Lust zu Dritt
In jenem Winter waren mein Freund Bernhard und ich ausnahmsweise nicht zum Jahreswechsel in den Skiurlaub gefahren. Das Geld war knapp, und wir entschieden uns, in der Stadt zu bleiben. Wir wollten auch auf keine der großen, teuren Silvesterpartys, für die überall stark geworben wurde. Wir hatten ja eine Wohnung mit gigantischer Dachterrasse. Also beschlossen wir, am 31. einen gemütlichen Abend zu Hause mit vielen feinen Delikatessen zu beginnen und uns dann die Feuerwerke, mit Champagner in der Hand, von der Terrasse aus anzuschauen.
Da gab es nur eine Kleinigkeit. Bernhards bester Freund, Robert, hatte sich vor drei Wochen von seiner Freundin getrennt oder besser gesagt, sie von ihm. Sie hatte ihn wissen lassen, dass sie sich noch zu jung fühle und sich nicht schon so früh in ihrem Leben für immer binden wollten. Sie sagte Robert, dass sie noch so vieles ausprobieren möchte und sie ihn diesbezüglich als Klotz am Bein empfinden würde. Seitdem war Robert fast jeden zweiten Abend bei uns und trank ein bisschen mehr Bier als er sollte. Allerdings hatte er nie übernachtet, was eigentlich auch nicht nötig war, da er nur drei Straßen weiter wohnte. Bernhard und Robert waren Freunde seit der Studienzeit, die bei den beiden gar nicht so lange zurücklag.
Bernhard fühlte sich Robert gegenüber verpflichtet und da Robert ein ganz netter und gutaussehender Bursche war, hatte ich auch nichts gegen seine Anwesenheit. Viele der Winterabende verbrachten wir zu Dritt auf unserer riesengroßen Couch, unter eine Decke gekuschelt, vor dem Fernseher. Natürlich saß ich immer in der Mitte und das war wirklich ein angenehmes Gefühl. Quasi Geborgenheit hoch zwei. Etwa eine Woche vor Silvester, als Robert gerade gegangen war, fragte mich Bernhard, ob ich denn auch das Gefühl hätte, noch viel ausprobieren zu müssen. Er sagte es mit einem leicht ironischen Hündchenblick und tat so als würde er sich davor fürchten, dass ich ihn aus diesem Grund genauso verlassen würde, wie es bei Robert und seiner Ex-Freundin gekommen war. Ich wollte ihn ein wenig aufziehen und sagte mit weit aufgerissenen Augen:
“Na klar! Und zwar eine ganze Menge!” Bernhard fiel erst mal der Kiefer runter und nach einigem Starren und Schweigen wollte er gerade ansetzen etwas zu sagen, doch ich kam ihm zuvor: “Aber ..., aber alles nur mit dir!” Wir lachten beide herzlich, umarmten uns und schoben direkt im Wohnzimmer im Stehen einen Quicky. Als wir uns dann bettfertig machen wollten, fragte mich Bernhard noch mal:
“Was würdest du denn gerne mal ausprobieren?” Einen kurzen Moment lang dachte ich nach und sagte dann mit einem netten Lächeln: “Vielleicht mal einen Dreier.” Er hielt kurz inne und antwortete dann mit einem “Aha! Hast du denn ein bestimmtes Mädel im Sinne, mit der man so was mal versuchen könnte?” Nach einem Kichern antwortete ich ganz beiläufig:
“Ne, ne. Du hast da was missverstanden. Ich meine einen Dreier mit dir und noch einem Mann.” Nach einem weiteren “Aha” von Bernhard hatte sich das Thema für diesen Abend und die nächsten Tage erledigt. Wir gingen schnell zu Bett und knutschten noch mindestens eine halbe Stunde lang, bevor wir eng umschlungen einschliefen. Im ersten Moment habe ich mich geärgert, als mir Bernhard beichtete, er habe Robert für den Silvesterabend eingeladen. Eigentlich hatte ich mit einem tollen Abend in trauter Zweisamkeit erhofft, aber ich wollte auch nicht, dass wir uns deswegen streiten und beschloss, nichts zu sagen und mich damit abzufinden. Schließlich hatte ich Robert ja auch gern und Bernhard erzählte mir, dass Robert versprochen hatte mehrere Flaschen besten Champagner für den Abend mitzubringen.
Die Feinschmeckerin in mir hielt das für ein hervorragendes Argument. Am Tag vor Silvester gingen Bernhard und ich ausführlich Delikatessen shoppen, um sicherzu