: Martin Lange, David Matusiewicz, Oliver Walle
: Martin Lange, David Matusiewicz, Oliver Walle
: Praxishandbuch Betriebliches Gesundheitsmanagement Grundlagen - Standards - Trends
: Haufe Verlag
: 9783648158814
: Haufe Fachbuch
: 1
: CHF 70.50
:
: Management
: German
: 636
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Alterung der Belegschaften, Fachkräftemangel, steigende mentale Anforderungen, Arbeitsverdichtung einerseits sowie digitale und individuelle Gesundheitskompetenz, personelle Ressourcen und Agilität andererseits sind nur einige der aktuellen Handlungsfelder des Betrieblichen Gesundheitsmanagement (BGM). Dieses Praxishandbuch erläutert die Grundlagen des BGM und verzahnt es mit neuen Denkansätzen einer unbeständigen und komplexen Arbeitswelt. Es geht auf so wichtige Bereiche wie Betriebliches Eingliederungsmanagement oder Arbeits- und Gesundheitsschutz ebenso ein wie auf Aspekte der Evaluation, Verfahren und Methoden der Datenerhebung. Das Buch schließt mit einem Blick in die Zukunft des BGM. Inhalte: - Gesundheitswissenschaftlichen Grundlagen: Gesundheit, Krankheit, Arbeitsfähigkeit, Gesundheitsverhalten und -kompetenz; Verständnis BGM - Strukturaufbau: BGM-Prozess, Bedarfsbestimmung, Institutionen und Akteure, Organisationsstruktur und -kultur - Prozesse: Maßnahmen der Betrieblichen Gesundheitsförderung sowie der Personal- und Organisationsentwicklung - Ergebnisse: Evaluation, Assessments, Verfahren und Methoden der Datenerhebung - Zukunftsthemen: Agilität, New Work, Homeoffice, Arbeit 4.0, Wertehaltung, Generationsmanagement und Resilienz Digitale Extras: - Befragungen - Checklisten - Handlungsempfehlungen - Best Practice-Beispiele

Martin Lange Martin Lange begleitet seit 2018 die Professur für Management im Gesundheitswesen an der IST-Hochschule für Management in Düsseldorf. Zu seinen Arbeitsschwerpunkten zählen Prävention, Betriebliches Gesundheitsmanagement, Qualitätsmanagement und Finanzierung von Gesundheitseinrichtungen. Er ist Vorstandsmitglied im Bundesverband Betriebliches Gesundheitsmanagement (BBGM) und LH-Beauftragter der Deutschen Gesellschaft für Qualität (DGQ). Vor seiner Berufung an die IST-Hochschule leitete er die Fortbildungsakademie der Wirtschaft in Chemnitz mit dem Tätigkeitsschwerpunkt der beruflichen Rehabilitation. Er war von 2016 bis 2019 Vizepräsident des Deutschen Verbands für Gesundheitssport und Sporttherapie (DVGS) e.V. und leitete zudem Arbeitsgruppe BGM des Verbandes sowie das European Center des International Instituts for Health Promotion (EC-IIHP). David Matusiewicz David Matusiewicz ist Professor für Medizinmanagement an der FOM Hochschule. Seit 2015 verantwortet er als Dekan den Hochschulbereich Gesundheit& Soziales und leitet als Direktor das Forschungsinstitut für Gesundheit& Soziales (ifgs). Darüber hinaus unterstützt er als Gründer bzw. Business Angel technologie-getriebene Start-ups im Gesundheitswesen.David Matusiewicz ist in verschiedenen Aufsichtsräten (Advisory Boards) sowie Investor von Unternehmen, die sich mit der digitalen Transformation des Gesundheitswesens beschäftigen. Oliver Walle Oliver Walle ist Dozent an der Deutschen Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement und an der BSA-Akademie, Dozent an der Technischen Universität Kaiserslautern, Geschäftsführer der Health 4 Business GmbH sowie Mitglied im Vorstand des Bundesverbandes BGM. Er ist Mitglied im wissenschaftlichen Beirat des Fachmagazins health@work, Mitglied in der Expertengruppe Top Brand Corporate Health, Fachautor im Betrieblichen Gesundheitsmanagement (u.a. für Haufe Personal, BGM und Arbeitsschutz) sowie Autor von Studien- und Lehrbriefen.

1Theoretische Rahmenkonzepte im Kontext Gesundheit und Krankheit


Anja Liebrich

In diesem Kapitel geht es um das Verständnis der für dieses Buch zentralen Begriffe Gesundheit, Krankheit und Arbeitsfähigkeit. Ein kurzer Einblick in die Konzepte der Salutogenese und des finnischen Arbeitsfähigkeitskonzeptes verdeutlichen die Kerngedanken eines Betrieblichen Gesundheitsmanagements.

1.1Vorbemerkung


kein einheitliches Begriffsverständnis

Im Mittelpunkt des Betrieblichen Gesundheitsmanagements steht die Unterstützung und systematische Förderung der Gesundheit und Arbeitsfähigkeit von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Diese sollen so lange und gesund wie möglich, bestenfalls mit Freude und Motivation die Tätigkeiten, die ihre Arbeit mit sich bringt, ausführen können. Dies scheint unumstritten. Allerdings existiert bis heute keine allgemein verbindliche Definition des Begriffs »Gesundheit« und so zeigt es sich, dass das Verständnis von »Gesundheit«, »Krankheit« und »Arbeitsfähigkeit« recht unterschiedlich sein kann. Vor allem in der Praxis sind diese Begriffe nicht klar umrissen. Häufig werden Fehlzeiten als Indikator für fehlende Gesundheit interpretiert und als Kennzahl zur Steuerung genutzt. Weitere Ansatzpunkte und hilfreiche Steuerungsgrößen, vor allem im Hinblick auf ein positives Verständnis des Begriffs Gesundheit, sind wenig verbreitet und bleiben eher diffus. Dies führt zu unterschiedlichen Interpretationen, aus denen unterschiedliche Ansatzpunkte, Prozesse und Interventionen im Rahmen des Betrieblichen Gesundheitsmanagements resultieren.

Die Auseinandersetzung mit den unterschiedlichen Konzeptionen lässt es jedoch zu, grundlegende Aspekte herauszuarbeiten, die die Basis für das aktuelle Verständnis von »Gesundheit« und »Krankheit« bilden (vgl. hierzu auch Ulich& Wülser, 2018, S. 33). Diese werden im Folgenden näher betrachtet.

1.2Gesundheit und Krankheit – ein kurzer Blick auf sich wandelnde Konzepte


Gesundheitskonzeptionen unterliegen normativen Vorstellungen

Der im Mittelpunkt dieses Bandes stehenden Begriffe der Gesundheit – und damit auch des scheinbaren Gegenpols »Krankheit« – ist vielschichtig. Auch wenn beides meist als »zum Leben dazugehörend« verstanden wird, zeigen sich Unterschiede im Verständnis. Dies drückt sich in Meinungen und Überzeugungen darüber aus, was nun genau »gesund bzw. krank sein« bedeutet, wann es möglich ist, tägliche Dinge zu verrichten, wann man arbeitsfähig ist und wann das Bett gehütet werden muss. Es sind die Ergebnisse von gesellschaftlichen Diskursen, medizinischem Wissen, politischen Positionen, sozialen Strukturen und ökonomischen Bedingungen, die sich in diesen normativen Vorstellungen manifestieren, die sie prägen und beeinflussen (Klotter, 1999).

Um die unterschiedlichen Sichtweisen und Ansatzpunkte im betrieblichen Geschehen besser zu verstehen, ist ein kurzer Blick in unterschiedliche Ansätze der Gesundheitskonzeption hilfreich. Denn aus den unterschiedlichen Blickrichtungen von Gesundheit und Krankheit resultieren unterschiedliche Ansatzpunkte für Prävention und Gesundheitsförderung in der Praxis (Klotter, 1999). Diese wiederum führen zu unterschiedlichen Herangehensweisen und Imple