: Frank Moritz
: Hallo, ich bin Alex! Abenteuer im Regenbogenland
: Books on Demand
: 9783755725220
: 1
: CHF 3.50
:
: Gegenwartsliteratur (ab 1945)
: German
: 200
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Und Bastet, die Göttin aller Katzen, erschuf das Regenbogenland aus dem letzten Strahl der untergehenden Sonne und sie schenkte es den Katzen. Seit jener Zeit fehlt den Menschen von jedem Tag der allerletzte Augenblick, nur der Bruchteil einer Sekunde. Doch in diesem Wimpernschlag existiert seitdem eine ganze Welt. Viel ist passiert, seitdem ich das letzte Mal eine Nachricht aus dem Regenbogenland in diese Welt geschickt hatte. Für alle, die mich bislang noch nicht kennen: Ich bin Alex. Das ist nicht mein richtiger Name. Mein Katzenname ist Nifé-en-Ankh, das heißt übersetzt"Atem des Lebens". Ich bin der 268. Nachfahre des Nifé-en-Ankh dem Ersten, Hofkater und Beschützer von Ramses dem II, Pharao von Ägypten. Aber Alex ist der Name, den ich mir durch mein Leben verdient hatte, bis es dann am 6. Dezember 2005, genau am Nikolaustag, schließlich endete. Doch damit war das Abenteuer noch nicht beendet. Ganz im Gegenteil. Die größte Herausforderung stand mir noch bevor, denn plötzlich war das ganze Regenbogenland in Gefahr. Und davon möchte ich euch hier berichten.

Geboren 1962 in Wolfsburg verlebte der Autor seine ersten 40 Lebensjahre im kleinen Harzstädtchen Goslar, bevor er sich im norddeutschen Peine niederließ. Bereits während der Schulzeit widmete er sich intensiv dem Schreiben, verfasste zunächst Kurzgeschichten, Erzählungen und Drehbücher. Letztere verfilmte er teilweise auch selbst als Autorenfilmer. Für seine Arbeiten im künstlerischen Bereich erhielt er 1987 den Förderpreis der Stadt Goslar.

1. Kapitel


Und leise rinnt der Sand der Zeit!

Heute möchte ich Euch von Vincent berichten. Den alten Griesgram lernte ich bereits ein paar Tage nach meinem Eintreffen im Regenbogenland kennen. Er war ein reinrassiger FWW-Kater, der mit seinen vierzehn Jahren gerade mal ein Jahr älter als ich geworden war. Ach ja, falls jemand sich fragt: FWW heißt Feld, Wald und Wiesen, und stellt also einen Mix von allem dar, was die große weite Welt so an Katzen zu bieten hat. Unter diesem Gesichtspunkt betrachtet war Vincent also auch indirekt mit mir verwandt. Irgendwie jedenfalls, so um dreißig Ecken herum. Wenn ich es großzügig betrachtete.

Vincent hatte bereits einige Zeit im Regenbogenland verbracht und wusste wirklich schon recht gut Bescheid. Jedenfalls deutlich besser als ich. Dabei war er eigentlich erst einige Jahre nach mir gestorben. Meine Unwissenheit hat ihn schon einiges an Zeit und Kraft gekostet, aber Vincent gab sich äußerst geduldig im Erklären. Mir dagegen wollte es partout nicht einleuchten, dass er nach mir gegangen aber vor mir angekommen war. Das empfand ich nicht wirklich als logisch und mein kleiner Verstand schlug Purzelbäume bei dem Versuch, diesen Anachronismus zu begreifen.

»Die Zeit, Alex, verläuft nicht so geradlinig, wie man es sich zu Lebzeiten vorstellen mag. Sie ist kein Bach, der irgendwo in einer verborgenen Quelle entspringt und der sich seinen Weg durch die Welt sucht, bis er letztlich irgendwo in irgendetwas mündet.«

Vincent war nicht nur sehr geduldig, er konnte auch recht gut erklären. Mir waren seine Bilder immer sehr plastisch vor meinem inneren Auge erschien