VIERTES KAPITEL
Am Tage nach der Ankunft der Frau Prinzessin in Bordeaux fand ein großes Mittagsmahl auf der Insel Saint-George statt, wozu Canolles die vornehmsten Offiziere der Garnison und die anderen Festungs-Gouverneure der Provinz eingeladen hatte.
Um zwei Uhr nachmittags, zu der für das Mahl festgesetzten Stunde, war Canolles von einem Dutzend Herren umgeben, die er der Mehrzahl nach zum ersten Male sah; sie erzählten von dem großen Ereignis des vorhergehenden Tages, belustigten sich auf Rechnung der Damen, welche die Prinzessin begleiteten, und glichen nur sehr wenig Leuten, die im Begriff sind, ins Feld zu rücken, und die wichtigsten Interessen des Königreichs in ihren Händen haben.
Ganz strahlend und prachtvoll in seiner mit Gold überzogenen Uniform belebte Canolles noch diese Heiterkeit durch sein Beispiel. Man sollte auftragen, aber Canolles bat, noch eine halbe Stunde zu verzichten, da er noch einen Gast, den neuen ihm bisher unbekannten Gouverneur von Bayres, erwarte.
Mit unterhaltendem Geplauder über den beginnenden Frauenkrieg, in dem man doch ohne Damen zu Mittag speisen sollte, und mit Andeutungen über die gütige Fee, die über dem Wohl ihres Gouverneurs wache, verging die halbe Stunde schnell.
Schon öffnete sich die Tür des Speisesaales, und Canolles lud seine Gäste ein, ihm zu folgen, als im Vorzimmer die Meldung erscholl: »Der Herr Gouverneur von Vayres.«
»Ah! ah!« sagte Canolles, »das ist sehr liebenswürdig von ihm.«
Und er machte einen Schritt, um dem ihm unbekannten Kollegen entgegenzugehen; plötzlich aber wich er voll Erstaunen zurück und rief: »Richon! Richon, Gouverneur von Vayres!«
»Ich selbst, mein lieber Baron,« antwortete Richon, trotz seiner Leutseligkeit die ihm eigentümliche ernste Miene beibehaltend.
»Ah! desto besser, tausendmal besser!« sagte Canolles, ihm herzlich die Hand drückend. »Meine Herren,« fügte er hinzu, »Ihr kennt diesen Ehrenmann nicht, aber ich kenne ihn und sage laut, man konnte ein so wichtiges Amt keinem rechtschaffeneren Manne anvertrauen.«
Richon ließ einen Blick so stolz wie der eines Adlers umhergehen, und als er in allen Augen nur ein leichtes mit Wohlwollen gemischtes Erstaunen wahrnahm, sagte er: »Mein lieber Baron, nun, da Ihr so offen für mich gebürgt habt, wollt mich gütigst den Herren vorstellen, denen ich bekannt zu sein nicht die Ehre habe.«
Nach einer Viertelstunde war Richon bereits der Freund aller dieser jungen Offiziere und hätte von jedem seinen Degen oder seine Börse verlangen können. Seine Gewährschaft waren sein wohlbekannter Mut, sein fleckenloser Ruf und sein in seine Augen geschriebener Adel.
»Bei Gott! Meine Herren,« sagte der Komm