: Jana Voosen
: Broken World 2 Wer willst du sein?
: neobooks Self-Publishing
: 9783754182543
: Broken World
: 1
: CHF 4.50
:
: Erzählende Literatur
: German
: 316
: kein Kopierschutz
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Die Geschichte von Yma und Len geht weiter! Nach ihrer Flucht ist Yma untergetaucht und lebt unter falscher Identität. Doch das Regime duldet keine Systemgegner. Sie werden sie jagen. Und was Yma droht, wenn ihre Häscher sie entdecken, ist schlimmer als der Tod.

Jana Voosen, Jahrgang 1976, absolvierte eine Schauspielausbildung in Hamburg und schrieb währenddessen ihren ersten Roman. Seitdem war sie in zahlreichen TV-Produktionen ('Marienhof', 'Tatort', 'Homeland' u.a.) zu sehen und veröffentlichte insgesamt vierzehn Romane sowie diverse Kurzgeschichten. Für das Theater schrieb sie mehrere Bühnenstücke. Jana Voosen lebt und arbeitet in Hamburg.

9



Nur Minuten später lande ich auf einer harten Unterlage, es riecht nach Benzin und altem Teppich. Mit einem Ruck setzt sich das Fahrzeug in Bewegung. Bin ich von Polizisten umringt, die auf mich herabblicken? Oder liege ich hier ganz allein? Ich weiß es nicht. Mein Arm, auf dem ich gelandet bin, schmerzt fast unerträglich. Ich drehe mich auf den Bauch, um ihn zu entlasten, und dann weiter auf die andere Seite. Ziehe die Beine an und rolle mich zusammen. Konzentriere mich auf meinen Atem, denn er ist das Einzige, was ich jetzt noch habe. Wo bringen sie mich hin? Auf direktem Weg zur Insel? Zu Len? Das Bild einer verglühenden Zigarette taucht vor meinem inneren Auge auf, die Funken stiebend durch den Nachthimmel fliegt. Wie eine Sternschnuppe.

Pass auf, was du dir wünschst. Es könnte in Erfüllung gehen.

Irgendwann ist die Fahrt zu Ende. Ich werde aus dem Wagen gehoben und meine Fußfesseln gelöst. Links und rechts grobe Hände an meinen Oberarmen. Man führt mich irgendwohin. Ich versuche, durch die dünnen Sohlen meiner abgetragenen Turnschuhe den Untergrund zu erspüren. Ist das Beton? Asphalt? Marmor? Auf jeden Fall ein harter Untergrund. Treppenstufen. Wieder geradeaus. Die Luft um uns herum verändert sich. Wird spürbar wärmer. Wir haben ein Gebäude betreten. Auch der Boden ist anders. Meine Füße sinken tiefer ein. Wie in weichen Teppichboden. Ich frage mich, welche Farbe er wohl hat. Ob die langen Gänge, durch die ich wandere, völlig leer sind? Oder sind da andere Menschen? Starren sie mich an? Was muss ich für einen Anblick bieten?

Wieder eine Luftveränderung. Harter Boden. Noch ein paar Schritte. Wir kommen zum Stehen. Jemand rammt mir etwas von hinten in die Kniekehlen, so dass meine Beine wegknicken. Hart lande ich mit dem Hintern auf einem Stuhl. Meine gefesselten Hände knallen gegen die Lehne, und ich stöhne in meinen Knebel. Der grobe Stoff kratzt in meinem Rachen, meine Mundschleimhaut fühlt sich staubtrocken an. Jemand nimmt mir die Kopfhörer ab und ich höre ein hohes, kaltes Lachen. Eine Gänsehaut läuft über meinen gesamten Körper. Noch bevor er ein Wort gesagt hat, weiß ich, wen ich vor mir habe.


„Also wirklich, Leute“, sagt Akando, „das ist doch nur ein kleines Mädchen. Nicht zu fassen, dass ihr zwei lange Monate gebraucht habt, um es zu finden. Entfernt die Augenbinde!“

Der Druck über meinen geschlossenen Augen verschwindet, ich öffne sie und blinzele in das grelle Neonlicht. Als ich den Raum erkenne, in den man mich gebracht hat, bricht mir der Schweiß aus allen Poren. Ich war schon einmal hier. Oder zumindest in einem Verhörzimmer, das genauso aussah. Sofort stürzen die Bilder auf mich