: Alexandre Dumas
: Der Frauenkrieg. Band 1 Historischer Roman
: apebook Verlag
: 9783961304417
: 1
: CHF 0.50
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: Historische Romane und Erzählungen
: German
Mitte des 17. Jahrhunderts wird der junge Baron de Canolles als Soldat eingezogen und in die Wirren des französischen Bürgerkriegs verwickelt. Er gerät zusätzlich in ein moralisches und emotionales Dilemma, als er sich zugleich in zwei Frauen verliebt, die beide zudem verschiedenen politischen Lagern angehören. Und beide Frauen verstehen es, ihre Waffen und Reize in den Dienst ihrer Sache zu stellen. Für den jungen Baron ist es schwer zu erkennen, wo wahre Gefühle walten und wo strategisches Kalkül obsiegt. Doch er muss sich entscheiden. Sowohl im Krieg als auch in der Liebe kann es nur eine Seite geben, auf der er steht... Dieses ist der erste von insgesamt zwei Bänden.

ERSTES KAPITEL


 

In einiger Entfernung von Libourne, der heiteren Stadt Südfrankreichs an der Dordogne, lag einst ein hübsches Dorf mit weißen Mauern und roten Dächern, halb verborgen unter Linden und Buchen, das später im Bürgerkrieg vernichtet wurde. Damals aber, zur Zeit unserer Geschichte, das heißt im Monat Mai des Jahres 1650, stand dieses Dorf, das Matifou hieß, noch in voller Blüte, und die Straße von Libourne nach Saint-André ging mitten durch die symmetrisch aneinander gereihten Häuser. Hinter einer von diesen Häuserreihen, etwa hundert Schritte entfernt, schlängelte sich der Fluß, dessen Breite und Stärke hier schon die Nähe des Meeres zu verkündigen anfängt.

Fünfhundert Schritte von dem Dorfe lag ein einzelnes Gebäude, welches das Auge des müden und erfrischungsbedürftigen Reisenden in ganz besonderem Maße erquickt hätte. Denn das goldene Kalb, das, auf rotes Blech gemalt, an einer Eisenstange ächzte, lud zum Weilen ein, und Meister Biscarros sorgte dafür, daß niemand, der dieser Einladung folgte, enttäuscht wurde.

An einem schönen Abende des erwähnten Monats stand er auf der Schwelle des Hauses, weiß gekleidet nach dem Gebrauche der Opferpriester aller Zeiten und aller Länder, und rupfte mit seinen erhabenen Händen Feldhühner und Wachteln, die er so gut zuzubereiten verstand und darum auch in allen Einzelheiten selbst besorgte.

Als das letzte Tageslicht geschwunden war, ließ sich der erste Gesang der Nachtigall in einem nahen Gesträuch vernehmen und bei den ersten Noten, die der Kehle des gefiederten Musikers entstiegen, begann Meister Biscarros ebenfalls zu singen, ohne Zweifel, um die Nachtigall zu begleiten. Infolge dieser musikalischen Nebenbuhlerschaft und der Aufmerksamkeit, die der Wirt seiner Arbeit schenkte, bemerkte er eine Truppe von sechs Reitern nicht, die am Ende des Dorfes Matifou erschien und nach seinem Gasthause vorrückte.

Aber ein Ausruf, der aus einem Fenster des ersten Stockes kam, sowie die schnelle, geräuschvolle Bewegung, mit der dieses Fenster geschlossen wurde, bewirkte, daß der würdige Gastwirt seine Nase in die Höhe reckte. Er sah nun den Reiter, der an der Spitze seiner Truppen auf ihn zukam, dabei aber stets vorsichtig um sich spähte und die Hand nicht von der Muskete ließ.

»Das ist ein vornehmer Herr, der mein Haus sucht,« sagte Biscarros; »der würdige Edelmann scheint aber kurzsichtig zu sein. Mein goldenes Kalb ist doch frisch gemalt, und das Schild springt bedeutend vor. Wir wollen uns ein wenig ins Licht stellen.«

Er pflanzte sich also mitten auf der Straße auf, wo er fortfuhr, das Geflügel mit Gebärden voll Erhabenheit und Majestät zu rupfen.

Diese Bewegung brachte die vom Wirt erwartete Wirkung hervor. Kaum erblickte ihn der Reiter, als er gerade auf ihn zuritt und mit höflicher Begrüßung zu ihm sagte: »Um Vergebung, Meister Biscarros, habt Ihr n