: Uticha Marmon, Wiebke Rhodius, Lena Havek, Gloria Jasionowski
: Durch Pfützen flitzen, bis sie spritzen Eine Sommergeschichte | ab 10 Jahre
: Planet! in der Thienemann-Esslinger Verlag GmbH
: 9783522654968
: 1
: CHF 7.10
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: Kinderbücher bis 11 Jahre
: German
: 192
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Von drei Autorinnen im Wechsel erzählt: Diese Sommerferien-Geschichte ist mit allen Wassern gewaschen! Die Sommerferien sind da! Die letzten vor dem Wechsel an die weiterführende Schule. Die gehörlose Lulu möchte endlich wegfahren, statt immer nur im Familien-Kiosk am See zu arbeiten. Pablo würde lieber bei seinen Fischen bleiben, als die Ferien bei seiner Mutter und deren blöden Stiefsohn zu verbringen. Und Torben versucht seiner Mutter als weltbester Hundesitter zu beweisen, dass er die 5. Klasse nicht 'freiwillig' wiederholen muss, weil er nicht ehrgeizig genug ist - womit er als Bonus bestimmt auch Lulu schwer beeindrucken kann. Aber als Torbens Mutter eine Seniorenresidenz am See bauen lässt und dort auch noch eine geheimnisvolle neue Alge auftaucht, die das Schwimmen unmöglich macht, droht der ganze Sommer ins Wasser zu fallen! Das können die drei nicht zulassen: Ein Plan muss her, um den Badesee und den Kiosk zu retten - und zwar schnell! Ein lustiges Kinderbuch ab 10 Jahren, das ganz nebenbei Mut für den Schulwechsel macht und Inklusion fördert - das perfekte Geschenk zum Schulanfang!

Uticha Marmon, geboren 1979, studierte Dramaturgie, Literaturwissenschaft und Pädagogik in Mainz, Wien und München. Sie arbeitete als Theater-Dramaturgin und war einige Jahre als Lektorin und Regisseurin bei einem großen Hörbuchverlag tätig, ehe sie sich selbstständig machte. Seitdem schreibt sie Kinderbücher, produziert als Dramaturgin und Regisseurin Hörbücher und Hörspiele und engagiert sich in der Lese- und Zuhörförderung. 2022 wurde sie mit dem Kirsten-Boie-Preis für Kinderliteratur ausgezeichnet. Wiebke Rhodius wurde im Februar 1980 in München geboren und ist im Rheinland aufgewachsen. Schon als kleines Mädchen füllte sie ganze Hefte mit ihren selbst erfundenen Geschichten. Sie hat dann aber erst einmal Jura studiert und als Rechtsanwältin gearbeitet. Nach der Geburt ihrer beiden Söhne hat sie sich endlich ihren Traum erfüllt und das Schreiben für sich wiederentdeckt. Was es heißt, die Mutter zweier Jungs zu sein, hat sie bereits in ihrem Buch 'Meine wilden Kerle: Aus dem Leben einer Jungsmama' geschildert. Heute lebt die Autorin mit ihrer Familie in der Nähe von München und verfasst Bücher für Kinder und Jugendliche. Lena Havek hat Literaturwissenschaften studiert und fand Kinder immer total blöd. Irgendwann hat sich das schlagartig geändert - jetzt hat sie ganze vier Stück davon. Drei Söhne und eine Tochter. Und weil sie mit denen tagsüber die wildesten Geschichten erlebt, schreibt sie die nachts einfach auf. Nur gaaanz leicht verändert. Ehrenwort!

AUF DEN HUND GEKOMMEN


Die Haustür fällt ins Schloss. Dann klackert es im Flur und über den Wohnzimmerboden bis in die offene Küche: peng-peng-peng, wie Schüsse. Jemand, der überraschenderweise schon vor achtzehn Uhr von der Arbeit gekommen ist und zehn Zentimeter hohe Designerschuhe trägt. Mama.

Das Klackern hört auf. Mama ist vor dem Küchentisch stehen geblieben und hat das darauf liegende Jahreszeugnis entdeckt. Es raschelt: Sie hat es aufgehoben und guckt wahrscheinlich in diesem Moment auf die Noten. Torben, der sich im Hängesessel um die eigene Achse dreht und sich Mühe gibt, möglichst tiefenentspannt zu wirken, zählt die Sekunden nach dem Rascheln. Eins, zwei, drei … Die Noten sind leider etwas höher. Vier, fünf, sechs …

»Torben! Das geht so nicht! Torben? Toooor-ben!!«

Whoaa. Ist ja gut. Der Hängesessel stoppt. Torben kneift sich auf beiden Seiten kräftig in die Wangen, bevor er aufsteht und lässig hinüberschlurft. Wenn man sich in die Wangen kneift, werden sie ein bisschen rot. Rote Wangen sehen gesund aus. Nach draußen spielen, Fußball, Park und all diesen Dingen mit frischer Luft. Alle Mütter mögen Kinder mit roten Wagen. Außerdem macht es das Gesicht locker. So fällt das entschuldigende Lächeln gleich viel leichter.

»Hi, Mum. Schicke Schuhe«, gratuliert er ihr und stoppt mit seinen Badelatschenfüßen direkt neben ihren spitzen Lackpumps. »Also, ich würde mich ja niemals in so was reinquetschen.Ich verbringe die nächsten sechs Wochen komplett in Badelatschen. Und wenn wir schon beim Thema sind: Meine alten sind mir zu klein. Guck mal, vorne hängen schon die Zehen raus!«

Er wackelt demonstrativ mit den überstehenden Zehen, aber seine Mutter schaut gar nicht hin.

»Wenn du in diesen Sommerferien eins garantiertnicht tun wirst, dann ist das sinnloses Herumlungern am Baggersee«, macht sie seinen Ferien-Träumen einen Strich durch die Rechnung. Anklagend deutet sie auf das Zeugnis. »Oder willst du behaupten, dass das nicht besser gegangen wäre?«

Torben schüttelt stumm den Kopf. Sicher wäre das besser gegangen, möchte er sich verteidigen. Aber du warst ja nie für mich da, wenn ich Fragen hatte. Für mich war es schließlich das erste Jahr auf dem Gymnasium. Leider hattest du trotzdem nie Zeit, um mir nach der Schule einen Kakao zu machen oder mir bei den Hausaufgaben zu helfen.

Aber er verkneift sich diese Sätze, so wie er sie sich schon das ganze letzte Jahr verkniffen hat, weil Mamas Arbeit vorgeht und sie sonst noch mehr gestresst wäre als sowieso schon.

Stattdessen sagt er: »Jetzt sind doch erst mal Ferien, Mama, chill mal. Ich weiß ja, dass du dir wieder nicht freinehmen kannst, um mit mir zu lernen. Ist schon okay. Aber versprochen: Ich werde am See ein paar Mathe-Übungsblätter machen.«

Agnes Schmidtke greift sich an die Stirn. Wenn das Schauspielerinnen im Film machen, erzählen sie was von Migräne. Nicht so Torbens Mama.

»Ich glaube, du hast mich immer noch nicht ganz verstanden, mein Sohn. Wenn man etwas macht, dann macht man es richtig. Deshalb wirst du die fünfte Klasse freiwillig wiederholen«, sagt sie kühl. »Ich habe das mit deiner Direktorin schon alles geregelt, und sie ist ganz meiner Meinung. Du bist weit unter deinen Möglichkeiten geblieben, Torben.«

Die folgende Erklärung hört Torben nur noch mit halbem Ohr. Altes Klassenzimmer, vertraute Schulmaterialien, aber andere Lehrkräfte, andere Mitschüler, Chance, Neustart. Es rauscht so durch.

Torben streift die Badelatschen ab und schleicht zurück in seinen Hängesessel, doch Mama lässt ihre Peng-Peng-Pumps an. Während sie von Verantwortung für den eigenen Lebensweg und Sich-selbst-am-Kragen-packen redet, donnert sie sich weiter auf. Parfüm, Haarspray, Lidschatten und so. Torben findet nicht, dass ihr die knallrote Jacke mit den spitzen Schultern steht. Auch nicht die dicke Perlenkette oder die dreieckigen Glitzer-Ohrringe. Das alles gehört doch eher zu einer bösen Hexe in einem Disney-Film und nicht zu einer Mama, die beim Spiegeleierbraten gerne Rocksongs vor sich hin singt und den ganzen Sonntag im Flausch-Anzug mit ihm auf dem Sofa sitzt und zockt. Seiner Mama. Auf die ist er schon stolz, auch wenn er ihr das niemals, garantiert nicht sagen würde. Sie selbst ist nämlich schon ganz allein äußerst stolz auf sich, mehr als genug.

»Dies ist eine erfolgreiche Kleinfamilie mit einer finanziell unabhängigen Alleinverdienerin«, sagt sie gern. »Statistisch betrachtet gibt es uns gar nicht. Witzig, oder? Das ist Mathematik, mein Sohn!«

Mathematik, alles klar. Für sie vielleicht!

Ausgerechnet wegen Mathematik darf er die Klasse wiederholen. Zusammen mit all diesen … diesen Babys, die gerade frisch aus der Grundschule kommen.

Agnes Schmidtke guckt auf die Uhr.

»Ich habe gleich noch einen Termin. Spatenstich bei meinem neuen Großprojekt. Da wäre es ganz hilfreich,