willst du denn wissen, was ich denke und fühle?“

Jan fuhr unbeirrt fort: „Du verhältst dich einfach zu auffällig, Süße! Dafür muss man gar kein Hobbypsychologe sein. Aber tröste dich, die meisten aller Frauen hier im Theater sind hinter Roman her. Da stehst du nicht allein.“

„Natürlich mögen ihn viele“, behauptete Nelly. „Das ist doch auch verständlich. Er ist etwas Besonderes. Und du kannst ihm nicht das Wasser reichen!“

Jan lachte laut. „Was willst du denn?! Du hast mir doch gerade das Wasser gereicht.“

Er nahm ihre Hand und küsste sie. „Ich küsse Ihre Hand Madame…“, sang er und sah ihr schelmisch in die Augen. „Was bist du doch für ein entzückend naives Mädchen! Und du hast Angst vor der Liebe.“

„Ich? Angst? Wie kommst du denn darauf?!“ Sie sah ihn empört an.

„Du bildest dir ein, in diesen Macho und Casanova verliebt zu sein, weil du Angst vor der Liebe hast. Er ist ja unerreichbar für dich, und du kannst ihn ewig umschwärmen und ihn platonisch lieben. Das passt auch zu deiner Rolle im Stück!“

Sie sah ihn erstaunt an. „Wieso das denn. Meine Rolle hat gar nichts mit der Liebe zu tun. Da spiele ich eine Millionärin, die in das Geld verliebt ist.“

Er lachte. „Ja, eben. Die hat auch Angst vor der Liebe und zählt stattdessen ihr Geld.“

„Ach, du verstehst eben nichts von Kunst“, zischte sie. „Du bist ein Banause und kannst da gar nicht mitreden.“

Er sah sie geheimnisvoll an. „Vielleicht verstehe ich mehr davon als du. Ich habe nämlich ein Kunststudium hinter mir. Das hier ist jetzt meine praktische Ausbildung.“

Sie sah ihn erstaunt an. „Wirklich? Das hab ich nicht gewusst.“

„Du weißt Vieles nicht, weil du ständig wie ein Satelit um Roman herumkreist.“

Sie sah ihn aufmerksam an. „Und? Was sollte ich deiner Meinung nach tun?“

„Es gibt so viele interessante Männer um dich herum, die du alle nicht bemerkst. Da verpasst du etwas.“

„Denkst du da etwa an dich selbst? Das kannst du vergessen“, antwortete sie barsch.

„Nein. Wie kommst du darauf?! Mir bist du viel zu anstrengend. Und Frauen, die blind um Roman herumkreisen, sind sowieso nicht mein Geschmack.“

Rainer trat hinzu. „ Was habt ihr zwei denn hier? Das hört sich ja fast nach einem Streit an. Habt ihr nichts Besseres zu tun?“

Nelly drehte sich empört zu ihm um. „Hier streitet keiner. Wir haben nur einen grundverschiedenen Geschmack. Nein, nicht beim Theater, aber ganz privat. Und über Geschmack lässt sich ja bekanntlich nicht streiten.“

Er klopfte ihr leicht auf die Schulter. „Dann ist es ja gut. Wir sind nämlich alle hier etwas in Eile. Und welche ehrenvolle Aufgabe hast du hier übernommen, Stella?“

„Ich hab gerade alle mit Kaffee versorgt.“

„Und mit Wasser“, setzte Jan hinzu.

„Dann kann ich dich jetzt woanders gebrauchen“, entschied Rainer. „Drüben wird gerade der blaue Himmel gemalt. Da kann man nicht viel falsch machen.“

Sie seufzte. „Also gut. Wenn du meinst, dass ich das kann. Aber ich hoffe, dass man sich dabei nicht die Nägel abbrechen kann. Ich bekomme nämlich so schnell keinen Termin mehr in meinem Nagelstudio.“

Rainer und Jan lachten, und die junge Frau beeilte sich, ihnen davonzulaufen.

Im Nebenraum traf sie Carlo, der gerade eine alte Villa malte.

„Kann ich dir vielleicht helfen?“

Er schüttelte den Kopf. „Leider nicht. Für die Villa habe ich ein kleines Foto als Vorlage. Daran muss ich mich genau halten. Aber du kannst deinen beiden Kolleginnen helfen, den blauen Himmel zu malen. Kannst du das?“

Nelly stöhnte. „Ihr immer mit eurem blauen Himmel. Hast du nichts Anspruchvolleres für mich?“

Er lächelte. „Es wird kein Kunstwerk, nur ein kleine Ersatzkulisse, die eventuell gar nicht gebraucht wird. Aber ein Himmel ist etwas sehr Wichtiges. Er sorgt für die gesamte Stimmung.Wie ist das denn bei dir im Alltag? Schaust du nicht auch gern in den Himmel?“

Nelly wandte sich wortlos ab und gesellte sich zu ihren beiden Kolleginnen. „Ich soll hier ein bisschen auf euch aufpassen“ schwindelte sie ihnen vor.

„Du kannst uns mithelfen!“ antwortete Hanny und drückte ihr einen breiten Pinsel in die Hand.

Mit einen mürrischen Blick streifte Nelly die Kulisse, tunkte den Pinsel in die Farbe und begann, den oberen Teil der Wand mit himmelblauer Farbe zu bedecken.

„Diese Nacht habe ich mir auch ganz anders vorgestellt“, teilte sie ihren Kolleginnen mit. „Aber wenn wir damit wirklich Roman helfen können, will ich diese Stunden gern für ihn opfern. Außerdem kann man beim Malen auch ein bisschen nachdenken. Wer könnte denn Interesse daran haben, Roman oder uns zu schaden? Also, Mädels, macht euch mal Gedanken darüber!“

Hanna zog die Stirn in Falten. „Es könnte sich um eine ganz private Sache handeln, die Rache einer Exfreundin, die Roman einfach schaden will oder um etwas Berufliches. Vielleicht hat er da einen Feind, der ihm nicht gönnen will, dass sein Bühnenstück verfilmt wird.“

„An die zweite Möglichkeit glaube ich nicht“, fand Sara. „Gut, vielleicht hätte dann der Produzent zuerst einmal die Nase voll und erst später wieder Gelegenheit und Lust, sich um Romans Idee zu kümmern. Aber im Grunde genommen wäre das nur eine Verspätung, es würde etwas verschoben. Ich denke, im Endeffekt wird es ja doch dann irgendwann einmal klappen, wenn das Grundinteresse da ist. Aber die erste Möglichkeit von dir, die klingt schon ziemlich interessant. Eine sitzengelassene Ex die hat natürlich ein gutes Motiv. Weißt du denn auch, wer da aus der letzten Zeit infrage kommen könnte?“

„Ich weiß das“, meldete sich Nelly. „Da bin ich gut informiert. Seine letzte Freundin hieß Susanna und besitzt ein größeres Touristikunternehmen. Sie selbst...