1. Kapitel
Niamhs Fuß rutschte an der Hauswand ab. Schmerzen durchzuckten ihre Arme, während sie sich verzweifelt an die Unterkante des Fensters klammerte. Einen Sturz aus zweieinhalb Stockwerken würde sie vielleicht überleben, aber wenn sie das Bewusstsein verlor, würde man sie finden.
Dann wäre alles vorbei.
Ihre Arme begannen unter der Belastung zu zittern und ihre Finger gruben sich noch tiefer in die Ritze zwischen den rauen Steinziegeln des Herrenhauses. Angespannt tastete sie mit ihren Füßen nach Halt.
»Du könntest deine Kräfte einsetzen«, sagte eine schneidende Stimme und Niamhs Hände wären vor Schreck beinahe auch noch abgerutscht. Móra musste vorausgeklettert sein. Die Katzendämonin saß bereits auf dem Sims über ihr.
So einfach würde Niamh es ihr jedoch nicht machen. Ihre Seele war mehr wert als das und die Katzendämonin würde sie heute sicher nicht bekommen. Sie würde es aus eigener Kraft schaffen.
Nur hätte sie vielleicht doch nicht auf Schuhe verzichten sollen. Nachdem beim letzten Mal jemand ihre Schritte gehört hatte, wollte sie dieses Mal sichergehen, dass nichts sie verriet. Ihre Socken waren allerdings rutschiger, als sie angenommen hatte.
Endlich fanden ihre Zehen den Spalt, an dem sie zuvor abgerutscht war und sie grub sie, so fest sie konnte, in den Stein. Dann schloss sie für einen Moment ihre Augen, atmete tief durch und zählte innerlich bis zehn. Auf Gälisch, wie ihre Mutter es ihr beigebracht hatte.
Das war knapp.
Erneut streckte Niamh ihre Hand nach dem Fenstersims aus, den sie zuvor erreichen wollte und stieß sich diesmal mit beiden Füßen ab. Kleine Steine lösten sich