: Heinz-E. Klockhaus
: Vom Kontentrog zum Sportcoupé
: Books on Demand
: 9783755702344
: 1
: CHF 7.90
:
: Gegenwartsliteratur (ab 1945)
: German
: 392
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
"Vom Kontentrog zum Sportcoupé" ist das 17. Buch des vielseitigen Autors Heinz-E. Klockhaus. Es basiert auf einer wahren Begebenheit in den 1960er Jahren und schildert die große Liebe und Protektionskarriere eines jungen Buchhalters, die ein frühes und tragisches Ende nehmen.

Heinz-E. Klockhaus ist Schriftsteller und Textdichter. Er schrieb über 3.000 Liedertexte, Gedichte, Kurzgeschichten, Bühnenstücke und Bücher."Der Mann passt in keine Schublade", schrieb ein Reporter über ihn. Betriebswirtschaftliche Fachbücher, BWL und Buchführung für Ahnungslose, Kindergeschichten und Romane sowie 3 Bände mit Gedichten und Kurzgeschichten sind Themen und Bereiche der von Klockhaus inzwischen verfassten 17 Bücher. und bestätigen diese Aussage über einen Autor, der immer wieder seine Leser überrascht.

Minzberg und Bolz sahen ihn überrascht an. „Mal sehen“, sagte Minzberg sichtlich verlegen und steuerte auf sein Büro zu, ohne eine weitere Erklärung abzugeben. Auch Gerhard Bolz zog es vor, das Thema im Beisein von Schlaffauer nicht weiter zu erörtern und verschwand ebenfalls in seinem Büro. Kurze Zeit später stand Albert Schlaffauer im Büro von Ferdinand Kuppmann.

„Wissen Sie, wo Herr Windbecher ist?“ fragte er den Buchhaltungschef.

„Windbecher ist krank“, sagte Kuppmann. „Ich habe es mir gedacht. Hier ereignen sich Dinge, Herr Kuppmann, - einfach skandalös.“ „Wie meinen Sie das?“ fragte Kuppmann interessiert. „Ich will keinem Kollegen in den Rücken fallen“, fuhr Schlaffauer fort, „soweit kennen Sie mich hoffentlich, Herr Kuppmann. Ich habe nie etwas von dem erzählt, was sich ohne Ihr Wissen in der Abteilung abspielt. Ich kann nur sagen, der gute Ruf unserer Abteilung ist gefährdet.“ „So reden Sie schon!“ sagte Kuppmann ungeduldig. „Wie gesagt, mir soll niemand nachsagen, dass ich einem Kollegen in den Rücken falle, aber es geht um den Ruf der Abteilung.“

„Dann ist es Ihre Pflicht, es mir zu erzählen“, sagte Kuppmann. „Sie können es von mir verlangen, Herr Kuppmann. Nur möchte ich nicht, dass der Eindruck entsteht, als wollte ich einen Kollegen hereinreißen. Das liegt mir fern, das müssen Sie mir glauben.“ „Selbstverständlich“, sagte Kuppmann, „außerdem bleibt die Sache unter uns. - Worum handelt es sich also?“ „Ich bin zufällig Zeuge eines Gespräches geworden, rein zufällig, Herr Kuppmann. Angeblich, wenn ich recht verstanden habe. Ist Windbecher gar nicht krank.

Angeblich hat er den Dienst verlassen, weil er betrunken war.“

Kuppmann schlug mit der flachen Hand auf seinen Schreibtisch. „Das ist ja eine bodenlose Sauerei“, sagte er aufgebracht, „mir schien es gleich nicht ganz geheuer, dass Minzberg ihn nicht zu mir geschickt hat. - Na wartet, darüber ist das letzte Wort noch nicht gesprochen.“ „Vielleicht hätte ich es Ihnen doch nicht erzählen sollen“, sagte Schlaffauer scheinheilig. „Natürlich mussten Sie mir das erzählen. Wer die Arbeit leid ist, besäuft sich und geht nach Hause. Wo kommen wir denn hin, wenn so etwas hier erst einmal einreißt!? Wir sind sowieso viel zu human. Zu meiner Zeit war so etwas gar nicht denkbar. Das wäre ein fristloser Entlassungsgrund gewesen.“ „Ganz bestimmt“, pflichtete Schlaffauer seinem Chef bei. „Ich verstehe nicht, wie Minzberg so etwas unterstützen konnte.“

„Vielleicht hatte er Mitleid“, bemerkte Schlaffauer. „Mitleid?“ sagte Kuppmann empört, „wie kann man mit einem Mitleid haben, weil er sich im Dienst besäuft?“ „Ich bin voll und ganz Ihrer Ansicht, Herr Kuppmann“, sagte Schlaffauer ergeben, „ich dachte nur, weil Windbecher Liebeskummer hat.“ „Das ist kein Grund zum saufen“, sagte Kuppmann, „und schon gar nicht während der Dienstzeit. Aber lassen wir das. Ich bin jedenfalls froh, dass Sie mir den Vorfall erzählt haben.“

„Ich hielt es für meine Pflicht“, beteuerte Schlaffauer noch einmal.

„Schon richtig“, sagte Kuppmann und nickte. Damit war das Gespräch beendet. Albert Schlaffauer verließ mit einem ruhigen Gewissen das Büro seines Chefs. Zu gern hätte er noch nebenbei erwähnt, dass Fräulein Kleiß in die Sache indirekt verwickelt war und dass der Kollege Bolz sie einer nicht ganz einwandfreien Moral bezichtigt hatte.

Alleine deswegen hatte Schlaffauer den Liebeskummer des Kollegen Windbecher erwähnt, um so im Gespräch den Übergang zu finden.

Leider war Kuppmann auf dieses Thema nicht näher eingegangen, so dass Schlaffauer nicht mehr dazu kam, auch diese Neuigkeit noch an den Mann zu bringen. Schließlich tröstete sich Schlaffauer mit dem Gedanken, dass sich dazu vielleicht noch einmal eine passende Gelegenheit bieten würde. Auf keinen Fall wollte er einen Kollegen beim Chef schlecht machen. Dass er die Sache mit Windbecher erzählt hatte, war nicht mehr und nicht weniger als seine Pflicht, das hatte Kuppmann selbst gesagt. Sicherlich würde sich der Chef für diesen Hinweis einmal erkenntlich zeigen, dachte er. Der Gedanke an eine wohlverdiente Gehaltsaufbesserung stimmte Albert Schlaffauer froh.

Zufrieden vor sich hin pfeifend schritt er den langen Flur entlang auf sein Büro zu. Indessen hatte Ferdinand Kuppmann seinen Stellvertreter zu sich gebeten. „Warum haben Sie Windbecher nach Hause geschickt?“ fragte Kuppmann energisch. „Ich sagte Ihnen doch bereits“, begann Minzberg. Kuppmann fiel ihm ins Wort: „Erzählen Sie mir nichts von einer Magenverstimmung. Er war betrunken, stimmt das?“ „Hat Ihnen das Schlaffauer erzählt?“ fragte Minzberg überrascht zurück. „Das steht nicht zur Debatte, ich erwarte von Ihnen eine Antwort. Haben Sie gewusst, dass Windbecher betrunken war?“ schrie Kuppmann seinen Stellvertreter an. „Mag sein“, sagte Minzberg ausweichend, „jedenfalls klagte er über Magenbeschwerden.“ „Versuchen Sie doch nicht, sich mit so einem Geschwätz aus der Sache herauszureden, Minzberg, oder halten Sie mich für so dumm?“ „Nein, - natürlich nicht“, entgegnete Minzberg. „Ich werde den Vorfall zur Direktion melden, hoffentlich ist Ihnen das klar. Sie können jetzt gehen.“ „Ich bitte Sie“, wollte Hans Minzberg einlenken. „Sie können gehen!“ wiederholte Kuppmann mit gehobener Lautstärke, „ich bin kein Hampelmann, merken Sie sich das!“ Hans Minzberg nahm zur Kenntnis, dass sein Vorgesetzter kein Hampelmann ist und verließ mit einem unwohlen Gefühl in der Magengegend das Büro von Ferdinand Kuppmann. Hätte er sich doch nur nicht in den Kopf gesetzt, dem Kollegen Windbecher aus der Klemme zu helfen. Jetzt hatte er es auszubaden. Direktion! Wer weiß, welche Folgen das noch nach sich zieht. Verfluchte Sauferei, dieser Hornochse von Windbecher, - Schlaffauer, der alte Anscheißer, ging es Hans Minzberg durch den Kopf. Bolz hatte recht, dieser Schlaffauer ist eine Bazille. Musste Kuppmann sich das überhaupt alles anhören, was dieser Schleimkopp ihm brühwarm erzählt? Er ist kein Hampelmann, verdammter Mist. „Er ist kein Hampelmann.“

Am nächsten Morgen hatte sich Ferdinand Kuppmann bereits einen genauen Schlachtplan zurechtgelegt.

Pünktlich auf die Minute kam er bei Dienstbeginn den langen Flur entlang. Sichtlich zufrieden sog er an seiner obligatorischen Morgenzigarre, als er in seinem Büro verschwand. Hier erwartete ihn jedoch eine Überraschung, die seine Pläne mit einem Schlage zunichtemachte. Anton Windbecher stand mit dem Rücken an Kuppmanns Schreibtisch gelehnt und grüßte den hereinkommenden Chef mit einer leichten Verbeugung.

„Guten Morgen, Herr Kuppmann. Ich möchte Sie gern sprechen.“ „Guten Morgen“, erwiderte Kuppmann den Gruß, ohne dabei seine Zigarre aus dem Mund zu nehmen. „Ich war gestern betrunken“, sagte Windbecher ohne Umschweife, „und bin deswegen nach Hause gegangen.“ Ferdinand Kuppmann machte ein unbeschreibliches Gesicht. „Sie waren betrunken?“ fragte er, als wäre er nie auf diese Möglichkeit gekommen. „Ja“, sagte Anton Windbecher, „ich hatte privaten Ärger, - aber das ist natürlich keine Entschuldigung.“

„Natürlich nicht“, sagte Kuppmann, der immer noch ein wenig aus der Fassung war. „Ich habe Herrn Minzberg gesagt, dass ich eine Magenverstimmung habe und ihn gebeten, nach Hause gehen zu dürfen. Herr Minzberg hat von der Sache nichts gewusst. Ich wollte Ihnen das nur sagen, damit Sie nicht annehmen, dass Herr Minzberg mich schützen wollte.“ „Sie glauben doch nicht im Ernst, dass ich Ihnen das abnehme!? Warum sind Sie dann nicht schon gestern zu mir gekommen?“ „Weil ich befürchtete“, sagte Windbecher glaubwürdig, „dass es unnötigen Ärger gegeben hätte. Im besoffenen Kopf ist man oft zu hitzig, das wollte ich damit vermeiden.“ „Und wie erklären Sie es sich, dass Minzberg Ihnen den besoffenen Kopf nicht anmerkte?“ forschte Kuppmann weiter. „Herr Minzberg hat mich gar nicht gesehen“, log Windbecher, „ich habe ihn telefonisch gebeten, gehen zu dürfen, da konnte er mir wohl kaum anmerken, dass ich getrunken hatte.“

Kuppmann gab sich insofern geschlagen, dass Minzberg doch wohl geglaubt haben musste, dass Windbecher wegen einer Magenverstimmung den Dienst verlassen hatte. Damit ruhte also die ganze Schuld auf Windbecher, der somit auch alleine für den verdienten Tadel herangezogen werden konnte.

„Sie verstehen sicher, dass ich der Direktion Meldung machen muss“, sagte Kuppmann. „Ich verstehe es zwar nicht“, sagte Windbecher unbeeindruckt, „aber das ist ja Ihrer Entscheidung freigestellt.“ Diese gleichgültige Reaktion auf die Drohung war genau die Art, die Kuppmann...