Kapitel 2
Gefühlschaos
Anja ließ ihren Blick über das Meer schweifen. Sie saß an Deck der Jacht vor ihrem Laptop und bearbeitete die letzten Bestellungen für heute. Das Arrangement, von hier aus zu arbeiten, funktionierte gut. Sebastian hielt Wort und ließ sie in Ruhe arbeiten.
Später würde sie ihm erklären müssen, dass sie in den nächsten Tagen einiges vorhatte und sie sich nicht sehen konnten. Das würde ihm vermutlich nicht gefallen.
Plötzlich umarmte Sebastian sie von hinten und küsste sie in den Nacken. »Guapa, wann bist du fertig?«, hauchte er ihr ins Ohr und sofort überzog eine kribbelnde Gänsehaut ihren Körper.
»Noch fünf Minuten, Sebastian, machst du mir einen Orangensaft …«
»Alles, was du willst …«
Kurz darauf klappte sie den Laptop zu. Sebastian sah sie verlangend an, aber sie wollte zuerst das unangenehme Gespräch hinter sich bringen. »Wir werden uns jetzt leider zwei Tage nicht sehen können«, begann sie.
Sebastian zog eine Augenbraue hoch. »Warum?«, fragte er knapp.
Anja fröstelte, seine Stimme klang kalt. »Saskia hat morgen eine Theateraufführung in der Schule. Ich habe ihr versprochen, dass ich auf jeden Fall da bin und mir die Vorstellung ansehe. Das ist wichtig für sie. Ich habe ja sonst kaum Zeit«, erklärte sie. »Abends kommen ihre Schulfreundinnen zum Übernachten, weil wir am nächsten Tag früh loswollen, auf einen Ausflug. Abends wird dann noch mit allen Eltern gegrillt und zwei Freundinnen übernachten noch einmal bei uns. Das alles ist schon lange geplant. Ich möchte Saskia nicht enttäuschen.«
Plötzlich herrschte eine eigenartige Stimmung zwischen ihnen. Es schien, als würde sich vor die Wärme der Sonne eine eisige Wand schieben. Anja fröstelte erneut.
»Ach so«, knurrte er, stand auf und verschwand in das Innere der Jacht.
Irritiert schaute Anja ihm nach und es kostete sie eine Menge Kraft, nicht aufzuspringen und ihm nachzurennen. Doch ihr war klar, dass dies ein Fehler wäre. Es gab keinen Grund, böse auf sie zu sein. Immerhin hatte sie ja auch noch ein Privatleben, in dem Sebastian nicht vorkam.
Nach einer endlos scheinenden Zeit hörte sie Schritte hinter sich. Sie drehte ihren Kopf und sah ihn mit einer Rose zwischen den Händen und einem entschuldigenden Blick auf sie zukommen.
»Guapa, verzeih meine Reaktion. Deine Tochter ist natürlich das Wichtigste! Ich war einen Moment enttäuscht, dich so lange nicht bei mir zu haben. Aber ich verstehe natürlich, dass Saskia für dich an erster Stelle steht.«
Erleichtert atmete sie auf und sah ihm tief in die Augen. »Natürlich verzeihe ich dir. Saskia wird immer die wichtigste Person in meinem Leben sein, aber du belegst den zweiten Platz.«
Er küsste sie lange und intensiv. Sie begruben dies