: Minnie Darke
: Bis du mich findest Roman
: Goldmann Verlag
: 9783641240523
: 1
: CHF 8.90
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: German
: 416
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Er glaubt sie für immer verloren zu haben. Doch sie wird ihn wiederfinden.

Es ist Liebe auf den ersten Blick, als Diana, Klavierwunderkind und Starpianistin, in Jeanslatzhose und Chucks in Aries Büro im Musikkonservatorium stolpert. Sieben gemeinsame Jahre später weiß Diana, dass sie auch den Rest ihres Lebens mit Arie verbringen will. Da Diana noch nie besonders gut mit Worten war, schreibt sie ein Lied, das Arie ihre Liebe zeigen soll. Doch sie wird es ihm nie vorspielen können. Eines Abends hört ein Mann in einer Hotellobby eine junge Frau Klavier spielen, und die Melodie berührt ihn zutiefst. Noch hat er keine Ahnung, dass dieses Lied sein Leben für immer verändern wird. Und nicht nur seines ...

Minnie Darke ist nicht nur Autorin, sondern auch skrupellose Scrabble-Meisterin, Strickprofi und Liebhaberin von frisch angespitzten Stiften. Am liebsten schreibt sie an ihrem Küchentisch oder im kleinen Schreibstudio in ihrem Garten bei einer Tasse Russischem Karawanentee. Minnie Darke lebt mit ihrem Mann und ihren drei Kindern in Hobart, Tasmanien.

AUFTAKT

Das Liebeslied begann nicht etwa mit einem Fanfarenstoß oder dramatisch scheppernden Becken, sondern mit einem sachten Klopfen an der Tür.

Die Tür befand sich im Untergeschoss des Konservatoriums für Musik, wo – wegen Januarferien und Hitze – auf Gängen und in Treppenhäusern eine seltsam gespenstische Atmosphäre herrschte. Doch selbst an einem geschäftigen Tag mitten im Semester wäre das Schild an der Tür irreführend gewesen.ABTEILUNGFÜRINFORMATIONSTECHNOLOGIE stand da, obwohl drinnen nur ein einziger Mitarbeiter saß. Arie Johnson war sechsundzwanzig Jahre alt und saß gerade, kurz vor Mittag, an seinem Schreibtisch. Noch ahnte er nicht, dass er das leicht zerdrückte Schinken-Käse-Sandwich, das er sich morgens gemacht hatte, nie essen würde. Oder dass sein Leben sich bald dramatisch verändern sollte.

Arie hörte es klopfen und schaute auf. Im Türrahmen stand Diana Clare, doch das allein reichte noch nicht, um ihm das schiere Ausmaß dessen, was hier gleich geschehen sollte, begreiflich zu machen. Die langen Haare hatte sie, wie er bemerkte, oben auf dem Kopf zu einem Zuckerwattebausch zusammengebunden, und ihre Wangen waren hochrot. Nicht weiter verwunderlich, schließlich waren laut Wetterbericht für heute 34 °C und mehr vorausgesagt.

Bis gestern hatte Arie Diana nur aus der Ferne gekannt, von Plakaten her und aus dem Feuilleton. Abgesehen von ein, zwei beinahe schon sagenhaften Gestalten, nach denen andernorts Konzertsäle benannt waren und deren Bronzestatuen in dramatischer Pose auf dem Campus des Konservatoriums standen, war Diana Clare, Klavierwunderkind, ganz sicher die bekannteste Absolventin. Ihr Markenzeichen waren die Auftritte in schulterfreien roten Abendkleidern, zu denen sie als Stilbruch knöchelhohe Converse trug, und die im selben knalligen Farbton wie ihre Kleider geschminkten Lippen. Im Hauptfoyer des Konservatoriums hing eine Fotografie von ihr beim Klavierspielen – bloße Schultern, die Arme ausdrucksstark nach den Tasten ausgestreckt, den Kopf in den Nacken gelegt, dass die langen, hellen, rotblonden Haare sich bis fast auf den Boden ergossen.

Mit gerade einmal fünfundzwanzig war Diana schon in den bedeutendsten Konzertsälen der Welt aufgetreten, aber jetzt war sie für den Sommer ans Konservatorium zurückgekehrt, um Meisterklassen zu unterrichten. Ihr einen Rechner einzurichten fiel in Aries Aufgabenbereich, weshalb er gestern die Treppe zu dem ihr zugewiesenen Büro hinaufgejoggt war, und zwar mit einem derart klaren Bild von ihr vor Augen, dass er kurz gestutzt hatte, sie ohne rotes Kleid zu sehen. Stattdessen hatte sie ein lässiges Jeans-Latzkleid mit Trägern angehabt und darunter ein über und über mit winzig kleinen Kleeblättern bedrucktes T-Shirt, und die Haare hatte sie zu straffen Zöpfen geflochten.

Auf Fotos wirkte Diana Clare immer wie ein Weltstar, mondän und glamourös. Atemberaubend. Aber in echt