: Dina El-Nawab
: Zusammen stirbt man weniger allein Kriminalroman
: Goldmann Verlag
: 9783641261962
: 1
: CHF 5.40
:
: Krimis, Thriller, Spionage
: German
: 480
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Souveräner Personenschützer trifft auf temperamentvolle Anwältin – schon fliegen die Fetzen, Fäuste und Funken ...

Als Anwältin Lizzi nach einem langen Tag ihr Kostüm gegen einen Bademantel tauscht, steht plötzlich ein Einbrecher in ihrem Badezimmer. Lizzi wehrt sich entschlossen, doch der Eindringling behauptet, er sei Erik, ein Personenschützer und von ihrem Vater engagiert, um auf sie aufzupassen. So eine Frechheit! Die forsche Lizzi glaubt dem zugegeben gut aussehenden Erik zunächst kein Wort. Doch ihr Vater ist verschwunden, seine Sekretärin tot, und Lizzi entgeht dank ihrem neuen Beschützer nur knapp zwei Profikillern. Zusammen mit Erik begibt sich Lizzi auf die Suche nach ihrem Vater bis nach England, die Verfolger immer dicht auf den Fersen …

Dina El-Nawab betreute als TV-Redakteurin Erfolgsserien wie »Der Fahnder«. Heute arbeitet sie als freie Drehbuch-, Krimi- und Kinderbuchautorin u. a. für »Großstadtrevier«, »Morden im Norden« und »Notruf Hafenkante«. »Zusammen stirbt man weniger allein« ist ihr erster gemeinsamer Roman mit Krimi- und Drehbuchautor Markus Stromiedel.

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»Sind Sie eigentlich gerne Anwältin, Frau Bergmann?«

Die Frage ihres Chefs irritierte Lizzi mehr als die Tatsache, dass er sie nach der Besprechung in sein Büro zitiert hatte. Denn ihr war durchaus bewusst, dass er aufgebracht war, weil sie gegenüber ihrer Mandantin mal wieder eine zu große Klappe riskiert hatte, obwohl Möcklenberg stets predigte, dass der Kunde König sei – oder, wie in diesem Fall, Königin. Lizzi hatte sich den Wunsch ihres Chefs wirklich zu Herzen genommen, sie hatte den Satz sogar mit einem Filzschreiber auf eine Karteikarte geschrieben und in ihrer Handtasche neben dem Kosmetikspiegel verstaut, um ihn nicht zu vergessen. Doch während der Besprechung im Konferenzraum der altehrwürdigen Kanzlei hatte sich ihre Zunge wieder einmal selbstständig gemacht.

Lizzi lächelte breit. »Ist das eine Fangfrage, Herr Möcklenberg?«

»Bitte«, seufzte Möcklenberg, »tun Sie mir den Gefallen und antworten Sie mir ausnahmsweise ohne Gegenfrage. Bekommen Sie das hin?«

»Natürlich«, erwiderte Lizzi und legte die Stirn in Falten als Zeichen, dass sie ihren Chef ernst nahm, was zugegebenermaßen nicht immer der Fall war. »In Anbetracht der Tatsache, dass man sich seine Mandanten nicht immer aussuchen kann, werde ich meine Antwort differenzieren«, begann sie vorsichtig. Als sie den gequälten Blick ihres Chefs sah, kürzte Lizzi schwungvoll ihre Rede ab. »Ach was. Ich weiß, was Sie hören wollen: Ich liebe meinen Beruf. Das stimmt sogar, meistens jedenfalls, aber wenn so eine Schnepfe wie Frau von Luckstein vor sich hin schnattert, dann würde ich sie am liebsten entweder erwürgen oder erstechen, und da beides weder gesellschaftskonform ist noch von Ihnen begrüßt würde, bin ich geplatzt. Es kam einfach über mich wie ein Gewittersturm, zack, und der Blitz hat eingeschlagen. Es tut mir leid, nicht für die Schnepfe, denn sie hat es verdient, sondern für Sie.«

Lizzi hatte in einem Atemzug geredet, jetzt holte sie tief Luft.

Herr Möcklenberg hatte ihre Rede mit offenem Mund verfolgt. Obwohl er Lizzi schon seit fünf Jahren kannte, wurde er offenbar noch immer von ihren Ausbrüchen und Wortfluten überrascht.

Missbilligend schüttelte er den Kopf. »Wenn wir immer nur die Mandanten vertreten würden, die Ihnen genehm sind, könnte ich die Kanzlei in zwei Monaten schließen. Man sägt nicht die Beine des Stuhls ab, auf dem man sitzt.«

»Selbst wenn das Holz morsch ist?«

»Hauptsache ist doch, man kann darauf sitzen!«, entfuhr es Herrn Möcklenberg lauter als beabsichtigt.

»Verstanden«, sagte Lizzi und schürzte missbilligend die Lippen. »Sie sind der Chef.«

»Schön, das aus Ihrem Mund zu hören, Frau Bergmann«, antwortete Möcklenberg sarkastisch. Seine Finger trommelten auf der Schreibtischplatte. »Sie sind doch sonst so einfallsreich. Also, wie wäre es, wenn Sie es einmal mit einem psychologischen Trick versuchen: Lassen Sie Ihren Ärger heraus. Und zwar bevor Sie platzen. Reagieren Sie sich ab. Danach, werden Sie sehen, läuft alles wie von selbst.«

»Aha. Und wie soll das gehen: den Ärger loswerden? Soll ich Mandanten wie Frau von Luckstein vor dem Gespräch umbringen?«

Möcklenberg zog die Augen