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Die Glühbirne flackerte müde, einmal, zweimal. Dann erbarmte sie sich, den Raum mit einem schlierigen Schein zu überziehen, der die Schatten nur verstärkte. Die Luft roch feucht und abgestanden, als wüchse in den Schränken und hinter den Büchern im Regal das Moos, als wäre das Erdreich schon dabei, sich das Haus einzuverleiben, das Fundament schon zersetzt von Wurzeln und Käfern.
Es riecht nach Tod, dachte Franka, nach Friedhof im Regen, und sie wusste, dass es Einbildung war. Elena war zwar hier gestorben, aber das war Jahre her, sieben, um genau zu sein.
Und doch. Das Haus war so verbunden gewesen mit Elena, so sehr eins mit ihr, hatte durch sie gelebt und geatmet, dass nun vielleicht auch ihr Tod Teil des Gemäuers geworden war. Nichts war mehr übrig von der ausufernden Wärme, dem lauten Lachen ihrer Großmutter. Alles übertüncht von Stille.
Franka zuckte, als sie aus den Augenwinkeln eine Bewegung wahrnahm. Nur ein Weberknecht, der panisch und auf wippenden Beinen hinter eine vertrocknete Pflanze flüchtete, gestört von diesem plumpen Menschenwesen, nach Jahren der Ruhe.
Der modrige Ficus, der dem Spinnentier Schutz bot, war nur eines von vielen toten Gewächsen, eine geschlagene Armee, dahingestreckt auf den stumpfen Dielen und den staubigen Fensterbänken, kein Leben mehr in ihnen.
Eine der Scheiben war gesprungen, vielleicht die Kälte im letzten Winter. Der gehäkelte Vorhang vor dem Fenster war schimmelig, und auch an den Wänden zeigten sich nasse Flecken und fein verästelte Risse, die, wenn man sie lange genug anstarrte, Millimeter für Millimeter zu wachsen schienen, wie gierige, dünne Finger, die sich nach etwas reckten, dem Ende zu, der Erlösung. So sah kein Zufluchtsort aus, aber wer so dringend eine Zuflucht brauchte wie sie, der nahm, was er kriegen konnte.
Franka ging den Flur entlang zum Schlafzimmer. Das Bett war gemacht, ein staubiger, gewebter Überwurf, die Farben verblasst, die Enden ordentlich unter die Matratze geschlagen. Hier hatte sie geschlafen, früher, ganz früher, eng an ihre Großmutter geschmiegt. Das Rascheln von Elenas Nachthemd und der saubere Geruch ihrer Hautcreme hatten sich ihr eingeprägt, der Inbegriff von Geborgenheit, und die Erinnerung daran überschwemmte sie immer, wenn sie sich verloren fühlte, so wie jetzt.
Eine Nacht tauchte aus ihrem Gedächtnis auf, die Bilder klar und scharf vor ihr, wie sie aus dem Schlaf fuhr, nach Luft rang, ein Traum nur, ein gnadenlos böser Traum, wie sie das Bett abtastete und es leer fand, nichts als kühle Laken. Sie rannte im Dunkeln los, knallte mit dem Kopf gegen den Türrahmen und spürte, wie das Blut zu laufen begann, von ihrer Augenbraue strömte es über ihr Gesicht, und sie tastete sich in die Küche, wo Elena saß, über ein Buch gebeugt, im warmen Licht der kleinen Fransenlampe. Elena schrak auf, ein spitzer, leiser Schrei, als plötzlich diese kleine, bleiche Gestalt vor ihr stand, mit grellem Blut überall. Sie zog Franka auf ihren Schoß, hielt sie fest, drückte ein Geschirrtuch auf die Wunde, und dann – und das war er, der Kern ihrer Erinnerung – war alles gut. Von einem Moment auf den anderen war alles gu