: Katharina Hadinger
: Der Putzteufel
: Ashera Verlag
: 9783948592509
: Crime Time
: 1
: CHF 4.50
:
: Krimis, Thriller, Spionage
: German
: 200
: kein Kopierschutz
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Schweine sind nicht schwer zu malen. Die größere Schwierigkeit besteht darin, sie zu finden, sie zu enttarnen und ihre wahre Gestalt zu erkennen. Dies alles hat sich Gustav Weihwasser zur Aufgabe gemacht. Und er entwickelt ein untrügliches Gefühl für die Jagd auf sie. Wer aber sind die Schweine, die seine Leinwände füllen? Wer ist der Putzteufel, der eine kleine Stadt und ihren Ermittler seit Jahren in Atem hält?

Katharina Hadinger wurde im Februar 1985 in Vöcklabruck geboren, wo sie ihre Kindheit und Jugend verbrachte. Mit der Geburt ihrer zweiten Tochter, wurde Katharina mit ihrer Familie im oberösterreichischen Ennstal sesshaft, wo sie eine kleine Landwirtschaft betreiben. Auch erkannte sie hier das Schreiben als ihre Bestimmung an. Neben Kurzgeschichten und Lyrik verfasst sie auch Texte für Kinder. Ihre Leidenschaft gilt aber den großen Projekten, die für sie wie ein zweites Leben sind.

Gustav


April 2002


 

Der Tag, an dem Gustav Weihwasser seine Mutter tötete, begann mit Amselgesang und Tau auf den Wiesen. Die Sonne drängte sich zwischen den letzten Wolken der Nacht hervor. Pfützen trockneten in einer Frühlingsbrise. Ein guter Tag, um das Auto zu waschen.

Tatsächlich war der Tag noch nicht ausgeschlüpft, als sich Gustav mit einem Kübel und diversen Putzmittel, Lappen und Schwämmen und einem Handstaubsauger bewaffnet, aus der Wohnung seiner Mutter stahl. Sie schlief noch. Ein bisschen neidete er ihr ihren Schlaf. Er selbst glaubte nicht, jemals tief geschlafen zu haben. Das letzte Mal wahrscheinlich im Krankenhaus, in jenen drei Nächten, die er dort hatte verbringen dürfen, nachdem seine Mutter ihn geboren hatte. Gustav seufzte bei dem Gedanken an die Ordnung des Krankenhauses, und er fand es schade, dass ihm die Erinnerung an diese Tage beinah abhandengekommen war. Nur der Geruch war geblieben und ein verblassendes Bild von weiß gekleideten Menschen, wie Engel, die jeden Tag das Bett bezogen hatten. Daran, dass einer dieser Engel ihn als Schreikind bezeichnet hatte, konnte er sich nicht erinnern. Nichtsdestotrotz war Gustav Weihwasser ein Schreikind gewesen. Er hatte geschrien, kaum, dass er das Licht der Welt erblickt hatte, hatte nur aufgehört, wenn der Flaschensauger in seinen Mund gesteckt wurde, hatte nicht aufgehört zu brüllen, obwohl er im Paradies gelandet war, wo Engel ihn umsorgten.

Erst als seine Mutter ihn über die Schwelle dieses Paradieses in eine andere Welt getragen hatte, war er leiser geworden. Wimmernd hatte er eine Autofahrt durch die Stadt ertragen, greinend den Gang durch das Stiegenhaus hinauf bis zur Wohnungstür Nummer achtundzwanzig, und stumm hatte er sein neues Zuhause betrachtet. Die Erinnerung daran war ihm geblieben. Sie hatte sich in sein Herz gebrannt. Die Fliegen, die an den Wänden gekrochen waren, der Staub auf den Regalen, jeder Fleck auf dem Teppichboden, auf dem Glastisch im Wohnzimmer, die Fensterscheiben, durch die niemand sehen konnte. Und der Geruch. Auch der Geruch. Aber Gustav war kein Schreikind mehr gewesen. Er hatte den Mund nur noch aufgemacht, wenn es nötig gewesen war. Und auch dann nur ein bisschen …

Im Hof stand ein Kastanienbaum. In seiner Krone zwitscherte die Amsel. Gustav genoss es, morgens als Erster über die Waschbetonplatten zu laufen, welche an diesem Tag noch feucht vom Regen waren. Den Hof umgab eine Mauer. Durch ein Tor gelangte man auf den Parkplatz, der den Mietern des Hauses vorbehalten war. Dort stand das Auto seiner Mutter. Ein Fiat mit rostigem Tankdeckel. Beides gehörte seit gestern ihm. Gestern hatte Gustav Geburtstag gehabt. Heute war er achtzehn Jahre alt und besaß einen Führerschein. Er hatte nicht vor, in einem Schweinestall durch die Gegend zu fahren, nachdem er achtzehn Jahre lang in einem solchen hatte leben müssen.

Seine Mutter hatte ihn in ein Zuhause voll Schmutz und Unordnung gepflanzt und vielleicht erwartet, dass er sich anpasste, dass er selbst schmutzig und unordentlich und sich wie eine Stabheuschrecke eines Tages nicht mehr von seiner Umgebung abheben würde. Da hatte sie sich getäuscht. Gustav Weihwasser war kein Mensch, der sich