VORWORT
„Wäre ich Musiker, so könnte ich ohne Schwierigkeit eine zweistimmige Melodie schreiben, eine Melodie, welche aus zwei Linien besteht, aus zwei Ton- und Notenreihen, die einander entsprechen, einander ergänzen, einander bekämpfen, einander bedingen, jedenfalls aber in jedem Augenblick in der innigsten, lebendigsten Wechselwirkung stehen. Und jeder, der Noten zu lesen versteht, könnte meine Doppelmelodie ablesen, sähe und hörte zu jedem Ton stets den Gegenton, den Bruder, den Feind, den Antipoden.“1
Mit Beginn des neuen Jahres 2022 stehen wir vor allem in Deutschland genau vor dieser Frage: Gelingt es uns, die Stimmen von Covid-19-Impfbefürworten und Skeptikern als eine zweistimmige Melodie zu hören, deren beide Stimmen gleichberechtigt nebeneinander zu einem Ganzen erklingen können? Oder bleibt es dabei, dass Impfskeptiker nur in die Ecke von schwurbelnden „Querdenkern“ geschoben werden oder als Egoisten, „Covidioten“ u.ä. bezeichnet werden?
Brauchen wir nicht vielmehr diese zweite Stimme gegenüber der offiziellen Melodie, um den Lehren aus der Pandemie gerecht zu werden, um von den Konsonanzen und Dissonanzen das Notwendige zu lernen und der gesellschaftlichen Spaltungstendenz etwas Versöhnliches entgegenzusetzen?
Die angesprochene Doppelmelodie könnte dann in ihrer zeitgenössischen Interpretation so klingen: