1. Kapitel
Und leise rinnt der Sand der Zeit!
Heute möchte ich Euch von Vincent berichten. Den alten Griesgram lernte ich bereits ein paar Tage nach meinem Eintreffen im Regenbogenland kennen. Er war ein reinrassiger FWW-Kater, der mit seinen vierzehn Jahren gerade mal ein Jahr älter als ich geworden war. Ach ja, falls jemand sich fragt: FWW heißt Feld, Wald und Wiesen, und stellt also einen Mix von allem dar, was die große weite Welt so an Katzen zu bieten hat. Unter diesem Gesichtspunkt betrachtet war Vincent also auch indirekt mit mir verwandt. Irgendwie jedenfalls, so um dreißig Ecken herum. Wenn ich es großzügig betrachtete.
Vincent hatte bereits einige Zeit im Regenbogenland verbracht und wusste wirklich schon recht gut Bescheid. Jedenfalls deutlich besser als ich. Dabei war er eigentlich erst einige Jahre nach mir gestorben. Meine Unwissenheit hat ihn schon einiges an Zeit und Kraft gekostet, aber Vincent gab sich äußerst geduldig im Erklären. Mir dagegen wollte es partout nicht einleuchten, dass er nach mir gegangen aber vor mir angekommen war. Das empfand ich nicht wirklich als logisch und mein kleiner Verstand schlug Purzelbäume bei dem Versuch, diesen Anachronismus zu begreifen.
»Die Zeit, Alex, verläuft nicht so geradlinig, wie man es sich zu Lebzeiten vorstellen mag. Sie ist kein Bach, der irgendwo in einer verborgenen Quelle entspringt und der sich seinen Weg durch die Welt sucht, bis er letztlich irgendwo in irgendetwas mündet.«
Vincent war nicht nur sehr geduldig, er konnte auch recht gut erklären. Mir waren seine Bilder immer sehr plastisch vor meinem inneren Auge erschien