2
»Ist er das?«
Detective Sergeant Nathan Codys Blick folgt der Richtung von Detective Constable Megan Webleys ausgestrecktem Finger. Durch die schmutzige Windschutzscheibe sieht er eine Gestalt, die auf dem Bürgersteig auf sie zukommt, die Hände tief in den Taschen, den Kragen gegen die Kälte hochgeschlagen.
»Nein. Sieht ihm nicht mal ähnlich.«
Im Radio läuft Ed Sheeran. Cody klopft mit den Fingern den Takt aufs Lenkrad. Er richtet den Blick auf das Schaufenster neben dem Auto. Es strotzt vor knappen Dessous. Hätte er nur ein Stück weiter hinten geparkt.
»Was ist mit dem da?«, kommt von Webley.
Cody seufzt. »Nein. Sag mal, fragst du mich jetzt bei jedem Kerl, der vorbeikommt?«
»Falls ja, bist du schuld.«
»Wieso bin ich schuld?«
»Weil’s deine Idee war, oder? Außerdem hast du gesagt, er würde um Punkt fünf Uhr aufkreuzen, und wir haben schon drei Minuten nach.«
»Er kommt schon noch. Hab Geduld.«
Wie viel Geduld sie hat, demonstriert Webley, indem sie trotzig die Arme vor der Brust verschränkt.
»Mir ist kalt, ich bin müde, und ich hab Hunger. Ich hatte heute kein Mittagessen.«
»Damit stehst du nicht allein da. War eine ziemliche Hetze zum Gericht, was?«
»Du warst übrigens sehr gut. Vor Gericht.«
»Findest du?«
»Ja. Der Anwalt dort hat in dir seinen Meister gefunden. Ich konnte sehen, wie dem arroganten Trottel der Schweiß aus der Perücke gelaufen ist.« Sie deutet auf ihn und zieht die Augenbrauen hoch. »Mir ist aufgefallen, dass du zu dem Anlass eine neue Krawatte getragen hast.«
Lächelnd setzt sich Cody aufrechter hin und streicht die Krawatte glatt. »Stimmt. Gefällt sie dir?«
»Nein.«
»Oh.«
Nach einer kurzen Pause fragt sie: »Vermisst du manchmal die alten Zeiten?«
Cody spürt, wie sich ein Hitzeschwall anbahnt. Er ahnt, dass sie gleich die Zeit erwähnen wird, als sie ein Paar gewesen sind. Damals hatte sie noch ein Mitspracherecht dabei, welche Krawatten er getragen hat.
»Welche alten Zeiten?«
»Als du verdeckter Ermittler warst. Vermisst du das?«
Puh, denkt Cody. »Ja, manchmal schon. Aber die Arbeit jetzt ist auch gut.«
»Hast du je dran gedacht, zurückzuwechseln?«
»Wie kommst du darauf? Hast du die Schnauze voll von mir?«
»Nein. Nur so ein Gedanke. War ja immerhin mal ein wichtiger Teil deines Lebens.«
Er schüttelt den Kopf. »Nein, eher nicht. Ich springe zwar immer noch gern bei kleineren Einsätzen ein, aber ich glaub nicht, dass ich es wieder Vollzeit machen könnte.«
»Wegen dem, was passiert ist?«
Cody denkt sorgfältig nach, be