: Anne Frank
: Anne Franks Kurzgeschichten [Verfasst parallel zu ihrem berühmten Tagebuch]
: Books on Demand
: 9783755790211
: 1
: CHF 3.10
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: Literatur: Allgemeines, Nachschlagewerke
: German
: 116
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Anne Frank: Kurzgeschichten und Textentwürfe | Vollständig verlinkte eBook-Ausgabe, mit eBook-Inhaltsverzeichnis, Vorwort und verlinkten Fußnoten | Wer nur Anne Franks Tagebuch kennt, kennt zu wenig. Zwischen ihrem 13. und 15. Lebensjahr schrieb das Mädchen im Versteck im »Hinterhaus« zahlreiche Kurzgeschichten und notierte in literarischer Form Beobachtungen aus dem täglichen Leben. Dieses belletristische Werk Anne Franks ist für ein Mädchen dieses Alters unglaublich professionell. Alle Geschichten Annes haben einen geplanten Handlungsbogen, verfolgen einen »Plot« und kommen, je nachdem, zu einem tragischen oder fröhlichen Ende, nicht selten verknüpft mit einer Überraschung oder einem Aha-Erlebnis. Und nicht zuletzt scheint bei allen Geschichten Annes große, tief anrührende Sensibilität durch, ihre Sehnsüchte und ihre Erwartungen ans Leben. | Das hier vorliegende Buch enthält nicht Anne Franks Tagebuch und die von ihr »erweiterten« Tagebucheinträge, die an anderer Stelle erschienen sind, sondern ihr belletristisches Werk.

Anne Frank, ein jüdisches Mädchen von 14 Jahren, hielt sich vom 6. Juli 1942 bis zum 4. August 1944 mit ihre Eltern, ihrer Schwester und vier weiteren Verfolgten im Hinterhaus eines Amsterdamer Firmengebäudes versteckt, ehe die geheime Wohnung von Nazi-Schergen entdeckt und die Bewohner verhaftet wurden. Alle, bis auf Anne Franks Vater Otto, starben in verschiedenen Konzentrationslagern, Anne etwa im März 1945. Das genaue Todesdatum ist nicht bekannt. Annes Tagebuch und ihre »Erzählungen aus dem Hinterhaus« gelten heute als bedeutendste schriftliche Zeugnisse aus der Zeit der Nazi-Diktatur.

Evas Traum


[Oktober 1943. Anne und ihre Familie sind nun

seit 14 Monaten im Versteck]

Teil I


»Gut’ Nacht, Eva, schlaf gut!«

»Gleichfalls, Mams!«

Das Licht erlosch, und Eva lag einen Moment im Dunkeln, dann, als sie an die Dunkelheit gewöhnt war, merkte sie, dass die Mutter die Vorhänge gerade so weit zugezogen hatte, dass noch ein breiter Spalt blieb, und da hindurch konnte Eva direkt in das kugelrunde Gesicht des Mondes blicken. So ruhig stand der Mond am Himmel, bewegte sich nicht, lachte immerzu und war zu jedem gleich freundlich.

»Wäre ich nur auch so«, sagte sich Eva halblaut, »könnte ich nur immer freundlich und gelassen sein, sodass jeder mich brav und lieb findet. O, das wäre so schön!«

Eva sann und sann weiter über den Mond nach und verglich ihn mit sich selbst, die bloß so schrecklich unbedeutend war. Schließlich fielen ihr vom vielen Nachdenken die Augen zu, während ihre Gedanken sich in einem Traum verloren, an den Eva sich am nächsten Morgen noch so gut erinnerte, dass sie sich später oft fragte, ob er nicht doch Wirklich