Wie Schaum und Gischt
Die in majestätisch gleißender Pracht aufgehenden Sonnen verliehen dem beginnenden Morgen hoch oben über den weiten Straßen der eindrucksvollen Stadt den edlen Schimmer von Rotgold und Purpur und krönten sie mit ihrem schnell wärmer werdenden Licht. Von dem mit in hellblauer Blüte stehenden Baku-Wein bewachsenen Balkon der am Rande Mandrias hoch aufragenden Mietskaserne konnte man mit dem einsetzenden Beginn eines neuen Tages bis zu seinem geschäftigen Zentrum und dem historischen Marktplatz blicken, auf welchem schon seit vielen Jahrhunderten das Wesen und die Kultur der Bewohner Krons geformt wurden.
Ein leichter Windzug trug den ein wenig an Minze erinnernden Duft der blühenden Ranken gemeinsam mit dem von fremdartigen Gewürzen aus fernen Gestaden über die hell verputzten Mauern der schmalen Brüstung und belebte die Sinne des jungen Mannes, der schon seit einer guten Stunde in der unter dem freien und unendlich weit erscheinendem Himmel gespannten Hängematte wachgelegen hatte. Die Wohnung des kahlrasierten Bibliothekars, an dem allein die Brauen über seinen dunkelgrünen Augen und sein kurzer Vollbart verrieten, dass er an und für sich blond war, verfügte zwar neben dem eher spartanisch eingerichteten Wohnraum, der funktionalen, schmalen Küchenzeile und dem mit hohen Fenstern versehenen Bad auch über ein lichtdurchflutetes Schlafgemach, aber Dandrik Nakaro genoss die Zeit, die er hoch oben über der glanzvollen Metropole ohne begrenzende Wände und Decke eines gemauerten Zimmers verbringen konnte.
Nakaro ließ hier Blicke und Gedanken schweifen. Er träumte gerne und das nicht immer nur mit geschlossenen Lidern. Es kam nicht von ungefähr, dass er nach dem recht guten Abschluss an der Lastmace-Universität ohne weitere Abschweifungen seinen direkten Weg in die hochdotierte Anstellung in der Bibliotheka Ultima gefunden hatte. Der junge Mann, der gegenwärtig noch in den sanft schaukelnden Strängen der sorgfältig und von offensichtlich kunstfertiger Hand geknüpften Ruhestätte die letzten Minuten vor einem weiteren Tag in den ehrwürdigen Hallen des so imposanten Gebäudes verbrachte, das neben der Akademie der Lastmace noch von zwei weiteren Hochschulen umrahmt wurde, genoss den nie enden wollenden Horizont. Schon bald würde er den fast grenzenlosen Blick und die schier unbegrenzte Freiheit aufs Neue gegen die Reihe an Reihe in schwindelnde Höhen emporragenden Regale und die dicht an dicht stehenden, hochgeschlossenen Mauern aus sicher vakuumisierten Folianten, uralten Schriftrollen, zerfurchten Steintafeln, ausgeblichenen Bildteppichen, tätowierten Lederstücken, blitzenden Datenspiegeln, aschgrauen Memorabila, bunt glitzernden Kristallhirnen, dunklen Erinnerungsstiften, blass bis milchig befüllter L-IQ-uid-Becken und der in Myriaden gewissenhaft katalogisierten Holographen eintauschen.
Dandrik Nakaro liebte die Zeit hoch oben über der Hauptstadt der Händler, die in all den Jahrhunderten, die nach ihrer Gründung in das fruchtbare Land gezogen waren, nichts von ihrer Anmut und Schönheit verloren hatte und auf den Navigationskarten von Konkurrenten und Bündnispartnern gleichermaßen als prächtiges Juwel schimmerte. Genauso empfand es sein für seine Aufgabe entbranntes Herz jedoch auch jedes Mal, wenn er das gewaltige, messingbeschlagene Portal durchschritt, das ihn wie auch die anderen hier Beschäftigten und Abertausenden von wissensdurstigen Gästen in die weiten Räume der Bibliothek der Bibliotheken einließ. Der junge Händler streifte das dünne Laken ab, mit dem er sich und seinen unbekleideten Körper die laue Nacht über bedeckt hatte und setzte sich au