: Rainer Gross
: Fürchte dich nicht Roman
: Books on Demand
: 9783755731627
: 1
: CHF 5.30
:
: Gegenwartsliteratur (ab 1945)
: German
: 196
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Lisa Bradfield wohnt in einem kleinen Cottage an einem Kanal in Südwestengland. Seit drei Jahren ist sie Witwe, und das Alleinsein belastet sie. Sie hat mit Haus- und Gartenarbeit ihren Alltag, kocht ihrer Tochter Gwyneth das Essen und verkriecht sich zum Nachmittagstee im Kaminzimmer, wo die Erinnerung an ihren Mann am stärksten ist. Sie fürchtet sich vor der Welt. Die Lieblosigkeit der Menschen tut ihr körperlich weh. Sie fürchtet sich davor, verloren zu gehen. Bis sie eines Tages der Spruch: »Fürchte dich nicht« im Schaufenster eines Buchladens ins Herz trifft. Ein simpler Abreißkalender mit Bibelsprüchen eröffnet ihr bald die Kommunikation mit dem fern geglaubten Gott, und ein Gespräch beginnt, das ihr Leben verändert ...

Rainer Gross, Jahrgang 1962, geboren in Reutlingen, studierte Philosophie, Literaturwissenschaft und Theologie. Wohnte im Schwarzwald, in Nürnberg und Hamburg. Heute lebt er mit seiner Frau als freier Schriftsteller wieder in seiner Heimatstadt. Bisher u.a. erschienen: Grafeneck (2007, Glauser-Debüt-Preis 2008); Weiße Nächte (2008); Kettenacker (2011); Kelterblut (2012); Die Welt meiner Schwestern (2014); Yûomo (2014); Schrödingers Kätzchen (2015); My sweet Lord (2016); In der fernen Stadt (2017); Räucherstäbchenjahre (2018); Der Teehändler (2019); Ein Nachmittag am Bondi Beach (2020); Flieg zum Regenbogen (2020); Im Herz aller Dinge (2020); In La Coruna geht Picasso zu den jungen Stieren (2021); Neugeboren (2021); Skymning (2021); Die Madonnen von Vernazza (2021); Der letzte Herbst (2021).

2 Das mit dem Stew war gestern auch so eine Sache gewesen, dachte Lisa. Sie erwartete keinen Dank. Oder doch, ein wenig. Ein bisschen Dankbarkeit, ein wenig Aufmerksamkeit.

Sie wünschte sich, dass Gwyneth nicht alles für selbstverständlich nahm. Sie war jetzt neunzehn. Sie musste nicht mehr von der Mutter versorgt werden.

Lisa seufzte und holte den Staubsauger aus dem Besenschrank im Flur. Sie hatte sich angewöhnt, auch den Dielenboden zu saugen und nicht zu kehren.

Die Menschen sind so gedankenlos, dachte sie. Als wäre der Nächste neben ihnen kein Mensch, sondern ein Ding, das man beliebig hin und her schieben konnte.

Mark war anders gewesen. Mark war aufmerksam und dachte an sie. Wenn er von der Arbeit nach Hause kam, fragte er immer: Wie geht’s meiner Liza? Wie war dein Tag?

Er nannte sie immer Liza. Elisabeth war ja auch ein englischer Vorname.

Manchmal brachte er Blumen mit, auch wenn nicht Hochzeitstag oder Geburtstag war. Bei allem, mit dem sie kam, wägte er seine Belange sorgfältig gegen ihre ab. Er versuchte immer zu verstehen, was in ihr vorging. Er wollte wissen, was sie bewegte.

Das war selten zwischen Menschen. Auch in einer Ehe, erfuhr sie von Nachbarn. Das verstand Lisa nicht.

Wenn man jemanden liebt, dann kreisen doch alle Gedanken um ihn. Dann ist er präsent, und es gibt nichts, was ihn so schnell aus der Aufmerksamkeit verdrängen könnte.

Und wenn der Andere präsent ist, dann will ich auch wissen, was in ihm vorgeht, dachte s