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In Franks Dachzimmer hörte er Musik, die er nicht kannte. Er stieß sich den Kopf am First, sie tranken Tee, der Eine saß auf dem Bett, der Andere im Sessel. Sie redeten über die Entstehung des Kosmos und die Doppelnatur des Lichts, über Heisenberg und Einstein.
Frank wollte Physik studieren. Er war schon in der Reformierten Oberstufe und hatte Grund- und Leistungskurse.
Er war einmal sitzengeblieben und zwei Jahre älter als Harald. Er hatte schon den Führerschein und ein gebrauchtes Auto, einen alten R5. Mit dem fuhren sie manchmal in die Stadt und gingen ins Kino. In den Jugendfilmclub, das Jufi.
Dort sahen sie Filme, die ihre Vorstellung von der Welt prägten, die Welt um sie herum, in der sie ihren Platz suchen mussten.
In Franks Dachzimmer hörte Harald eines Tages die Musik einer Band namens Eloy. Psychedelischer Rock, wie er Harald gefiel. Dazu das Mythische der Vorzeit. Von Atlantis war die Rede, von der Inkarnation des Logos und ägyptischen Göttern.
Und an einer Stelle hieß es: Wir sind ein Teilchen im Ozean. Verloren und geborgen wie eine Träne. Salz zu Salz. Aufgelöst im Urgrund. Der Ozean war unsere Mutter , und wir werden wieder in ihn eingehen.
Aber wo ist Erbarmen mit unserer Angst?
Diese Frage traf Harald. Da konnte man von Göttern und Urzeitmythen reden, wie man wollte. Da konnte man davon träumen, nach dem Tod im Kosmos aufzugehen, sich aufzulösen.
Aber das Eine blieb: die Angst. Dafür brauchte der Mensch Erbarmen.
Er war nur ein winziges Teilchen im Ozean. Das wusste Harald. Aber als dieses Einzelne sehnte sich das Teilchen nach Erlösung.
Er wusste nicht, was für eine Erlösung. Oder wovon. Vielleicht von der Anonymität. Von der Zufälligkeit und Beliebigkeit. Jedes Individuum war ein einzigartiges, unwiederholbares Ich, und doch erloschen täglich Millionen von Existenzen.
Das war der Widerspruch, an dem er nagte. Das war das Geheimnis. Dass trotz der unendlichen Weite des Un