Evas Traum
[Oktober 1943. Anne und ihre Familie sind nun
seit 14 Monaten im Versteck]
Teil I
»Gut’ Nacht, Eva, schlaf gut!«
»Gleichfalls, Mams!«
Das Licht erlosch, und Eva lag einen Moment im Dunkeln, dann, als sie an die Dunkelheit gewöhnt war, merkte sie, dass die Mutter die Vorhänge gerade so weit zugezogen hatte, dass noch ein breiter Spalt blieb, und da hindurch konnte Eva direkt in das kugelrunde Gesicht des Mondes blicken. So ruhig stand der Mond am Himmel, bewegte sich nicht, lachte immerzu und war zu jedem gleich freundlich.
»Wäre ich nur auch so«, sagte sich Eva halblaut, »könnte ich nur immer freundlich und gelassen sein, sodass jeder mich brav und lieb findet. O, das wäre so schön!«
Eva sann und sann weiter über den Mond nach und verglich ihn mit sich selbst, die bloß so schrecklich unbedeutend war. Schließlich fielen ihr vom vielen Nachdenken die Augen zu, während ihre Gedanken sich in einem Traum verloren, an den Eva sich am nächsten Morgen noch so gut erinnerte, dass sie sich später oft fragte, ob er nicht doch Wirklich