: Alexandre Dumas
: Lady Hamilton. Band 5 Historischer Roman in sieben Bänden
: apebook Verlag
: 9783961304516
: 1
: CHF 1.80
:
: Historische Romane und Erzählungen
: German
1765 wird Emma Lyon als Tochter des Dorfschmieds in Neston, Cheshire, geboren. Doch nur zwei Monate später stirbt ihr Vater und lässt die Familie in schwierigen Verhältnissen zurück. Emma wächst in Armut auf und muss früh zum Lebensunterhalt der Familie beitragen. Nachdem sie vor Ort keine feste Anstellung findet, nimmt die junge Emma die Postkutsche nach London, wo ihr bemerkenswerter Aufstieg zu internationalem Ruhm beginnt... Emma arbeitet für verschiedene Schauspielerinnen am Dury Lane Theater, bevor sie Tänzerin, Model und später Hostess wird. Ihre Schönheit macht Charles Grenville, den zweiten Sohn des Earl of Warwick, auf sie aufmerksam, der sie zu seiner Geliebten macht. Und der berühmte Maler George Romney möchte Porträts von ihr anfertigen. Als Grenville eine reiche Frau für sich sucht, wird die zwar schöne, aber arme Emma an Sir William Hamilton, den britischen Gesandten in Neapel, vermittelt. Die beiden verlieben sich ineinander und heiraten im September 1791. In Neapel wird Lady Hamilton, wie sie nun heißt, eine enge Freundin von Königin Maria Carolina, der Schwester von Marie Antoinette. Und sie lernt dort Admiral Nelson kennen. Dieses Kennenlernen ist der Beginn einer Liebesbeziehung, die in die Geschichte eingehen wird... In diesem reich gezeichneten Porträt zeichnet Alexandre Dumas den spektakulären Aufstieg und Fall der legendären Schönheit Emma Lyon, spätere Lady Hamilton: eine Frau mit viel Zuneigung und überwältigendem Charme, deren Auge für Gelegenheiten nur von ihrem Hang zu Ausschweifungen und Skandalen übertroffen wurde. Das wunderbar intime und detailreiche Buch erweckt die unvergleichliche Lady Hamilton und die Politik, die Leidenschaften und den Charme ihrer Zeit zum Leben. Dieses ist der fünfte von insgesamt sieben Bänden. Die Ausgabe folgt der Übersetzung von August Kretzschmar.

ERSTES KAPITEL.


Marie Karoline war eine Zeitlang durch Nelsons Anwesenheit in Neapel von den furchtbaren Plänen, welche die Anklage gegen ihre Schwester ihr eingegeben, abgelenkt worden, sobald Nelson aber abgereist war, kehrten ihr Geist und Herz wieder nach der Conciergerie zurück, gleichwie die Magnetnadel, nachdem sie einen Augenblick und durch Zufall von ihrem Punkt abgewichen, unveränderlich zu dem Pol zurückkehrt.

Unterdessen hatte der Prozeß gegen Marie Antoinette einen schnellen und verhängnisvollen Verlauf genommen. Vor das Revolutionstribunal verwiesen und am 1. August nach der Conciergerie gebracht, hatte Marie Antoinette am 12. Oktober ein Verhör gehabt und war am 16. zum Tode verurteilt und hingerichtet worden.

Obgleich die Königin von Neapel sich wohl dachte, daß der Konvent Marie Antoinette, den Hauptgegenstand seines Hasses, nicht schonen würde, so war doch der Schlag nicht weniger furchtbar für sie, als sie die Hinrichtung ihrer Schwester erfuhr. Sie fiel in Krämpfe, die sie mit Drohungen und lautem Geschrei begleitete, und ihr Gesicht verzerrte sich dabei auf solche Weise, daß es sehr zu bezweifeln war, ob es je seine frühere Schönheit wieder erhalten würde.

Wie bei dem Tode Ludwig XVI. befahl man öffentliche Trauer, Gebete in allen Kirchen und Totenprozessionen auf allen Straßen. Die Königin schloß sich in ihr Zimmer ein und wollte außer mir niemanden bei sich empfangen.

Während der ersten acht Tage, welche den verhängnisvollen Nachrichten folgten, verließ ich die Königin keine Stunde. Ich schlief bei ihr, aß bei ihr, sie aber schlief weder, noch aß sie. Endlich vermochte sie zu weinen und fühlte sich durch die Tränen etwas erleichtert. Während dieser acht Tage aber hatte sie tausend Racheschwüre ausgesprochen, wie auch ich es tun mußte.

Wie wollte sie sich rächen? Das wußte sie nicht. Wodurch sollte ich sie in ihrer Rache unterstützen? Das wußte sie ebensowenig. Wie Hamilkar es aber mit dem jungen Hannibal getan, so legte sie auch meine Hand auf den Altar und schrie: »Rache! Rache!«

Was den König betraf, so schien er den ersten und zweiten Tag sehr erschüttert und besonders sehr erschreckt zu sein; am dritten Tag aber ging er unter dem Vorwand, sich zerstreuen zu wollen, auf die Jagd und kam unter einer Woche nicht wieder zum Vorschein.

Jetzt war es, wo der Haß die Königin Karoline dem Minister Acton näher brachte. Dreimal des Tages ließ sie ihn holen, fragte ihn um Nachrichten über den Krieg und wenn sie ihn entließ, rief sie aus:

»Sie, der Sie ein Mann sind, könnten doch ein Mittel zur Rache für mich finden.«

Dann pflegte Acton sie so gut zu trösten, wie sie sich eben trösten ließ, indem er sagte, in welchen blutigen Zuckungen Frankreich seine Kräfte erschöpfe.

Eines Tages aber sah ich ihn bleich, mit zusammengekniffenen Lippen und vor Wut am ganzen Körper bebend eintreten. Als die Königin ihn bemerkte, wußte sie sogleich, daß er der Überbringer irgendeiner verhängnisvollen Nachricht war.

Karoline richtete sich hoch auf, und indem sie meine Hand, die sie bei dem Eintritt des Generals gefaßt hatte, heftig drückte, sagte sie:

»Was ist denn wieder?«

»Die Republikaner haben Toulon wiedergenommen, Madame,« sagte Acton.

»Toulon!« rief die Königin, indem sie erbleichte, »sie haben Toulon wiedergenommen und vor ungefähr acht Tagen sagten Sie mir noch, daß Sie vom General Hood einen Brief empfangen hätten, in welchem er Ihnen geschrieben: »Wenn die Jakobiner mir Toulon wiedernehmen, so werde ich selbst Jakobiner.«

»Nun, es bleibt ihm jetzt weiter nichts übrig, als sich die rote Mütze bis über die Ohren zu ziehen.«

»Wie ist dies denn aber möglich? Ihrer Aussage zufolge waren die Belagerer Toulons ja Blödsinnige. Carteaux, der General Carteaux, sagten Sie, wäre unfähig, selbst eine Stadt dritten Ranges zu belagern.«

»Und ich sage es noch, Madame, nur hat man unglücklicherweise Carteaux abgerufen und Dugonnier an seine Stelle geschickt. Die Generale aber sind es nicht, die Toulon w