Vorleseabend
Als wir eines Abends frühzeitig in unser Schlafzimmer geschickt wurden, wartete Coby mit einer stimmungsvollen Überraschung auf: einem kleinen Märchenbuch. Meine Nachfrage, woher das Buch stammte, wurde ignoriert. Christa merkte jedoch an, dass irgendwo eine große Schachtel mit allerlei Unterlagen und sonstigem Kram aufbewahrt wurde.
Aber dieser Zwischenruf wurde von Coby auch nicht honoriert. Christa wurde mit einem bösen Blick bedacht und Coby sagte, Christa sollte nicht petzen. Schließlich kamen wir dann doch noch zu unserem Vorleseabend.
Alles fing ziemlich harmlos an. Rotkäppchen und der böse Wolf. Klingt gut, war eigentlich auch gut, war aber auch voll von hinterlistigen und beängstigenden Episoden. Nachdem der Wolf dann massakriert und ertränkt worden war, hatte Coby noch ein richtiges Kindermärchen auf Lager, Hänsel und Gretel! Wir hockten alle drei bei Coby im Bett und lauschten den Erlebnissen dieser beiden Kinder mit der dazugehörigen Hexe.
Es war gut, dass wir zu dritt waren, dachte ich so bei mir, denn dann hatte eine Hexe es mit uns nicht ganz so einfach. Ich zog nach den ersten paar Seiten die Decke über meinen Kopf und befürchtete schon, dass es mit Hänsel und Gretel nicht gut ausgehen konnte. Eigentlich war ich mir sicher.
Als Hänsel und Gretel dann im Hexenhäuschen angekommen und auch eingesperrt waren, sah ich meinen Verdacht bestätigt. Wohl oder übel musste ich mir natürlich die ganze furchtbare, Kinderseelen zerstörende Geschichte mit abschließendem Massaker anhören.
Nachdem etwa vier Abende vorüber waren, kam das glückliche Ende, meinten Coby und Christa, nur ich war nicht so einsichtig. Wie wollten die denn jetzt für meine Kinderseele eine verbrannte Hexe schönreden? In meiner Fantasie sah