Kapitel 4
Moralische Vegetarier
Beginnen wir mit einem Apfel. Ein Lebensmittel, so gewaltfrei, dass es gegessen werden will, sagen die Fruktarier. Das sind Menschen, die versuchen, ausschließlich von Früchten zu leben oder bei dem Versuch sterben. Manche Pflanzen umgeben ihre Samen mit fleischiger Süße und umhüllen sie mit leuchtenden Farben, um Tiere dazu zu verführen, sie zu essen und somit die Samen in neue, potenziell fruchtbare Erde zu bringen. Tiere erledigen die Arbeit, die Pflanzen, angewurzelt an einen Punkt, nicht bewerkstelligen können: einen geeigneten Platz zu finden, wo ihre Nachkommen wachsen können.
Einen Apfel zu essen ist also in Ordnung für diese moralischsten unter den Vegetariern, weil kein Tod involviert ist. So sagen sie jedenfalls.
Das erste Problem ist, dass die Menschen die Samen nicht einpflanzen. Wir entsorgen sie. Ganz bewusst entfernen wir das Kerngehäuse mit den Samen und werfen sie dann weg – wobei »weg« in industrialisierten Ländern bedeutet: eingeschlossen in eine Plastiktüte, die in einer Müllhalde begraben wird. Oder Fabriken entsaften und zerkleinern die Früchte für uns, verwandeln sie in Saft oderMcPies und entsorgen die Schalen, die Pressrückstände und die Samen eben nicht mit einem schönen Dunghaufen in der offenen Landschaft.
Oder, wenn wir ökologisch besonders korrekt sind, werfen wir die Samen auf den Komposthaufen, wo Zeit, Hitze und Bakterien sie töten. Das Ziel jedes guten Kompostierens ist es nun einmal, alle versteckten Samen zu töten.
Nichts davon hatte der Baum im Sinn.
Der Baum offeriert die Süße nicht aus Nächstenliebe. Er bietet einen Handel an. Und obwohl wir eingeschlagen und genommen haben, halten wir unseren Teil des Deals nicht ein.
Das Argument [einen Apfel zu essen, sei okay] zeugt von krassem Anthropozentrismus, und es ist seltsam, dass es von Menschen kommt, die sich explizit für die Freihe