: Tim Laatz, Dominik Maik, Jelle Christian Reinhard, Julian Muxfeldt
: Christian Boldt
: Hermann Kleemann - oder die Selbstwahrnehmung eines Mörders
: Books on Demand
: 9783755720362
: 1
: CHF 2.60
:
: Kulturgeschichte
: German
: 50
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Der in Dithmarschen geborene SS-Oberscharführer Hermann Kleemann (1915-1977) wurde ab 1941 im Konzentrationslager Auschwitz, zunächst im Block 11 (dem sogenannten"Todesblock&q ot;), und später als Lagerführer in den Außenlagern Janinagrube und Bismarckhütte eingesetzt. Dort mussten Häftlinge unter menschenunwürdigen Bedingungen Zwangsarbeit verrichten. In Aussagen beschrieb sich Kleemann selbst als Wohltäter, er habe Häftlinge stets anständig behandelt. Er war aber von Häftlingen gefürchtet. Sie haben ihn"Revolverking" genannt, da er immer schnell zu diesem gegriffen habe. Zuletzt war er in einem Außenlager des KZ Mittelbau-Dora in Woffleben als Lagerführer eingesetzt. Mit dem Vorrücken der Alliierten begann die SS die Lager aufzulösen und die Insassen auf Räumungstransporten mit Zügen oder zu Fuß auf Todesmärsche und -fahrten in andere Lager zu verbringen. Kleemann war bei der Evakuierung des KZ-Woffleben Transportführer. Bei einem Zwischenstopp am Bahnhof Glückstadt erschoss Kleemann einen Häftling.

Hermann Kleemann – oder die Selbstwahrnehmung eines Mörders


Tim Laatz, Dominik Maik, Jelle Christian Reinhard und Julian Muxfeldt

I Einleitung

Die Nationalsozialisten verübten Verbrechen gegen die Menschlichkeit in einem bis dahin unbekannten Ausmaß. Diese sind bis heute nicht vollständig aufgearbeitet und es ist fraglich, ob dies überhaupt möglich sein wird.

Der erste Versuch einer solchen Aufarbeitung wurde 1945 in Nürnberg getan, hier wurden Hauptkriegsverbrecher verurteilt und nationalsozialistische Organisationen als verbrecherisch erklärt.1 Eine der berüchtigtsten war dabei zweifelsohne die Schutzstaffel (SS) bzw. deren Teilorganisationen, der die Verwaltung und Bewachung der Konzentrationslager (KZs) oblag.2 In solchen war der SS-Oberscharführer Hermann Kleemann in verschiedensten Positionen tätig, wobei er sich bis zur Niederlage des NS-Staates unzähliger Verbrechen schuldig machte. Diese Niederlage markiert einen zentralen Umbruch innerhalb der deutschen Geschichte, der für viele der einstigen Täte