Die 12 Tugenden der Ganzheit
Vier wichtige Regeln für den Gebrauch dieses Buches:
- Es geht vielmehr darum, mit welcher inneren Haltung die Übungen und Fragen beantwortet werden als wie lange und angestrengt.
- Engagement bei den Meditationsübungen und Fragen entscheidet über den Erfolg.
- Die Ernsthaftigkeit beim praktischen Üben ist nicht wichtiger als die Lust(igkeit) dabei, jedoch sind beide entscheidend.
- Die Theorie ist wichtig, aber die Übungsteile sind wichtiger.
1. DIE TUGEND DER TAPFERKEIT
Immer wieder neu beginnen. Vorkämpfer sein. Das Feuer der Begeisterung in die Welt tragen. Seinen Überzeugungen folgen und sie durchsetzen, aber nie vergessen, dass letztlich Sein Wille geschieht.
Tapferkeit nannte schon Platon diese Tugend und stellte sie an die erste Stelle. Die Tugend der Tapferkeit erlaubt uns, unsere Themen zu konfrontieren, für uns und unsere Schutzbefohlenen mutig einzustehen, uns zu stellen und für unsere Überzeugungen gerade zu machen, für sie mit heißem Herzen zu kämpfen.Courage ist französisch für „wildes Herz“. Stellen wir uns die Liberté vor, mit der Trikolore in der Hand und entblößter Brust für die neue Freiheit der Revolution auf den Barrikaden, entsteht vor unserem inneren Auge ein gutes Bild dieser Tugend. Tatsächlich hat Delacroix mit der Liberté die Tugend der Tapferkeit gemalt. Unsterblich musste er sie nicht machen. Das war sie schon.
Wie mächtig dieser Archetyp ist, zeigten Gandhi und die Inder, als sie ihre Hemden öffneten und mit nackter Brust den schwer bewaffneten Engländern entgegentraten. Es mag auch an Uschi Obermaier deutlich werden, die 1968, in der ersten Reihe auf der Münchner Ludwigstraße demonstrierend, ihr T-Shirt auszog und dadurch zur Ikone der 68er-Bewegung wurde. Auch wenn sie keine Reden hielt und das Ganze schlussendlich mehr Rohrkrepierer als Revolution wurde, demSchattenprinzip zum Opfer fiel und heute den brutalsten Casino-Kapitalismus je verantwortet, die tapfere Uschi blieb die 68er-Ikone und bekam spät sogar noch ihren eigenen Film. Natürlich sind die Pussy-Riots in Russland tapferer, denn sie riskieren viel mehr, aber der Archetyp ist auf Uschis Seite – mit blanker Brust auf der Barrikade.
Tapferkeit ist die Tugend des 1. Lebensprinzips der Aggression, das den mythologischen Namen des antiken Kriegsgottes Ares-Mars trägt. Der Vorsokratiker Heraklit sagte: „Der Krieg ist der Vater aller Dinge.“ Natürlich braucht alles neben dem Vater auch eine Mutter, der wir im Entwicklungskreis auf der 4. Lebensbühne des Mondprinzips begegnen.
Zum 1. Archetyp gehören natürlich Mut, Zivilcourage, der Einsatz für eigene Werte und Zivilisation mit Entschieden- und Entschlossenheit und Konfrontationsbereitschaft. Auch Entscheidungen fällen gehört hierher, frei von Zweifel, sodass Mut manchmal wie Mangel an Phantasie erscheint. Entscheiden bedeutet, das Schwert aus der Scheide ziehen und losschlagen oder -legen. Das gezog