: Rudolf Sanders
: Die Partnerschule Paartherapie im Integrativen Verfahren
: Junfermann Verlag
: 9783749502707
: 1
: CHF 36.20
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: Angewandte Psychologie
: German
: 256
: kein Kopierschutz
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Partnerschule statt Scheidung Jede dritte Ehe in Deutschland wird geschieden - mit oft negativen Folgen für die Partner selbst wie für die Kinder. Eine einvernehmliche Trennung ist ein hehres Ziel, das aber nur selten erreicht wird. Die meisten Paare, die wegen Beziehungskonflikten eine Beratung aufsuchen, wollen ihre Beziehung retten. Diesem Anliegen trägt Rudolf Sanders mit seiner Partnerschule Rechnung. In einem geschützten Rahmen können die Paare ganz neue Erfahrungen machen und bisher verborgene Ressourcen entdecken. Das Lernziel: Beziehungskompetenz. Die ersten Gruppenseminare nach diesem Ansatz fanden 1990 statt. Stets wurden die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse integriert, und inzwischen wird die Partnerschule - nach mehr als 170 Gruppenseminaren - auch für einzelne Paare angeboten. In diesem Buch werden ... -die theoretischen Grundlagen der 'Partnerschule' beschrieben, - Anwendungsgebiete der Methode benannt, - zahlreiche Übungen für jedes einzelne Modul angeboten.

Rudolf Sanders, Dr. Phil., Dipl.-Päd., Ehe-, Familien- und Lebensberater, Lehr- und Forschungstätigkeit im Bereich der Ehe- und Paarberatung, Begründer des Verfahrens Partnerschule, bis 2016 Leiter der katholischen Ehe- und Familienberatungsstelle Hagen& Iserlohn, Mitglied im Vorstand der Deutschen Arbeitsgemeinschaft für Jugend- und Eheberatung (DAJEB). Herausgeber der Online-Fachzeitschrift Beratung Aktuell.

2. Die Partnerschule als Paartherapie im Integrativen Verfahren


2.1 Besonderheiten der Integrativen Therapie (IT)


Was bedeutet der Zusatz „im Integrativen Verfahren“? Mit „integrativ“ ist ein grundlegendes Verständnis der therapeutischen Beziehung und des therapeutischen Prozesses gemeint: Die leibliche Orientierung im Menschenbild weist dem Prozess das Ziel zu, dass die zwischenmenschliche und zwischenleibliche Dimension wächst. Das Paar arbeitet (konzeptionell auch als Ziel zu verstehen) an seiner leiblich und mental repräsentierten und erfahrbaren Grenze zwischen Ich und Du in der triadischen Beziehung zum Therapeuten. Dabei spielen neben der Sprache die Arbeit mit dem Körper (Tafler 2008, Hofmann 2010, Lissy-Honegger 2015) und kreative Ausdruckmöglichkeiten, die ich hier als „musischen Raum“ bezeichne, eine zentrale Rolle. Das Wort „integrativ“ wird in der Therapieszene immer häufiger verwendet. Deshalb möchte ich im Folgenden einiges zum ThemaIntegratives Verfahren sagen.

Die Anfänge integrativer Theorie, Praxeologie und Praxis datieren Mitte der 1960er-Jahre. Die Begründer*innen dieses Ansatzes, Hilarion Petzold und Johanna Sieper (1940–2020), seit 1974 auch Ilse Orth und Hildegund Heinl (1919–2005), haben dieses komplexe Verfahren und seine vielfältigen Methoden und Anwendungsformen als einen „bio-psycho-sozial-ökologischen Ansatz in der Lebensspanne“ mit einer klaren entwicklungspsychologischen Orientierung erarbeitet (Sieper 1971). Ausgehend von der „anthropologischen Grundformel“ der Integrativen Therapie (Petzold 1993) werden Menschen als „Körper-Seele-Geist-Wesen im sozialen und ökologischen Kontext und Kontinuum“ gesehen. Aus dieser Sichtweise entstand eine „Integrative Humantherapie“. Ein wichtiges Anliegen der Begründer*innen ist, den Menschen nicht auf einen Teilbereich (wie im medizinischen Paradigma: für Kopfschmerzen gibt es eine Tablette) zu reduzieren, sondern ihn in all seinen Dimensionen zu erfassen. Letztere haben nicht nur eine grundlegende Relevanz für Gesundheit, Wohlbefinden und Persönlichkeitsentwicklung, sondern im besonderen Maße auch für Störungen, Erkrankungen und Lebensprobleme. – Ein Bogenschütze würde seine Bewusstheit auch nicht allein auf die Hand richten, die die Sehne des Bogens spannt (Herrigel 1983).

Das Leibkonzept

Die Besonderheit der Integrativen Therapie (IT): Sie ist eine leibgebundene Therapie. Damit reicht sie natürlich über eine herkömmliche Arbeit in der Paartherapie hinaus, etwa wenn dort der Schwerpunkt auf der Vermittlung von Kommunikationsregeln liegt. Wahrnehmung, Geist, Gefühl und Wollen sind „verkörpert“, sind an ein „Embodiment“ gebunden; sie sind Leiblichkeit, im Leibsubjekt integriert (Pauls 2013). Und Letzteres wiederum ist nicht zu trennen vom sozialen und ökologischen Zusammenhang. Jeder erlebt in jedem Moment seines Lebens genau dieses Zusammenspiel zum größten Teil außerhalb seiner bewussten Wahrnehmung (Ryba 2018).

Engagement: Beispiel Netzwerk Partnerschule e. V.

Unser wachsendes Wissen über leibliche Außen- und Innenwahrnehmungen (Porges 2010) und über unsere Gedächtnissysteme (Roth& Strüber 2017), über Ökologien, Umweltbelastungen und über die Heilwirkungen der Natur (Petzold et al. 2019) ermöglicht ganz neue Zugangsweisen für die Arbeit mit Menschen. Diese Sicht auf das Menschsein und sein Eingebettet-Sein in die Welt hat seit den 1960er-Jahren viele Kolleg*innen nicht nur angesprochen, sondern ausgesprochen be