: Cornelis George
: Kaum eine Chance und dennoch
: Books on Demand
: 9783755708872
: 1
: CHF 2.70
:
: Romanhafte Biographien
: German
: 398
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Geboren im Nachkriegsjahr 1946 in Amsterdam. Meine Zukunft kann man nicht unbedingt als aussichtsreich bezeichnen. Meine Eltern haben kaum Zeit für mich und meine Schwestern. Der Jugendschutz befindet, dass wir in einem Waisenheim in »Schiedam« besser aufgehoben sind. Das Gute ist, wir drei bleiben zusammen. Nach fünfzehn Monaten befinden wir uns dann auf dem Bauernhof einer Pflegefamilie. Nicht hoffnungslos negativ, aber auch nicht empfehlenswert. Mein Vater ist von Gewissensbissen geplagt und gelobt sich zu bessern, sodass der Jugendschutz ihm seine Kinder wieder anvertraut. Meine Mutter findet sich mit einem Landwirt zusammen, der ihr verspricht in naher Zukunft ihre drei Kinder nachkommen zu lassen. Er löst sein Versprechen nicht ein. Mein Vater hingegen mietet für sich und seine Kinder eine Unterkunft bei einer netten Witwe. Alles geht gut. Mein Vater lacht sich eine ziemlich heruntergekommene, kinderfeindliche junge Frau an. Sie hasst Kinder. Es ist, vorrangig für mich, ein sehr unangenehmes, von Gewalt bestimmtes und schmerzhaftes Jahr. Der Jugendschutz kommt wieder in Aktion und bringt uns in Sicherheit. Wir Kinder sind leider getrennt untergebracht und wissen nichts voneinander. Mein Platz ist jetzt das Waisenhaus »Martha Stichting«. Ich lasse mich nicht mehr drangsalieren und wehre mich vehement.

Geboren 1946 in Amsterdam, in den Niederlanden. Wohnhaft in Niedersachsen, Deutschland. Seit 53 Jahren glücklich verheiratet.

Vorleseabend


Als wir eines Abends frühzeitig in unser Schlafzimmer geschickt wurden, wartete Coby mit einer stimmungsvollen Überraschung auf: einem kleinen Märchenbuch. Meine Nachfrage, woher das Buch stammte, wurde ignoriert. Christa merkte jedoch an, dass irgendwo eine große Schachtel mit allerlei Unterlagen und sonstigem Kram aufbewahrt wurde.

Aber dieser Zwischenruf wurde von Coby auch nicht honoriert. Christa wurde mit einem bösen Blick bedacht und Coby sagte, Christa sollte nicht petzen. Schließlich kamen wir dann doch noch zu unserem Vorleseabend.

Alles fing ziemlich harmlos an. Rotkäppchen und der böse Wolf. Klingt gut, war eigentlich auch gut, war aber auch voll von hinterlistigen und beängstigenden Episoden. Nachdem der Wolf dann massakriert und ertränkt worden war, hatte Coby noch ein richtiges Kindermärchen auf Lager, Hänsel und Gretel! Wir hockten alle drei bei Coby im Bett und lauschten den Erlebnissen dieser beiden Kinder mit der dazugehörigen Hexe.

Es war gut, dass wir zu dritt waren, dachte ich so bei mir, denn dann hatte eine Hexe es mit uns nicht ganz so einfach. Ich zog nach den ersten paar Seiten die Decke über meinen Kopf und befürchtete schon, dass es mit Hänsel und Gretel nicht gut ausgehen konnte. Eigentlich war ich mir sicher.

Als Hänsel und Gretel dann im Hexenhäuschen angekommen und auch eingesperrt waren, sah ich meinen Verdacht bestätigt. Wohl oder übel musste ich mir natürlich die ganze furchtbare, Kinderseelen zerstörende Geschichte mit abschließendem Massaker anhören.

Nachdem etwa vier Abende vorüber waren, kam das glückliche Ende, meinten Coby und Christa, nur ich war nicht so einsichtig. Wie wollten die denn jetzt für meine Kinderseele eine verbrannte Hexe schönreden? In meiner Fantasie sah