Dieser fünfte Band der Reihe„Entheogene und deren paranormalen Phänomene und Auswirkungen auf das Bewußtsein und Selbstverständnis“ soll die Geschichte der Psychonautik und der Verwendung von Psychedelika in Psychologie und Psychiatrie, speziell zur Behandlung von Abhängigkeitserkrankungen, vor dem Hintergrund christlicher Anthropologie, Hamartiologie, Dämonologie, Soteriologie (Lehre vom Erlösungswerk Christi) und Eschatologie (Lehre von den letzten Dingen) und die von STANISLAV GROF vernachlässigten kritischen Aspekte im Umgang mit den holotropen Erfahrungen, wie er dietranspersonalen Erfahrungen bezeichnet, beleuchten. Denn schon Dr. med. CHRISTAN SCHARFETTER, mit dem ich regen Briefwechsel führte, machte immer wieder mahnend darauf aufmerksam, daß solche von Grof heroisch angepriesenen transpersonalen Erfahrungen, wie sie auch nonpharmakologisch durch holotropes Atmen hervorgerufen werden können, nicht mitechter Spiriualität zu verwechseln sind. Echte Spiritualität jedoch kann der Suchtprävention dienen. Echte Spiritualität ist von Demut, Güte, Friedfertigkeit, Gelassenheit, Dienstbarkeit und selbstloser Liebe bestimmt (vgl. Matth.18), überschreitet die Mittelpunktständigkeit und die vermeintliche Wichtigkeit des Ego, ist deshalb transegohaft, unabhängig von einer unreifen Abhängigkeit durch Bewunderung durch andere, also ist sie transnarzisstisch und öffnet sich für das Überindividuelle, derUnio-Mystica, und ist damit transpersonal. Immer wieder plädieren Patienten für ein„Recht auf Rausch“ ohne dem diesem Verlangen zugrundeliegenden Impuls nachzuspüren, noch zu verstehen, daß Lustgewinn nur ichbezogen zum Verlustgewinn führt, zur Gier nach mehr, zum „Ausbrennen“. In meinen Vorträgen zur Psychoedukation zu und über das Suchtverhalten bestimmenden Faktoren kam es immer wieder mal zu Diskussionen darüber, wie sonst in misslichen Lebenslagen emotionaler Halt gefunden werden kann und ein Sinnvakuum wurde den Patienten bewußt, das sie anders vor ihrer stationären Rehabilitätion nicht haben füllen können als durch den Suchtmittelkonsum. Sie hatten noch nicht erkannt, daß die Grundmotivation die Grenzen ihres Ich-Erlebens zu durchbrechen in ihrer Wurzel eine religiöse bzw. spirituelle ist. Dies hat schon ANREW WEIL (1972) in seinem Buch„The Natural Mind“ klar herausgearbeitet.5 Auch K. KROLLPFEIFER (1995; S.37f.) sah eine enge Verbindung zwischen dem Grenzerfahrungsaspekt beim exzessiven Drogenkonsum und dem Suchtaspekt und griff einige Beispiele heraus, mit denen der Psychologe ABRAHAM MASLOW mögliche Elemente der Grenzerfahrung beschreibt: Aufhebung der Subjekt-Objekt-Grenzen, Ganzheitserfahrung, Zeitlosigkeit, Überwältigung, ein Gefühl von Todesnähe, Kontrollverlust/verringerte Abwehr und „Durchlässigkeit“.6 Dies sind Merkmale transpersonaler Erfahrungen, wie sie unter Einfluss von LSD-25 auftreten. Der US-amerikanische LSD-Proselyt AL HUBBARD versuchte in den 1960er Jahren in Nordamerika und Kanada bei der Behandlung von Alkoholikern, neurotisch Kranken und terminalen Krebspatienten in einem geschützten und inspirierenden Ambiente durch Vergabe von hohen Dosen von Psychedelika, vor allem LSD, religiös-mystische Erlebnisse induzieren, um dadurch therapeutische Persönlichkeitsveränderungen zu erzielen. Das Ehepaar JOAN HALIFAX und STANISLAV GROF verfassten darüber ein aufschlussreiches Buch und Stanislav Grof selbst wurde zum LSD-Therapeuten.7 Vor allem adoleszente Jugendliche sind an neuartigen und sie irritierenden Grenzerfahrungen interessiert, um die eigenen Grenzen und ihren sozialen Status kennenzulernen, vielleicht auch um diesen in ihrer Clique durch überstandene intensive emotionale Erlebnisse verbessern zu können, doch nicht allein aus hedonistischen Motiven heraus experimentieren sie mit Drogen, sondern aus einer unbewußten Sehnsucht nach Singularität oder anders gesagt, nach spiritueller Geborgenheit heraus. Wurde Anfang der 60er Jahre Psilocybin in den USA und später weltweit als Medikament in der Psychotherapie eingestetzt, bis es 1971 in das Betäubungsmittelgesetz aufgenommen wurde, erfährt die psychedelisch-assistierte Therapie gegenwärtig eine psychedelische Renaissance.8 In der OVID Praxis für Psychiatrie& Psychother