: Volker Leuoth
: Aachen brennt Ein historischer Roman um die Wirrungen der Konfessionen, den großen Stadtbrand und die Liebe zweier junger Menschen
: Eifeler Literaturverlag
: 9783961230297
: 1
: CHF 9.70
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: Historische Romane und Erzählungen
: German
: 308
: kein Kopierschutz
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Aachen im Jahr 1656. Zwischen der streng katholisch erzogenen Anna Maria und dem Protestanten Johannes hat sich eine zarte Liebe entwickelt. Sie leiden wie viele Bürger der Stadt unter religiöser Intoleranz, den Wirrungen in Glaubensfragen und der Angst vor dem Inquisitionsgericht. Es folgen dramatische Entwicklungen mit Auswirkungen auf ihr Alltagsleben, die Familien und ihre Liebe. Beide werden an unterschiedlichen Orten in die Katastrophe des großen Stadtbrandes hineingezogen, der Aachen nahezu vollständig zerstört. Trotz dieser Spannungen wollen sie zueinander finden ...

Volker Leuoth ist promovierter Sonderschullehrer, arbeitete viele Jahre in der Lehrerausbildung und hatte einen Lehrauftrag an der Universität zu Köln. Er ist Mitautor verschiedener Schulbücher, zuletzt unterrichtete er am College der VHS Aachen. Er hat bereits mehrere historische Romane zur Stadtgeschichte Aachen veröffentlicht. Zuletzt erschien 2017 im Verlag Mainz die gemeinsam mit Ali Ben Moulay verfasste Romanbiografie »Alis Reise nach Aachen«.

Elisabeth hatte sich neben ihn gesetzt und legte nun ihre Hand auf seinen Arm. Vielleicht wirkte es sich beruhigend auf ihn aus.

»Ist es nicht Beweis genug, dass Hexen das Teufelsmal tragen?«, fragte er etwas sanfter gestimmt. »Die Inquisitoren konnten an einem Fleck auf der Haut der Maubachschen erkennen, dass sie eine Hexe war und für den Tod des kleinen Georg einstehen musste. Ich gebe zu, dass es sicher eine Tortur war, weil sie dafür wie jede andere Verdächtige entkleidet und ihr gesamtes Körperhaar entfernt werden musste. Und das durch Absengen der Haare! Dann wurde sie dem Hohen Gericht nackt vorgeführt.«

»Was soll das schon heißen? Ich habe auch ein Mal auf dem linken Oberschenkel«, wagte Anna Maria einzuwerfen, »und ich bin keine Hexe! Wo hatte die Maubachsche denn den Fleck? Und überhaupt: kann man diese furchtbaren Qualen eigentlich mit unserem christlichen Glauben vereinbaren?«

Sie hatte es ganz ruhig gefragt. Elisabeth ahnte, was jetzt kommen würde, denn Peter hatte sich seltsamerweise sehr für den Prozess gegen die rote Hexe, wie sie auch genannt wurde, interessiert. Hatte sie auch seine Fantasie angeregt? Hatte er vielleicht Angst um die Tochter, weil jemand von dem Fleck wissen könnte – möglicherweise sogar ein gewisser Andersgläubiger? Obwohl ihr Mann unerschütterlich hinter dem rechten Glauben stand, war er sich immer bewusst, wie schnell jemand in die Mühlen der Inquisition geraten konnte. Das hatte er zugegeben. Insgeheim fürchtete er ebenso wie die meisten Bürger Aachens das Auftauchen des Gerichts, und wurde es angekündigt, legte sich ein Mantel angespannter Stille über die Stadt.

Viel Schlimmes darüber hatte man aus anderen Regionen des Reichs gehört. Im Nassauischen war im Hexenhammerbuch genau festgelegt, wann welche Stufe der Folter zu erfolgen hatte. Es fing mit Daumenschrauben an und führte weiter zum Folterstuhl, bei dem die Angeklagten von spitzen Dolchen fast durchbohrt wurden. Man wurde rücklings hochgezogen, bis die Arme auskugelten und die Verurteilten vor Schmerzen von einer Ohnmacht in die andere fielen.

Man machte die Wasserprobe, bei der die Hexe gefesselt in einen Korb gesetzt und dem Flusswasser überlassen wurde. Ertrank sie, war ihre Schuld erwiesen. Entkam sie der Tortur, ging es weiter. Schließlich gaben die Angeklagten alles zu. Das Gute siegt eben über das Böse!

Peter wurde lauter: »Es ist nicht nötig, dass du weißt, wo sie den Fleck hatte. Du sollst so viel wissen, dass er an einer Stelle war, über die Christenmenschen sich schämen würden zu sprechen.«

»Also zwischen den Beinen«, gab Anna Maria keck zurück und schaute dabei ihrem Vater fest in die Augen. »Und haben sich die Hohen Herren nicht geschämt, ein nacktes Weib zu begutachten, obwohl sie keine Ärzte sind?« Elisabeth war überrascht, wie sicher ihre Tochter urteilte und offen über Dinge redete, die sie selbst niemals auszusprechen gewagt hätte.

Peter dagegen beachtete ihre Worte scheinbar nicht, sondern stieß wütend die leere Suppenschale über den Tisch, stand auf und wandte sich dem Fenster zu. Wie abwesend sprach er, mit Blick auf die Gasse: »Ahnst du, was dann mit ihr passierte?« Ohne Anna Marias Antwort abzuwarten, fuhr er fort: »Als sich das Gericht überzeugt hatte, dass sie eine Hexe sein musste, brachte man sie in das tief gelegene Verlies der Acht, wo die Geräte stehen und die Werkzeuge herumliegen, die man braucht, um ein Geständnis