: Alexandre Dumas
: Die Jungfrau von Orleans Historischer Roman
: apebook Verlag
: 9783961304431
: 1
: CHF 2.70
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: Historische Romane und Erzählungen
: German
Frankreich im 15. Jahrhundert zur Zeit des Hundertjährigen Krieges: Die Engländer stehen kurz vor dem Sieg über den verhassten Erzfeind. Doch wie aus dem Nichts taucht plötzlich eine junge Frau auf, die behauptet, der Erzengel Michael habe ihr den göttlichen Auftrag erteilt, Frankreich aus den Klauen des Feindes zu retten. Ihr Name ist Johanna, und sie wird sich eine Rüstung anlegen, das Schwert ergreifen und auf dem Rücken eines Schlachtrosses voran gegen die feindlichen Truppen stürmen. Tatsächlich scheint sich mit ihr eine alte Prophezeiung zu erfüllen von einer Jungfrau als Retterin des französischen Volkes. Wo sie auftaucht, fliehen die Gegner. Der Anblick des Banners der Jungfrau versetzt alle Feinde in Angst und Schrecken. Wie soll man gegen eine Gottgesandte kämpfen? - Doch eines Tages wendet sich das Kriegsglück gegen Johanna...

ERSTES KAPITEL.

EINE FAMILIE VON LANDLEUTEN.


Am Tage der Heiligen Drei Könige im Jahre unseres Herrn 1429, gegen zehn Uhr Morgens, ritt ein völlig gewappneter Ritter auf seinem Schlachtrosse, gefolgt von seinem Schildknappen und von seinem Pagen, die einige Schritte hinter ihm sich hielten, in das Dorf Domremy, welches man Domremy-les-Greux nannte, und das seitdem diese zweite Benennung verloren hat: da er, der Kirche gegenüber angekommen, sah, dass das heilige Messopfer noch nicht beendigt war, hielt er an, stieg von seinem Rosse ab, gab seinen Helm, seinen Degen und seine Sporen seinem Pagen1 und ging, also, entwaffnet, die vier Stufen hinauf, die zur Vorhalle der Kirche führten, mit dem festen und zuversichtlichen Gange des Edelmannes, mitten durch die Bauern schreitend, von denen das Haus des Herrn dergestalt wimmelte, dass die zuletzt Gekommenen waren genötigt worden, sich auf die Stufen und selbst auf die Straße zu knien.

Aber der edle Kriegsmann, wie man leicht begreift, gehörte nicht zu jenen, welche demütig vor der Tür bleiben; daher brach er sich Bahn durch dieses Gedränge das übrigens, bei dem widerhallenden Dröhnen seiner Schritte, von selbst sich öffnete, und kniete sich ebenfalls zu dem kleinen eisernen Gitter hin, das den Priester von den Anwesenden trennte, so zwar, dass er sogar weiter vorne war, als die Kirchensänger, und zwischen dem Priester und ihm nur der Sakristan und die Chorknaben sich befanden. Zum Unglücke für die religiösen Wünsche des guten Ritters, hatte er sich ein wenig spät eingestellt, und da die Messe in dem Augenblicke seines Eintrittes sich ihrem Ende näherte, kaum Zeit gefunden, einVater Unser zu beten, als der Priester die sakramentlichen Worte sprach, verkündend, dass der Gottesdienst zu Ende sei, und «a ihm vorüberging, in die Sakristei das silberne Cilborium forttragend, das er so eben zur Comminumon benützt hatte.

Bei dieser Verkündigung und diesem Aufbruch des die Messe lesenden Priesters, stand, wie es Sitte ist, Jedermann auf, machte das Zeichen des Kreuzes, und ging der Tür zu, mit Ausnahme des Ritters, welcher ohne Zweifel mit seinem Gebete noch nicht fertig, der Letzte von Allen vor dem Chore knien blieb, und mit einer Andacht zu Gott betete, die, von diesem Jahrhunderte an, unter den Kriegsmännern sehr selten zu werden begann; daher begab sich, entweder weil die Landsleute ob dieser Frömmigkeit betroffen waren, oder bei dem Anblicke eines Mannes, der dem Adel anzugehören schien, von ihm Nachrichten über die Staatsangelegenheiten zu erhalten hofften, welche zu jener Zeit misslich genug waren, um die Vornehmsten des Königreiches wie die geringsten Dorfbewohner zu beschäftigen, nur ein unbedeutender Teil der Gläubigen nach Hause, die Mehrzahl blieb, ungeachtet einer ziemlich heftigen Kälte, veranlasst durch zwei oder drei Zoll hohen Schnee, die während der Nacht gefallen waren, auf dem Platze, Gruppen bildend, jedoch ohne dass, trotz der guten Lust, die Jeder von Ihnen dazu hatte, auch nur ein Einziger unter allen diesen wackeren Leuten sich befand, der den Pagen oder den Schildknappen zu fragen wagte.

Unter dies