#sunsetbeach
Endlich mal ganz allein. Was für ein großartiges Gefühl. Sonja zieht ihre Ray-Ban-Brille auf und schlendert bester Laune Richtung Westerländer Strand. Es ist schon kurz nach zehn an diesem wunderschönen Sonntagvormittag, zeigt ihr Handy, das sie nun auf lautlos stellt undin die Innenseite ihrer geflochtenen Strandtasche steckt. Die Sonne strahlt hell und steht schon ziemlich hoch am Himmel, über den ein paar weiße Wolken ziehen. Sonja assoziiert einen Drachen, ein Segelschiff und einFeuerwerk. Beschwingt summt sie vor sich hin. Ihr weht eine Windböe ins Gesicht, und sie geht schneller. Siemuss zum Meer. Viel zu lang ist sie nicht mehr hier gewesen, das letzte Mal wohl mit Mark vor Lolas Geburt.
Ihr buntes Strandkleid umspielt leicht ihren Körper. Sie genießt es, nicht eingeengt zu sein, nicht die für ihr Alltagsleben praktischen Jeans und Pullover zu tragen. Der Nordseewind bläst ihre Locken durcheinander, und Sonja erklimmt den Weg zur ersten Düne. Oben bleibt sie einen Moment stehen, breitet die Arme aus und betrachtet das Meer, während sie sich vom Wind umwehen lässt.
»Ich fliege!«, ruft sie.
Im selben Augenblick ist ihr der Gefühlsausbruch auch schon peinlich, und sie lässt schnell die Arme wieder sinken. Hat sie jemand gesehen? Keiner scheint sie zu beachten. Dennoch muss sie über sich selbst schmunzeln. Offenbar machen sich an ihr schon erste Erholungseffekte bemerkbar. Schnell geht sie weiter. Vielleicht liegt es auch am Restalkohol. Der gestrige Abend ist ja sehr lustig in der Hotelbar ausgeklungen. So viel gelacht hat sie lange nicht mehr, sie haben wild zu den Dixieland-Klängen der tollen Band gegroovt und Gin Tonics bestellt, die in rosa Gläsern serviert wurden und nach Himbeere und Rosmarin schmeckten. Rieke hat mit Andi, dem Glatzkopf-Surfer, geschnackt, der sichtlich seinen Spaß hatte, obwohl er und seine Kumpels rein optisch gar nicht zur Musik passten. Sogar Mado hat ein nettes Gespräch mit dem Typen vom Yogatisch geführt. Fiete Kampmann, wie sie herausgefunden hat, ein gut aussehender Dunkelhaariger mit Brille, Sixpack und guter Frisur, dessen Namen Rieke prompt auf Mados Liste unter Nummer zwei ergänzte.
Sonja hat es richtig genossen, mit Lucy zu tanzen, die Leute zu beobachten und laut mitzusingen. Lucy sah so glücklich aus. Obwohl sie so strahlte, sprach sie keiner der männlichen Gäste an. Früher auf Unipartys war der engelsgleichen, hübschen Lucy das immer passiert. Heute hat sie vermutlich einfach das imaginäreGlücklich-vergeben-Schild umhängen. Ob man ihr Mark und den ganzen Clan auch ansieht? Sonja blickt an sich herunter. Doch die nächste frische Brise lässt ihre Haare vors Gesicht wehen und verscheucht alle anderen Gedanken.
Sie schaut die berühmte Flaniermeile Westerlands entlang. Auf der rund zwei Kilom