: Sven Haupt
: Stille zwischen den Sternen
: Eridanus Verlag
: 9783946348306
: 1
: CHF 4.40
:
: Science Fiction, Fantasy
: German
Wie füllt man eine Stille, wenn man weder eine Stimme hat noch Augen, die sehen, oder Hände, die fühlen? Als die unscheinbare Pilotin Hien Otis die Chance erhält, im Rahmen des teuersten militärischen Forschungsprojekts aller Zeiten zum ersten lebendigen Raumschiff zu werden, gibt sie ohne zögern alles auf. Kurz darauf verschwindet eine geheime Raumstation am Rande der Galaxis und die Armee entsendet umgehend ihren neuen Prototyp. Die Aufklärungsmission führt in den Leerraum jenseits der Sterne, wo der Wahnsinn auf jeden Menschen lauert ... 'Stille zwischen den Sternen' erzählt die Geschichte einer jungen Frau auf der Suche nach dem Sinn ihres Lebens, die im entferntesten Winkel der Galaxis - inmitten der Stille - das größte Wunder findet, was die Menschheit je gesehen hat. Bisherige Preise des Autors: Marburg Award 2018 (Kategorie Kurzgeschichte) / Deutscher Science-Fiction Preis 2021 (Kategorie Roman)

Sven Haupt wurde 1976 in Bonn geboren. Er hat eigentlich Biologie studiert und 2008 in kognitiver Hirnforschung promoviert. Da einem dafür aber niemand Geld gibt, arbeitet er stattdessen als IT-Experte für ein Software-Unternehmen. Seit seiner Jugend schreibt er Blogs, Lyrik und Kurzgeschichten. 2016 beschloss er, in Zukunft auch an Literatur-Ausschreibungen teilzunehmen und seine Texte tatsächlich zu publizieren. »Stille zwischen den Sternen« ist sein zweiter Roman.

Anhang 05<SPERRGEBIET>

 

Aufzeichnungen der Schiffs-KI an Bord der Aufklärungsfregatte ‚Heimweh der kleinen Eule‘ auf dem Rückweg vom Trainingseinsatz.

(1 Jahr vor Prozessbeginn)

 

 

Jane ließ langsam ihre reich verzierte Teetasse aus hauchdünnem Porzellan sinken und blickte ernst auf ihren Commander. Major Hien Otis lag ausgestreckt am Boden des viktorianischen Teesalons und lachte. Die Gouvernante bemühte sich, ihrer Stimme einen strengen Ton zu geben.

»Ich glaube nicht«, erklärte sie kühl, »dass Colonel Enders deine Heiterkeit teilen wird, Mimei. Das war vollkommen unprofessionell.«

Otis schien sie nicht gehört zu haben, denn sie lachte so sehr, dass sie sich die Tränen aus den Augen wischen musste.

Jane schnaufte genervt und nippte an ihrem Tee, um sich zu beruhigen. Ihr Blick blieb lächelnd an der Tasse hängen. Sie liebte dieses Service wegen seines eleganten Rosenmusters. Die Tassen mit den leicht abgerundeten Ecken und dem feinen Goldrand waren nach authentischen Vorlagen modelliert. Der Geruch nach künstlicher Bergamotte stieg ihr in die Nase. Sie könnte den Tee auch nach dem echten Öl riechen lassen, aber sie mochte das Künstliche lieber.

Ihr Blick fiel auf den Spiegel, der über der Anrichte hing, und sie kontrollierte kritisch ihr eigenes Erscheinungsbild. Die Brosche passte nicht zum Service. Jane kniff die Augen zusammen. Der Farbton des Schmuckstücks wechselte zu einem tiefen Blau und ihr hoher Kragen zu einem kräftigen Fliederton, der wie eine Welle auf ihrem Kleid nach unten lief.Die hochgesteckten Haare können so bleiben, urteilte sie.Selbst wenn es nur eine Simulation ist, Details sind wichtig.

Das anhaltende Lachen unterbrach ihre Gedanken.

»Wer hätte gedacht«, kommentierte Hien glucksend, »dass man Klimaanlage und Abwassersystem auf so effektive Weise miteinander koppeln kann? Besonders, wenn die Klimaanlage Teil der zentralen Lebenserhaltung und somit praktischerweise sehr nahe am Maschinenraum lokalisiert ist.« Sie kicherte glücklich. »Das«, verkündete sie und hob belehrend einen Finger, »ist eine Designschwäche, die sich erst offenbart, wenn die Gravitation ausfällt. Kommt davon, wenn man sein Schiff von kurzsichtigen Ingenieuren designen lässt, die niemals ihren Planeten verlassen haben.«

Jane seufzte, ließ sich vorsichtig auf der Couch nieder und blickte auf die junge Frau hinab, die theoretisch ihre kommandierende Offizierin darstellte.

Hien trug wie immer nur ein schlichtes weißes Kleid, welches ihren schmerzhaft mageren Körper verhüllte. Jane hatte sie immer wieder zu überzeugen versucht, sich einen besseren Avatar zuzulegen.

Man sollte meinen, dass Menschen innerhalb einer virtuellen Umgebung automatisch versuchen, das Beste aus ihrem Äußeren zu machen, wozu hat man denn sonst die unendlichen Möglichkeiten einer Simulation? Nun, das traf wohl nur auf normale Menschen zu.

Die Gouvernante sah auf die Offizierin hinab, die weiter lachend über den reich verzierten Perserteppich rollte.

Wenn sie in diesem Zustand ist, kann man sowieso nic