: Laura Bruning
: Literarische Darstellungen von Psychopathen und Dandys im kulturhistorischen Kontext von Beau Brummell bis Hannibal Lecter
: Books on Demand
: 9783755704683
: 1
: CHF 8.80
:
: Sprach- und Literaturwissenschaft
: German
: 128
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
In der modernen Gesellschaft herrscht eine morbide Faszination für psychopathische Figuren wie Thomas Harris' Hannibal Lecter oder Bret Easton Ellis' Patrick Bateman. Psychopathische Dandys mit Stil und Geschmack erheben sich über den Rollentypus des affektgesteuerten Mörders, wobei Gewalt als ästhetische Ausdrucksform perfektioniert wird. Wie wurde der literarische Dandy vom zwielichtigen Manipulatant im Stil des historischen Vorbilds George'Beau' Brummell zum modernen Serienmörder? Die Literaturwissenschaftlerin Laura Bruning vergleicht spätviktorianische Repräsentationen des Rollentypus wie Oscar Wildes Dorian Gray und Robert Stevensons Henry Jeckyll mit Dandys des 20. Jahrhunderts wie Brechts Mackie Messer und Burgess' Alex DeLarge, um schlussendlich zu zeigen, dass das Dandytum in der modernen Literatur untrennbar mit dem Psychopathie-Begriff verknüpft ist.

Laura Bruning wurde 1989 geboren und studierte Literaturwissenschaft mit den Schwerpunkten Komparatistik, Genretheorie und Filmtheorie an der Universität Bielefeld. 2017 graduierte sie erfolgreich als Master of Arts und ist seither selbstständig im Verlagswesen tätig.

2. Die Entwicklung des Psychopathie-Begriffes im historischen Kontext


Grundlegend für die komparative Analyse literarischer Psychopathen ist eine möglichst klare Definition des Psychopathie-Begriffes unter Beachtung des historischen Wandels des in der Pathologie herrschenden Verständnisses des Phänomens. Die Geschichte des Begriffes lässt sich an drei Modellen festmachen, welche maßgeblich für die Diagnose und die juristische Behandlung von Psychopathen sind4. Wie unter Punkt4 ersichtlich, entsprechen auch die literarischen Repräsentationen des Persönlichkeitsbildes dieser geschichtlichen Dreiteilung, die auf den folgenden Seiten zusammengefasst werden soll.

2.1 Einführung des Begriffes


DasPsychopathische findet seinen Ursprung in der europäischen Psychologie des späten 18. und frühen 19. Jahrhunderts. Der französische Psychiater Philippe Pinel beobachtete, dass Patienten sich der Irrationalität ihres eigenen Handelns durchaus bewusst sein können und defi-nierte um die Jahrhundertwende erstmalsmanie sans délires5. Er prägte die für die spätere