: Poppy Jamie
: Happy not Perfect Überwinde deinen Perfektionismus und werde Angst und Selbstzweifel los
: Goldmann Verlag
: 9783641274368
: 1
: CHF 10.80
:
: Lebensführung, Persönliche Entwicklung
: German
: 352
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Raus aus der Perfektionismus-Falle!

Ängste, ständige Selbstzweifel und zwanghafter Perfektionismus können uns im Alltag schwer belasten und uns viel von unserer Lebensfreude nehmen. Poppy Jamie steckte selbst in einer tiefen persönlichen Krise, als sie zu verstehen begann, dass sie stärker auf ihre psychische Gesundheit achten muss. Sie führte Gespräche mit zahlreichen Expert*innen und entwickelte daraus ihr eigenes »Happy not Perfect«-Programm. In ihrem Buch versammelt die britische Moderatorin ihre Strategien und gibt uns ein ebenso praktisches wie kluges Konzept an die Hand, mit dem wir lernen, den Perfektionismus Schritt für Schritt hinter uns zu lassen und in eine glücklichere Zukunft zu starten.

Poppy Jamie,geboren 1990,ist TV-Moderatorin, Unternehmerin und Mental-Health-Aktivistin. Sie ist Absolventin der London School of Economics und als Korrespondentin für diverse TV-Kanäle aktiv. 2016 gründete sie gemeinsam mit Suki Waterhouse das Accessoires-Label Pop& Suki. Da die Britin jahrelang selbst unter Ängsten und massiven Selbstzweifeln litt, beschloss sie 2017 die Mental-Health-App »Happy not Perfect« ins Leben zu rufen, in der sie effektive Strategien zur Verbesserung der mentalen Gesundheit präsentiert.

EINFÜHRUNG
Locker werden


Am meisten fürchten wir uns oft vor dem, was uns als Menschen ausmacht: vor unserer Fähigkeit zu fühlen.

Unsere Gefühle können tückisch sein, gewaltig, wild, unbewegt oder überwältigend, wie die Unterströmung im Meer. Wir fürchten uns vor Dingen, die uns verletzlich machen und uns dennoch Kraft verleihen. Aber wer könnte uns das verdenken? Emotionen sind allzu oft eine schlimme Qual.

Endlich haben wir die Kurve gekriegt, das Leben läuft nach Plan, unser Selbstvertrauen steigt, und wir haben den Eindruck, dass bald unsere große Stunde schlagen wird … da trifft es uns mit voller Wucht mitten ins Gesicht. Wutausbrüche, Enttäuschung, Ängste, Reue, Schamgefühle und Verlegenheit (und anderes) brechen über uns herein und machen unserem Höhenflug Knall auf Fall ein Ende.

Weißt du, wie es ist, wenn man von einem starken Gefühl überrannt wird? Oder hat man dir schon einmal gesagt: »Hör auf zu heulen! Sei nicht so wütend! Beruhig dich endlich!« Wir lernen, dass starke Gefühle störend, unangemessen, falsch oder hässlich sind. Man sollsich selbst treu bleiben, wird jedoch im gleichen Atemzug ermahnt, nur nicht zu empfindlichzu sein. Wie lange habe ich mich bemüht, das perfekte, »genau richtige« Maß an Emotionen zu finden, nicht zu viel und nicht zu wenig! Natürlich bin ich daran gescheitert und bekam stattdessen Angst vor meinen Gefühlen. Ich hoffte inständig, sie würden nicht im unpassenden Moment ihr hässliches Haupt heben – doch genau das geschah unweigerlich, und zwar immer wieder.

Seit ich denken kann, benehmen sich meine Gefühle so, wie ich mir eine Horde frecher Schulkinder vorstelle. Sie entwischen mir immer dann, wenn das nicht passieren dürfte. Sie platzen heraus, wenn sie sich zurückhalten sollten. Sie können nervtötend sein, kennen keine Grenzen, sind herablassend und wollen nicht hören. Im Laufe der Jahre haben sie mich in abartig viele unangenehme Situationen gebracht, weil ich in den unpassendsten Momenten unkontrolliert lachen und/oder weinen musste. (Such mal bei Google nachJude Law peinliches Interview, dann siehst du, wie ich mit 21 Jahren verzweifelt versuche, mich zusammenzureißen, während ich vor laufender Fernsehkamera einen Lachanfall habe.)

Nach jahrelangem Krieg der Gefühle kam mir ein Gedanke: Wie wäre es, wenn wir unsere biochemischen Reaktionen – genau das sind Gefühle nämlich – als Weg in die Freiheit nutzen würden? Stell dir mal vor, wir würden nicht mehr gegen Emotionen ankämpfen, sondern das, was sie uns sagen wollen, nutzen, um: (1) uns selbst besser zu verstehen, (2) frühere Verletzungen zu überwinden und (3) unsere toxischen Grundüberzeugungen abzustellen und uns damit neue Möglichkeiten zu eröffnen. Das würde bedeuten, die Gefühle richtig auszukosten.

In unserer Kultur scheint es für Gefühle eine gewisse Rangordnung zu geben. Glücklich ist der gepriesene Optimalzustand, den wir alle anstreben sollten, denn dort kennt man keine Sorgen, alles ist toll. Ich habe lange eine Rolle gespielt, versuchte verzweifelt, das vermeintlich »Richtige« zu tun und zu sagen und dabei immer nett, glücklich und immer fröhlich zu wirken – denn ich hatte gelernt, dass genau das von einem braven Mädchen erwartet wird. Doch indem ich meine wahren Gefühle und Reaktionen unterdrückte, nahm ich mir unbewusst die stärkste Orientierungshilfe, die wir alle haben: ehrliche, ungefilterte Emotionen.

Viele von uns verzichten auf Integrität, um den Identitäten gerecht zu werden, die man uns zuweist, u