: Uli Bendick, Christopher Ecker, Christian Endres, Kai Focke, Klaus N. Frick, Dominik Irtenkauf, Mich
: Hans Jürgen Kugler, René Moreau
: Macht und Wort Die Macht der Sprache - Sprache der Macht
: Hirnkost
: 9783949452215
: 1
: CHF 15.30
:
: Science Fiction
: German
: 352
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Orwells Neusprech ist längst in Politik und Wirtschaft angekommen. 'Alexa' hat für alles und jeden ein offenes Ohr. Satire darf alles - aber muss sie das auch? Wer das Wort führt, führt auch Menschen, übt Macht aus. Das Verhältnis von Sprache und Macht ist unabhängig voneinander nicht zu denken. Die Sprache bestimmt unser Denken, und gleichzeitig sind wir es, die unsere Sprache bestimmen. Das wirft Fragen auf. Wer hat in Zukunft das Sagen? Und mit welchen Mitteln werden sich diejenigen ausdrücken, die das Sagen haben - wenn 'alternative Fakten' als alternativlos erklärt werden? Welche Propaganda-Algorithmen werden uns zukünftig manipulieren? Und lässt sich künstliche Intelligenz überhaupt beherrschen? Macht die Macht uns am Ende sprachlos? Nach 'Der grüne Planet' und 'Pandemie' ist 'Macht und Wort' die dritte EXODUS-Anthologie, die im Hirnkost Verlag erscheint.

Seit 2020 geben der Autor und Journalist Hans Jürgen Kugler (*1957) und Herausgeber René Moreau (*1955) gemeinsam das Magazin EXODUS heraus. 'Macht& Wort' ist nach 'Der Grüne Planet' und 'Pandemie' die dritte Anthologie mit SF-Storys deutschsprachiger Autor:innen, die von ihnen zusammengestellt wird und im Hirnkost Verlag erschienen ist.

DIE FINGER VERBRENNEN, DEN GEIST ENTFACHEN


von Christian Endres


1.


Der Auftrag kam nicht per Mail, Message oder Anruf wie gewohnt aufs Tablet, sondern per Brief. Ja, ein Brief, kein Witz. Ganz altmodisch. Oder auch nicht: Auf Papier und von Hand geschrieben, das sehr wohl – aber außerdem um einen rauen Stein gewickelt, mit einem Stück Schnur befestigt und wie ein unförmiger Baseball durch ein Fenster meiner Wohnung im ersten Stock geworfen.

Als ich mit zwei Einkaufstüten bepackt in meine winzige Bude trat, die zugleich mein winziges Büro ist (vielleicht ist’s auch genau andersherum), erwarteten mich Schnur, Schreiben, Stein und Scherben auf meinem Schreibtisch.

Vorsichtig fegte ich die Glassplitter zur Seite, säbelte die Schnur mit einem Messer auf, wickelte das Blatt vom Stein und stellte überrascht fest, dass mit dem Brief fünf zerknitterte Geldscheine gekommen waren, die für zwei Monatsmieten reichen sollten.

Ich strich das Papier glatt. Die Nachricht war kurz und in sauberen Druckbuchstaben geschrieben, die sich leicht zur Seite neigten. Es war ungewohnt, etwas Handschriftliches zu lesen, ohne Hintergrundbeleuchtung, ohne Zoomen und Scrollen.

Finden Sie 9783949452192.

Wichtig: Ermittlung komplett offline.

Hälfte der Bezahlung vorab& anbei.

Tut uns leid wegen des Fensters.

Aber Scherben bringen Glück.

Suchen Sie uns, wenn Sie haben, was wir wollen.

Wir erwarten Sie.

Mein detektivisches Interesse war angesichts der Kontaktaufnahme und der Nachricht definitiv geweckt. Die Kohle tat ihr Übriges dazu, mich die Anfrage ernst nehmen zu lassen; selbst nach Austausch der Fensterscheibe würde