: Tanja Bern
: Feenwinter und andere fantastische Geschichten
: Ashera Verlag
: 9783948592653
: 1
: CHF 2.70
:
: Erzählende Literatur
: German
: 35
: kein Kopierschutz
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Tanja Bern unterhält die Freunde des kleinen, fantastischen Lesegenusses in 'Feenwinter und andere fantastische Geschichten' mit folgenden Kurzgeschichten: Des Teufels Haus Kupferhaars Drache Portal der Hoffnung Der See der Nymphen Feenwinter Der graue Drache

Tanja Bern lebt mit ihrer Familie in Gelsenkirchen und ist dem Ruhrgebiet immer treu geblieben. Sie liebt die nordischen Länder und verweilt gerne am Meer oder im Wald, was sich in ihren Büchern widerspiegelt. Ihr Debüt wurde 2008 veröffentlicht. Seitdem arbeitet die Autorin in unterschiedlichen Genres. Die Romance ist dabei ein fester Bestandteil ihrer Geschichten, die oft phantastisch oder historisch sind.

Kupferhaars Drache


Das Brüllen hallte durch das Tal. Verzweiflung überspülte die Wälder und Hügel von Drahgor. Claire blickte erschrocken auf. Für einen Augenblick war sie wie gelähmt. Der Wind trug Wortfetzen zu ihr hinüber und sie konnte kaum glauben, was die Luft ihr zuflüsterte.

Claire ließ den Korb mit den gesammelten Beeren fallen, lief den Hang hinauf. Sie verbarg sich hinter einigen Sträuchern und schaute bestürzt auf das Geschehen.

Sechs Männer umringten einen Drachen. Sein schlanker Körper überragte die Menschen bei Weitem, trotzdem hatten sie das Tier in ihren Fängen. Netze waren über ihn geworfen, Speere steckten in seinem Leib und sie prügelten auf ihn ein. Claire schlug vor Schreck die Hand vor das Gesicht. Wie konnten sie diesem wertvollen Tier das antun? Drachen waren heilig! Sie erkannte mit Bitterkeit, dass sie ihre Ansichten nur mit wenigen Menschen teilte.

Der Drache gab auf. Der Glanz seiner bernsteinfarbenen Schuppen erstarb und er ließ erschöpft den Kopf sinken.

Hass loderte in Claire auf, denn die Männer lachten und piesackten das Tier, das sich ihnen längst ergeben hatte. Sie jagten den Drachen vor sich her. Dieser konnte sich durch die engmaschigen Netze kaum bewegen und stolperte die Wiese entlang. Ein leiser Laut des Schmerzes drang aus seinem Maul, dann ergab er sich endgültig in sein Schicksal. Hilflos musste Claire mit ansehen, wie die Männer den Drachen fortbrachten. Wo würden sie das Tier hinbringen? Claire ahnte es. Nur einer konnte so grausam sein: Lord Fahlorn. Aber was wollte er mit einem Drachen?

Das Mädchen musste sichergehen und lief zum Kampfplatz hinunter. Schimmerndes Blut war in dem Gras zu sehen. Die Männer trieben den Drachen wirklich Richtung Burg Fahlorn.

Ein leiser Laut erklang aus einem Gestrüpp – wie das ängstliche Miauen einer Katze. Claire hielt inne.

Was war das?

Wieder drang der gedämpfte Ton aus den Gebüschen. Vorsichtig näherte sich Claire und traute ihren Augen kaum. Zwei leuchtende Augen blickten sie voller Angst an. Der Körper schien wie getarnt in dem Grün der Sträucher.

»Oh nein!«, hauchte sie, fiel auf die Knie und streckte die Hand aus. »Komm her, Kleines.«

Das Tier wich zurück, doch Claire war geduldig. Fast eine halbe Stunde verharrte sie still und sprach mit ihm. Endlich kam es aus seinem Versteck. Es war ein Drachenjunges.

Die Schuppen des Kleinen waren braunschwarz gefleckt und matt, damit es in seinen Schlupfwinkeln wie unsichtbar blieb. Claire sa