Einführende Worte
Nachbarschaftsstreitigkeiten, wüste Beschimpfungen, schädigendes und selbstschädigendes Verhalten, bis hin zu gefährlichen Streitsituationen, oder solchen, die nie enden wollen und schließlich geradezu eskalieren, wer hat das noch nicht erlebt oder davon gehört?
Da wir und unsere Familie, Bekannten und Freunde genug Eigenes erlebt haben, benötigen wir auch keine anderen Quellen. Unsere persönlichen Erfahrungen lassen wir in ansonsten ausgedachte Geschichten und Begebenheiten einfließen.
Auf kriminelle Situationen gehen wir hier nicht ein, da würde nämlich jeder Humor enden. Auch beschlossen wir keinen Ratgeber zu schreiben. Ähnlichkeiten mit wahren Begebenheiten sind Zufall. In dem Ausgedachten liegt genug Wahrheitsgehalt.
Diesem oft aufwühlenden und ernsten Thema kann der Mensch mit Humor begegnen, um es zu entschärfen. Das somit sogar erheiternde Streitthema kann uns überall begegnen, nicht nur im eigenen oder Miethaus, auf Campingplätzen, in Hotels oder Gartenanlagen, sondern auch unterwegs auf Reisen. Selbst bei Ausflügen lernt man noch vieles hinzu, liest man beispielsweise die Sprüche an Fachwerkhäusern, wie „Neid kennt nur das Blumenbeet aber nicht den Spaten“.
Was ist für gelungene Nachbarschaften eigentlich wichtig? Leben und leben lassen, gelten und gelten lassen, bei Bedürfniskonflikten und Kränkungssituationen die konstruktive Auseinandersetzung im Gespräch suchen, was man auch Ratgebern hilfreich entnehmen kann. Aber wenn es der „böse Nachbar“ nicht will oder man über Kränkungen trotzdem nicht hinwegkommt?
Oftmals bilden Kränkung und Gegenkränkung einen nicht enden wollenden Teufelskreis, mit dem sich dann Opferberatungsstellen, Anwälte, Gerichte, Mediatoren und andere befassen müssen. Streitigkeiten unter Nachbarn entzünden sich vielfach an scheinbar „lächerlichen Banalitäten“, die man als Vehikel für kränkende Beziehungskonflikte ansehen kann. Also im wahren Leben hinter die Kulissen gucken.
Ein durch die Medien gegangener „Nachbarschaftskrieg“ (Machtkampf) entzündete sich beispielsweise an dem Knallerbsenstrauch des einen und dem Maschendrahtzaun des anderen Grundstücksnachbarn. Ist das nicht furchtbar oder durch die Situationskomik auch unterhaltsam? Braucht der Mensch manchmal ein Feindbild?
Jeder ist kränkbar, denn das gehört zum Menschsein dazu. Warum fällt es aber oftmals so schwer mit Kränkungen angemessen umzugehen, außer, wenn der uns Kränkende uns nichts bedeutet, wir auf seine Meinung überhaupt keinen Wert legen und nicht von ihm abhängig sind?
Aber Kränkungen können sehr tief gehen und wollen uns gar nicht mehr loslassen. Dann wird es höchste Zeit nachzudenken. Da hört sicher jeder Humor und Galgenhumor auf. Nunmehr handelt es sich sehr ernsthaft um das Selbstwertgefühl stark beschädigende Kränkungen, weil dadurch wunde Punkte aus der Lebensgeschichte getroffen werden.
Sowohl der Gekränkte als auch der Kränkende können solche schlummernden Wunden in sich tragen, wie es in der Geschichte in unserem Buch über Frau Guter und Frau Rath angedeutet wird. Alte Verletzungen und Kränkungen wirken dann wie niemals vernarbte, sondern lediglich durch Schorf verkrustete Wunden, die wieder anfangen zu bluten, sobald man daran tippt. Oder: Aktuelle Kränkungserlebnisse reaktivieren die im Unterbewusstsein rumorenden alten Kränkungen, die die ganze Zeit wie Korken unter Wasser gedrückt werden mussten. Wenn die Kraft dazu schwindet, drängen diese an die Oberfläche. Die Heftigkeit, Tiefe und Dauer der Reaktion zeigen dies an. Entsprechend heftig können die Gegenschläge bzw. Gegenkränkungen sein.
Anders ausgedrückt: Die aktuelle und die angesammelte alte Wut aus der Lebensgeschichte oder sogar den Lebensgeschichten beider Streitparteien wirken also gleichzeitig, wo