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Farrah
Dreieinhalb Jahre zuvor
»Wow! Wofür hast du dich denn so schick gemacht?«
Als ich Jace’ Stimme hörte, blieb ich schlagartig stehen.
Bingo!
Es ist ihm aufgefallen.
Mir lief es eiskalt den Rücken hinunter. »Für das Iguana.«
»Eine Bar. Interessant. Ich dachte immer, die Leute da tragen Kleidung.« Jace schmunzelte und brach eine Pistazie auf. Er steckte sich die Nuss in den Mund, die Schale warf er weg.
Ich schaute auf mein bauchfreies Top hinab. Ich hatte es absichtlich angezogen, damit mein neues Nabel-Piercing zu sehen war. Meine kurze Jeans bedeckte kaum meinen Hintern.
Ich gab mich verärgert. »Meines Wissens geht dich das, was ich anziehe, gar nichts an, Jace.«
»Es geht mich sehr wohl etwas an, wenn ich einen Typen verprügeln muss, der zu viel getrunken hat und seine Hände nicht bei sich behalten kann.«
Jace hatte sich mir gegenüber einen Beschützerinstinkt angewöhnt, den ich sowohl mochte als auch hasste. Mir wäre es lieber, er würde mich nicht als seine kleine Schwester betrachten. Sein Verhalten war völlig harmlos – das Gegenteil von dem, was ich mir wünschte. Meine Gefühle ihm gegenüber waren alles andere als geschwisterlich, aber das war wohl mein kleines Geheimnis.
»Ich komme schon klar.« Ich zuckte mit den Schultern, öffnete den Kühlschrank, holte den Krug heraus und goss mir ein Glas Wasser ein. Ich war kribbelig, weil ich noch immer seinen Blick auf mir spürte, auch wenn er sich nur Sorgen um mich machte.
»Ich kann dir ja nicht vorschreiben, was du tun und lassen sollst … aber von einem männlichen Standpunkt aus betrachtet: Wenn eine Frau so angezogen ist wie du, dann sagt sie mir damit etwas über sich selbst. Wenn du verstehst, was ich meine.«
Jace hatte ja keine Ahnung – nicht die geringste Ahnung. Er wusste nicht, dasser der einzige Mann war, den ich in letzter Zeit beeindrucken wollte. Jedes Mal, wenn ich mich provozierend kleidete, war das ein Versuch, ihn aus der Reserve zu locken.
Seit er vor zwei Monaten hier eingezogen war, verbrachte ich viel Zeit damit, mir zu überlegen, wie ich seine Aufmerksamkeit erregen konnte. Aber im Gegensatz zu den Pistazien, die er andauernd aß, war er eine harte Nuss, die schwer zu knacken war. Ich ertappte ihn zwar von Zeit zu Zeit dabei, wie er mich betrachtete, das schon, aber seine Gedanken konnte ich nie erraten. Und ehrlich gesagt, wusste ich nicht einmal, wasich mir dabei dachte, seine Aufmerksamkeit erregen zu wollen. Jace würde mich niemals auch nur mit der Kneifzange anfassen – nicht nur, weil er bei uns wohnte, sondern vor allem, weil ich die Schwester seines besten Freunds war. Deshalb war ich für ihn auch quasi eine Schwester – und ich hasste es. Selbst wenn er nach all den Jahren praktisch zur Familie gehörte, hatte ich ihn nie als Bruder gesehen. Ich hatte mich in dem Moment, als ich ihn das erste Mal sah, in ihn verknallt. Damals war ich etwa sechs.
»Die Mädchen, mit denen du rumhängst«, entgegnete ich, »ziehen sich kein bisschen konservativer an als ich. Oder hat sich das geändert?«
Er leckte sich Salz von den Lippen. »Das ist was anderes.«
Ich runzelte die Stirn. »Inwiefern?«
Jace’ Miene versteinerte. Darauf wusste e