Mich einfinden –
Lebendig werden in Gegensätzen
Taoistischer Gruß
Jenseits von richtig und falsch liegt ein Ort. Dort treffen wir uns.
DSCHALÂL-ED-DÎN RUMÎ (13. JAHRHUNDERT)
Hinführung
Alles Gegensätzliche als Teil des Ganzen sehen
»Körper und Geist, Himmel und Erde, alles, was uns gegensätzlich erscheint, ist in Wahrheit eins. Der Kosmos ist ein Ganzes und ich bin Teil dieses Geheimnisses.« Mit diesen Worten und einer dazugehörigen Eröffnungsgeste finden wir uns jeweils ein, bevor wir uns durch die Bilder des Shibashi bewegen. Wir verbinden Erde und Himmel, Nacht und Tag, Frau und Mann, Winter und Sommer, Körper und Geist, Leib und Seele, Herz und Verstand, Mensch und Gott. Symbolisch führen wir so alles zusammen, was uns in unserem westlich geprägten Denken als sich widerstreitende Gegensätze erscheint. Wir drücken damit aus: Es braucht beide Pole, sie bedingen einander und erst zusammen bilden sie ein Ganzes. Warum ist dies für uns so wichtig?
Typisch westlich: das Entweder-Oder-Prinzip
Unsere westliche Kultur ist stark geprägt von einer dualistischen Sicht auf die Dinge und aufs Leben. Diese verführt uns bisweilen dazu, die Welt in zwei sich gegenseitig ausschließende Prinzipien aufzuspalten. Dies prägt unser Handeln, belastet unsere Beziehungen zueinander und verhindert, dass wir in einen inneren Frieden mit uns selbst finden. Es drückt sich häufig in zwei schlichten Worten aus: entweder – oder.
Ein solches Denken geht weit zurück, bis in vorchristliche Zeit. Es hat nicht nur die Sicht auf irdische Dinge geprägt, sondern zeigt sich auch in religiösen Vorstellungen: Das dualistische Weltbild b