: Rainer Gross
: Der letzte Herbst Roman
: Books on Demand
: 9783755764625
: 1
: CHF 5.30
:
: Gegenwartsliteratur (ab 1945)
: German
: 220
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Es wird Herbst. Max Manesse, Teeverkäufer Anfang fünfzig, erlebt ihn diesmal intensiv. Unwillkürlich hält er Rückschau auf sein ereignis- und wendungsreiches Leben. Er geht im Park spazieren, hört Bach'sche Violinkonzerte, schwelgt in Erinnerungen und führt Gespräche mit seinen Freunden über Sex, Drogen und den Tod. Bei all dem hat er jedoch das Gefühl, als wäre es der letzte Herbst, den er erlebte ...

Rainer Gross, Jahrgang 1962, geboren in Reutlingen, studierte Philosophie, Literaturwissenschaft und Theologie. Heute lebt er mit seiner Frau als freier Schriftsteller wieder in seiner Heimatstadt. Bisher u.a. erschienen: Grafeneck (2007, Glauser-Debüt-Preis 2008); Weiße Nächte (2008); Kettenacker (2011); Kelterblut (2012); Die Welt meiner Schwestern (2014); Yûomo (2014); Haus der Stille (2014); Schrödingers Kätzchen (2015); Haut (2015); My sweet Lord (2016); Die sechzigste Ansicht des Berges Fuji (2017); In der fernen Stadt (2017); Räucherstäbchenjahre (2018); Der Teehändler (2019); Er sollte nicht ahnen (2019); Lebkuchenstadt (2020); Schatzkiste (2020); Ein Nachmittag am Bondi Beach (2020); Flieg zum Regenbogen (2020); Im Herz aller Dinge (2020); In La Coruna geht Picasso zu den jungen Stieren (2021); Neugeboren (2021); Skymning (2021); Winterherz (2021); Die Madonnen von Vernazza (2021).

2


Er arbeitete in einem Teefachgeschäft als Verkäufer. Vier Tage die Woche und Samstag, weil da am meisten los war.

Er mochte den kleinen, etwas schlampigen Laden, der voller Krimskrams war. Er mochte es, den Leuten Wünsche zu erfüllen und sie bei der Teeauswahl zu beraten.

Er trank seit Jahrzehnten Tee. Eine Ware, die er gern verkaufte. Er war freundlich zu den Kunden und selten genervt. Seine ruhige, nüchterne Art kam gut an.

Abends half er dem Chef, das Sperrgitter herunterzulassen, Kasse zu machen und den Teppichboden zu saugen. Es kam immer eine Menge Teestaub zusammen.

»Gutnacht, Max! Bis morgen.«

»Gutnacht, Charlie!«

Er hatte nicht weit nach Hause mit dem Fahrrad und pedalte mit funzelndem Licht durch die abendlichen Straßen.

Es wurde jetzt frisch abends. Tagsüber wärmte die Sonne noch ordentlich. Würde man gar nicht denken. Aber nach Sonnenuntergang wurde es rasch kühl.

Auch die Sonne ging jetzt früher unter als im Sommer. Es war Tagundnachtgleiche, das Äquinoktium. Wenn im Oktober die Uhr wieder umgestellt wurde auf wahre Zeit, dann würde es noch früher Abend werden.

Max war das lieber so. Er hasste die falsche Zeit im Sommer, w