: Hans-Peter Heekerens
: Wie die Erlebnispädagogik laufen lernte Outward Bound in der Bonner Republik
: ZKS Verlag
: 9783947502592
: 1
: CHF 27.50
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: Allgemeines, Lexika
: German
: 428
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Das vorliegende Buch handelt von der Frühzeit der Erlebnispädagogik im deutschsprachigen Raum und liefert damit einen Beitrag zu deren historischer Identität. Im Zentrum der Betrachtung steht die Geschichte der bundesrepublikanischen Erlebnispädagogik in den Jahren 1951 bis 1986. Den Anfangspunkt dieses Zeitraums bildet die 1951 erfolgte Gründung der Deutschen Gesellschaft für Europäische Erziehung (DGfEE), die für Jahrzehnte zunächst die alleinige, später aber immer noch bedeutendste Trägergesellschaft institutionalisierter erlebnispädagogischer Arbeit, wie sie in Einrichtungen mit der Bezeichnung"Kurzschulen& uot; geschah, sein sollte. Als Endpunkt der Betrachtung wurde das Jahr 1986 gewählt, weil in diesem Jahr gesellschaftlich bedingte Veränderungsprozesse, die innerhalb der Kurzschulen und außerhalb in der Jugendarbeit stattfanden, ein Maß erreicht hatten, dass 1986 den Beginn der"Modernen Erlebnispädagogik" markiert. Das Buch wird veröffentlicht im Jahr 2021 und damit 70 Jahre nach Gründung der DGfEE. Von diesen sieben Jahrzehnten geschichtlicher Entwicklung der Erlebnispädagogik im deutschsprachigen Raum steht hier die erste, vielen hiesigen Erlebnispädagog(inn)en nicht, wenig oder gar verzerrt bekannte Hälfte im Zentrum der Betrachtung. Die greift hie und da über die Jahre 1951 - 1986 hinaus; selten auf die Zeit danach, oft aber, weil damit Verstehenszusammenhänge geschaffen werden, auf die Zeit davor. Die vorliegende historische Darstellung ist keine ideengeschichtliche, wie sie in der deutschsprachigen Literatur zur Hisorie der Erlebnispädagogik sowohl in der Eigengeschichtsschreibung als auch in jener von außen üblich ist; vielmehr folgt sie dem Grundmuster einer einer modernen zeitgeschichtlichen Forschung. Die Darstellung erfolgt zudem nicht streng chronologisch, auch wenn den vier relevanten Jahrzehnten von den 1950ern bis zu den 1980ern jeweils ein eigenes Kapitel gewidmet ist. Dazwischen aber befinden sich drei thematische Blöcke: einen zu Kurt Hahn, einen weiteren zu zwei für die Entwicklung der Erlebnispädagogik bedeutenden Figuren der bundesrepublikanischen Pädagogik, Hermann Nohl und Hellmut Becker und schließlich einen dritten, der zwei Frauen gewidemt ist, deren Bedeutung die deutschsprachige Erlebnispädagogik zu wenig oder gleich gar nicht kennt: Minna Specht und Marina Ewald.

Hans-Peter Heekerens, Jg. 1947 Prof. i.R. für Sozialarbeit/Sozialpädagogik und Pädagogik an der Hochschule München, Dr.theol., Dr.phil.habil., Dipl.-Psych.; Tätigkeitsschwerpunkte: psychosoziale Hilfen für Kinder, Jugendliche und deren Bezugspersonen, Personalentwicklung, Erlebnispädagogik; Forschungsschwerpunkte: Evaluations-, Familien- und Kinderarmutsforschung. Forschungen zur Geschichte der Erlebnispädagogik, Klinischen Sozialarbeit und Psychotherapie.

2 Von Weimar nach Bonn:
vier biographische Skizzen


„Von Weimar nach Bonn“ ist der Titel des 1970 erschienenen Buches von Golo Mann (1970), das den Untertitel „Fünfzig Jahre deutsche Republik“ trägt. Nun ja: „Fünfzig Jahre deutsche Republik“ könnte einem suggerieren, es sei in Deutschland in Sachen „Republik“ von 1920 bis 1970 nur einfach so vorangegangen. War aber nicht so. Da gab es doch dieses das anheimelnde Bild störende tausendjährige Jahrzwölft mit seinen dezidiert antirepublikanischen Merkmalen; manche nennen das vulgär „Nazi-Reich“. Was aber an der Mannschen Idee von „Weimar nach Bonn“ nach wie vor reizvoll ist: Vor dieser Hintergrundfolie können zur Erhellung geschichtlicher Entwicklungen paradigmatische Figuren auf die Bühne gebracht werden.

Man kann die für Deutschland und Europa relevanten Aspekte des 20. Jahrhunderts in vielfältiger Weise betrachten und von ihnen auf unterschiedliche Weise berichten. Eine Möglichkeit ist die der realen oder fiktiven Biographie. Wenn diese dann noch einer Person gilt, an deren persönlichem Geschick und Lebenslauf sich das Allgemeine einer Epoche sichtbar machen lässt, hat man schon die halbe Miete. Und deren zweite Hälfte, wenn man seinen Stoff noch in einer Weise wirkt, dass er der behandelten Thematik in methodischer Hinsicht kongenial ist. Als gelungenes Beispiel für eine solchen Verschränkung von Inhalt und Methodik (Hanimann, 2020; Plath, 2020) darf man Annette Webers (2020) „Annette, ein Heldinnenepos“ ansehen. Dafür gab es 2020 den Deutschen Buchpreis.

„Annette“ ist keine fiktive Figur. Mit und unter diesem Namen wird vielmehr einem breiten Publikum bekannt gemacht die 1924 in einfache Verhältnisse geborene und heute noch lebende Französin Annette Beaumanoir. Schon als 16-Jährige kämpft sie in der Résistance gegen die deutschen Besatzer. Sie rettet Jüdinnen und Juden vor der Deportation, wofür Israel in Yad Vashem ehrt, wird jedoch für diese Eigenmächtigkeit von der KP Frankreichs bestraft und wechselt zur gaullistischen Résistance. Nach dem Krieg heiratet Annette, studiert Medizin und bekommt drei Kinder, bevor sie als „Kofferträgerin“ Geld für den Befreiungskampf der Algerier durch Frankreich transportiert. Sie wird verraten und zu zehn Jahren Haft verurteilt, kann jedoch nach Nordafrika fliehen, gehört der ersten Regierung des unabhängigen Algeriens an, gerät nach dem Putsch gegen den Präsidenten Ben Bella 1965 abermals in Lebensgefahr und entkommt mit knapper Not. Danach arbeitet sie in einer Genfer Klinik, bis das Gerichtsurteil aufgehoben wird und sie nach Frankreich zurückkehren kann.

Nehmen wir als zweites Beispiel eines, von dem der „Ammersee Kurier“, unser Heimatblättchen. immer mal wieder berichtet. Die dort behandelte Frage lautet der Sache nach: Was hat der im Spätjahr 2020 getroffene Gemeinderats-Beschluss unseres Nachbardorfes Schondorf am Ammersee, mit der westpiemontesischen Gemeinde Boves eine Städtepartnerschaft einzugehen, zu tun mit einem gewissen Joachim (Jochen) Peiper? Der wurde 1915 in Berlin-Wilmersdorf geboren, wegen Kriegsverbrechen 1946 im Dachauer Malmedy-Prozess zum Tode verurteilt, als Häftling in Landsberg am Lech 1951 vom Hohen Kommissar John J. Mc-Cloy begnadigt und 1956 aus deutscher Haft entlassen. So weit so gut. Oder schlecht aus der Perspektive von Menschen, die meinen, Kriegsverbrecher sollten nicht unter „lebenslänglich“ davon kommen; aus Res