: Alexandre Dumas
: Lady Hamilton. Band 6 Historischer Roman in sieben Bänden
: apebook Verlag
: 9783961304523
: 1
: CHF 1.80
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: Historische Romane und Erzählungen
: German
1765 wird Emma Lyon als Tochter des Dorfschmieds in Neston, Cheshire, geboren. Doch nur zwei Monate später stirbt ihr Vater und lässt die Familie in schwierigen Verhältnissen zurück. Emma wächst in Armut auf und muss früh zum Lebensunterhalt der Familie beitragen. Nachdem sie vor Ort keine feste Anstellung findet, nimmt die junge Emma die Postkutsche nach London, wo ihr bemerkenswerter Aufstieg zu internationalem Ruhm beginnt... Emma arbeitet für verschiedene Schauspielerinnen am Dury Lane Theater, bevor sie Tänzerin, Model und später Hostess wird. Ihre Schönheit macht Charles Grenville, den zweiten Sohn des Earl of Warwick, auf sie aufmerksam, der sie zu seiner Geliebten macht. Und der berühmte Maler George Romney möchte Porträts von ihr anfertigen. Als Grenville eine reiche Frau für sich sucht, wird die zwar schöne, aber arme Emma an Sir William Hamilton, den britischen Gesandten in Neapel, vermittelt. Die beiden verlieben sich ineinander und heiraten im September 1791. In Neapel wird Lady Hamilton, wie sie nun heißt, eine enge Freundin von Königin Maria Carolina, der Schwester von Marie Antoinette. Und sie lernt dort Admiral Nelson kennen. Dieses Kennenlernen ist der Beginn einer Liebesbeziehung, die in die Geschichte eingehen wird... In diesem reich gezeichneten Porträt zeichnet Alexandre Dumas den spektakulären Aufstieg und Fall der legendären Schönheit Emma Lyon, spätere Lady Hamilton: eine Frau mit viel Zuneigung und überwältigendem Charme, deren Auge für Gelegenheiten nur von ihrem Hang zu Ausschweifungen und Skandalen übertroffen wurde. Das wunderbar intime und detailreiche Buch erweckt die unvergleichliche Lady Hamilton und die Politik, die Leidenschaften und den Charme ihrer Zeit zum Leben. Dieses ist der sechste von insgesamt sieben Bänden. Die Ausgabe folgt der Übersetzung von August Kretzschmar.

ZWEITES KAPITEL.


Wirklich hatte Nelson vollkommen jede Spur von Bonaparte und den dreihundertfünfzig Schiffen, die zu dessen Geschwader gehörten, verloren. Drei Tage lang in der Meerenge von dem Sirocco zurückgehalten, benutzte er einen Umsprung des Windes, um Reggio zu umsegeln und in das offene Meer zu steuern.

Endlich überzeugt, daß Bonaparte sich nach Egypten begäbe, segelte er gerade auf Alexandrien zu, kam aber noch vor der französischen Flotte daselbst an, da der Admiral Brungs, ohne Zweifel um etwaige Verfolger irrezuführen, an der Küste der Insel Candia vor Anker gegangen war.

Von dem Gouverneur von Alexandrien schlecht empfangen, der ihm drohte, auf ihn schießen zu lassen, wenn er die Durchfahrt zu erzwingen versuche, ohne Kenntnis des Weges, den die französische Flotte eingeschlagen, in der Vermutung, daß sie, da sie nicht in Alexandrien war, nach Konstantinopel segele, fuhr Nelson ziellos an den Küsten von Caramania und Morea hin und her, indem er versuchte, hier etwas zu erfahren, und nachdem er den ganzen Archipel durchsegelt, trieb ihn der Mangel an Wasser und Proviant wieder nach Sizilien zurück.

Er sagte mir mehr als einmal, daß er vom 30. Juni an, wo er aus der Meerenge von Messina segelte, bis zum 21. Juli, wo er im Hafen von Syrakus einlief, wahnsinnig zu werden geglaubt hatte.

Die Situation war in der Tat eine sehr ernste und in England zog sich ein furchtbares Unwetter gegen ihn zusammen. Als man daselbst erfuhr, daß er aus Toulon eine Flotte von vierhundert Segeln hatte auslaufen lassen und dieselbe vergebens einen Monat lang in dem Mittelmeer, also in einem großen See, gesucht hatte, fragte man sich auf allen Seiten, ob er nicht ein Verräter, den man vor ein Gericht stellen müsse, und der Admiral Saint-Vincent ein Leichtsinniger wäre, der sich den Tadel der Admiralität zugezogen, daß er ihr einen Kontre-Admiral vorgeschlagen, der dieses Grades unwürdig sei.

Nelsons einzige Hoffnung stand auf uns oder vielmehr auf mir.

Ich sollte es bei der Königin dahinbringen, daß er, trotz der Verträge mit Frankreich, allen Beistand erhielt, welche die Gouverneure der sizilianischen Häfen ihm gewähren konnten, denn wenn Neapel die Bedingungen des Vertrags mit Frankreich hielt, so mußte Nelson nach Gibraltar zurück und er war verloren.

Ein glänzender Sieg allein konnte ihn retten.

Der folgende Brief, den er am 22. Juli an den Lord von Saint-Vincent schrieb, wird dem Leser einen Begriff von seinem Seelenzustande geben.

 

»Syrakus, am 22. Juli 1798.

Mein lieber Lord!

Ich habe Ihnen eine Menge Briefe und Papiere zu schicken, da ich aber keine Fregatte habe, die sie Ihnen überbringen könnte, und ich mich in diesem Augenblicke nicht von dem ›Orion‹ trennen kann, so überlasse ich es Ihnen, sich meine Verlegenheit vorzustellen. Ich weiß heute den Ort, wo die französische Flotte sein könnte, ebensowenig, als an dem Tage, an dem ich das Cap Passaro umsegelte. Was ich gewiß weiß, ist bloß der Umstand, daß sie am 18. Juni den Hafen von Malta verlassen hat. In der Dienstagsnacht waren alle Schiffe auf dem offenen Meere und am Mittwoch Morgen hat man sie mit einem Westnordwestwinde schnell weitersegeln sehen. Das ist mir von vierzehn Personen versichert worden, von da an aber sind alles nur Vermutungen. Wenn die Flotte nach Westen gesegelt wäre, so bin ich überzeugt, daß man sich in jedem Hafen, ja selbst an jedem Punkte Siziliens, von dem man sie gesehen haben würde, beeilt hätte, mich davon zu benachrichtigen. Weiter darf ich Ihnen nichts sagen, ich bin aber überzeugt, daß wir verraten sind und es ist mehr als wahrscheinlich, daß dieser Brief, den ich Ihnen über Neapel schicken muß, nicht einmal nach Neapel kommen wird, oder daß der französische Minister eine Kopie davon bekommen wird, wenn er ihn nicht selbst kopiert. Was mich betrifft, so sage ich Ihnen, daß ich, wenn nicht auf der einen oder der anderen Seite geradezu eine Unmöglichkeit vorhanden ist, die französische Flotte noch einholen werde. Auf der unsrigen ist kein einziger Kranker. Ich habe Ihnen über alles ausführlich berichtet und meine geheimst