Penthousesitting
Magnus
„Verdammt, Vater! Musst du mich immer wieder an dieses beschissene Champagnerbad erinnern? Ich weiß, dass es bescheuert war. Aber du bist schließlich nicht reich geboren, sondern hast es dir hart erarbeitet. Das ist etwas ganz anderes.“ Die Party war schon seit mehr als zwei Stunden im Gange und mein Vater hatte aus dem Fünf-Minuten-Gespräch gefühlte hundertzwanzig gemacht. Nur um mir ellenlange Vorträge zu halten, wie ich mich in meinem Penthouse zu benehmen hatte. Wahrscheinlich hatte er nur Angst, wieder auf dem Titelblatt zu landen. Vater und Sohn im Badezimmer vereint. Champagner schlürfend. Mutter auf Bali gesichtet. Hat sie die Nase voll?
Bei dem Gedanken an eine solche Schlagzeile kam Schadenfreude auf, aber auch Sehnsucht nach meiner Mutter. Übel nahm ich ihr Fernbleiben nicht. Sie hatte beschlossen, zu leben und zu reisen. Während ihr Mann einen Pakt mit München und Freunden geschlossen hatte. Ergo – man hat sich auseinandergelebt.
„Magnus Claasen. So spricht man weder mit seinem Vater noch mit sonstjemandem. Leider kann ich dir nicht mehr für einige Wochen das Konto sperren. Wertschätzung würde dir guttun“, fauchte er wie ein Löwe mit Stil.
„Entschuldige. Aber das war zu einer Zeit, in der ich vollkommen überfordert war. In der Privatschule hatte ich keine Freunde. Alle waren nur hinter meinem Geld her. Das war und ist nicht einfach. Und dann die Mädchen …Wie finde ich nur die Richtige, wenn alle wissen, wer ich bin?“
Der ordentliche Mann Ende fünfzig, der mir mit seinem ergrauten Haar und seinem wohlgetrimmten Bart gegenüberstand, sich mein Vater nannte, aber mit seiner konservativen Aura in der Menge unterging, trat näher an mich heran. Jedoch nur so nah, dass er noch genügend Abstand einhielt. Das tat er immer. Mein Dad war stets freundlich, aber bestimmend. Ehrlich gesagt fehlte mir der herzliche Teil in ihm und dass er mich hier und dort mal in den Arm genommen hätte. Wenn ich in der Schule gemobbt wurde oder mir beim Klettern in den Alpen das Knie geschrammt hatte. Naserümpfend hatte er mir lediglich auf die Schultern geklopft. Jedes Mal. Und dann immer wieder den gleichen Satz gesagt. Würde er ihn auch heute sagen?
Die Hand auf meiner Schulter kündigte ihn an. „Das wird mein Junge. Das wird.“
Tief enttäuscht sah ich ihn an.
Unsere Blicke trafen sich, aber in seinem erkannte ich lediglich die übliche Kälte. Kein Verständnis. Mein Vater kannte mich nicht. Wusste nicht, was in mir vorging.
Es klopfte. Die Tür öffnete sich und zwei warmherzige Augen fixierten mich.
„Endlich. Onkel Maximilian. Da bist du ja“, jubelte ich und wandte mich von meinem Dad ab. Seine Hand rutschte mir von der Schulter.
„Komm her mein Junge. Magnus.“
Die Umarmung meines Onkels heilte die tiefe Wunde oberflächlich. Mehr nicht. Es waren Sekunden, die mir Auftrieb und Kraft gaben, die ich an Abenden wie heute dringend br